Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


Angela Merkel befindet sich gerade in jener seltsamen Phase zwischen Ferien und Regierungsarbeit, die jedes Jahr auf ihren Sommerurlaub folgt. In Berlin ist der Betrieb noch nicht in Gang gekommen. Also hat sie Zeit für Termine wie heute in Sachsen, wo sie erst ein Maschinenbauunternehmen besucht und anschließend ein Fest der sächsischen Landtagsfraktion. Ein Besuch bei Freunden, könnte man meinen, aber in kaum einem anderen Landesverband ist die Kanzlerin so umstritten.

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Heft 33/2018
Wie der Reisende zerstört, was er liebt

Einst holte die Sachsen-CDU satte Mehrheiten, aber dann ist die AfD so stark geworden, dass sie bei der Bundestagswahl die Union überholte. Viele geben Merkel die Schuld an der Misere, in kaum einem anderen CDU-Landesverband ist die "Merkel muss weg"-Fraktion stärker. Dass sie sich nun einen ganzen Tag für den Freistaat nimmt, muss man wohl vor allem als Wahlkampf in eigener Sache verstehen.

Salvini, der Horrorclown

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In der Liga der absurden Äußerungen spielt der italienische Innenminister Matteo Salvini immer gerne ganz oben mit. Aber was er nun zum Unglück in Genua gesagt hat, ist an Perfidie kaum zu überbieten. Noch ist völlig unklar, warum die Brücke über der italienischen Stadt einstürzte, aber für den Politiker der rechtsradikalen Lega steht der Schuldige schon fest: die EU und die Regeln für den Euro. "Wenn äußere Zwänge uns davon abhalten, in sichere Straßen und Schulen zu investieren, dann müssen wir wirklich hinterfragen, ob es Sinn macht, diese Regeln zu befolgen", sagte Salvini. "Es kann keinen Kompromiss zwischen Budgetgrenzen und der Sicherheit der Italiener geben."

Wahrscheinlich kommt Salvini noch auf die Idee, Kommissionschef Jean-Claude Juncker zu verklagen. Die Italiener hatten immer schon eine Vorliebe für politische Clowns. Ihr Horrorclown heißt nun Salvini.

Der Mann mit dem Handysack

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Auch in der Redaktion reden wir uns gerade die Köpfe heiß, ob Handys in Schulen verboten werden sollen oder nicht. Meine Meinung dazu ist eindeutig: Ginge es nach mir, würde vor jeder deutschen Schule ein freundlicher aber strenger Herr mit einem Sack stehen, der alle Smartphones einsammelt. Als wir gestern in der Leitartikelrunde diskutierten, redete ich mich so in Fahrt, dass am Ende das Wort "Scheißhandy" fiel; es kam aus meinen Mund.

Ich halte das Handy für eine Zerstreuungsmaschine ersten Ranges, und jeder, der Kinder hat, kennt die Kämpfe um das letzte YouTube-Video, das unbedingt noch geguckt werden muss. Aber als mein Ärger verraucht war, dachte ich an meinen diesjährigen Urlaub zurück und an jenen Abend, als mir Freunde zeigten, wie man sich von einer App den Sternenhimmel erklären lassen kann. Wir standen auf einer Terrasse über dem Mittelmeer, und mit einem Blick konnten wir sehen, wie der Saturn seine Bahnen zieht, der Mars und die Venus. Es erschlossen sich Sternbilder, die ich vorher nie als solche erkannt hatte, es war, ich kann es nicht anders sagen, ein magischer Moment mit dem Scheißhandy.

Gewinnerin des Tages

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Sie hat sich immer genommen, was sie wollte: Sean Penn als Ehemann, einen Fitnesstrainer als Vater ihres Kindes, Warren Beatty als Geliebten. Sie engagierte die Produzenten, die sie brauchte, um sich voranzubringen, wohl keine Frau in der Musikbranche hat sich so oft neu erfunden, sie war Backfisch, Sünderin, Sexsymbol und dann eine Frau, die Gesetze der Branche einfach ignoriert. Wenn Mick Jagger einfach immer weiter auf der Bühne steht, wenn Männer so tun, als sei für sie die ewige Jugend reserviert, warum kann sie, Madonna, das nicht auch? "Cause the boy with the cold hard cash is always Mister Right", sang sie 1984 in "Material Girl". Heute wird Madonna 60 Jahre alt und ist womöglich die unabhängigste Frau der Welt.

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    insgesamt 22 Beiträge
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    osz-madretsch 16.08.2018
    1. Spieglein, Spieglein an der Wand
    So langsam mache ich mir Sorgen um die im Spiegel angeschlagene Sprache: Gestern die "Art des Dämlichen" (über Trump), heute "Salvini, der Horrorclown", das ist eigentlich nicht die Art Journalismus, die ich schätze. Der Spiegel sollte - zumal er sich ja aktiv gegen Hetze engagiert - nicht in dasselbe Muster vefallen, das es ständig kritisiert.
    kritischergeist 16.08.2018
    2. Politsch korrekte Sprache
    Der Spiegel pflegt mit Akribie eine politsch korrekte Sprache und zensiert im Forum alles was davon abweicht. Scheinbar gilt dies aber nicht für die eigenen Journalisten die kein Problem damit haben den Minister einer vom Volk gewählten Partei einen Horrorclown zu nennen. Es scheint wohl ein Sakrileg zu sein die EU zu kritisieren und darauf hinzuweisen, dass deren Finanzierung nicht auf Kosten der Sicherheit der Italiener passieren darf. Auch wenn Salvini hier nach meiner Auffassung falsch liegt, ist es erlaubt dies als Minister zu sagen ohne von der deutschen Linkspresse beleidigt zu werden.
    be61 16.08.2018
    3. ... der Mann mit dem Handysack vor der Schule ...
    wird wohl nicht Realität werden. Ich als Französischlehrer werde aber ab dem nächsten Schuljahr die Handys meiner Schülerinnen und Schüler vor der Stunde einsammeln und sie ihnen für die Pause (zähneknirschend) wieder zurückgeben. Grund: Eine Schülerin gibt nach der Stunde spontan bekannt, dass auf ihrem (ausgeschalteten) Handy während der 8. und 9. Stunde 17 Mitteilungen und 4 Anrufe aufgelaufen sind. Das bedeutet 21 mögliche Unterbrechungen der Aufmerksamkeit in 90 Minuten. Ich möchte gerne - wie haben Sie so schön formuliert? - "magische Momente" mit der französischen Sprache ermöglichen.
    trex#1 16.08.2018
    4.
    Wenn ich die Berichte bei SpOn über die Krise des Bildungswesens in unserem Lande lese, dann sind Smartphones das allergeringste Problem, das die Schulen in diesem Lande habe.
    coyote38 16.08.2018
    5. Kein Zynismus ... bloß schlicht gelogen.
    Italien ruft seit JAHREN die ihm zur Verfügung stehenden Gelder aus den europäischen Infrastrukturtiteln überhaupt nicht ab. Insofern ist die Aussage von Salvini kein Zynismus, sondern eine - vermutlich der eigenen fachlichen Inkompetenz geschuldete - schlichte Lüge.
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