Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


heute wird es ernst für Julia Klöckner. Die Bundeslandwirtschaftsministerin hat ja bekanntlich versprochen, die Bauern wegen der Dürre nicht allein zu lassen. Sie wollte dann aber doch erst einmal abwarten, wie schlecht die Ernte dieses Jahr wirklich ausfällt. Gestern Abend sollte nun der Bauernverband seine Zahlen zur Ernte in Klöckners Ministerium vorlegen, die Nacht über wollte Klöckner rechnen, damit sie heute im Kabinett und dann der Öffentlichkeit ihre Pläne vorstellen kann, ob und wie den Bauern geholfen wird. Bisher schien es, als wolle Klöckner versuchen, sich zumindest ein wenig aus dem Klammergriff der Agrarlobby zu lösen. Ihre Partei lässt ihr da aber wenig Raum.

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Heft 34/2018
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Der Bauernverband hatte ja vorsichtshalber schon mal eine Milliarde (1.000.000.000) Euro Unterstützung wegen der zu erwartenden Ernteausfälle angeregt. Das schien sehr viel, wird den Bauern aber möglicherweise gar nicht reichen. Mir kommen da eine Menge Fragen: Kontrolliert eigentlich jemand, wie Bauern ihre Ernteausfälle berechnen? Und wie genau errechnet man Ernteausfälle, wenn die Preise doch steigen, je geringer die Ernte ausfällt?

Angola in Berlin

AFP

"Das Wohl Afrikas liegt im deutschen Interesse" - das war eine der Lehren, die Kanzlerin Angela Merkel aus der Flüchtlingskrise gezogen hat. Nur wenn sich Afrika so entwickelt, dass die Afrikaner dort bleiben wollen, kann Europa die Flüchtlingsfrage lösen. Seitdem ist Merkel immer wieder nach Afrika gereist, in Berlin geben sich afrikanische Staats- und Regierungschefs die Klinke in die Hand. Heute ist Angolas Präsident Joao Lourenco im Kanzleramt zu Gast. In seinem Land sind zwei Drittel der Einwohner jünger als 25 Jahre, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 44 Prozent.

Wer der Kanzlerin vorwirft, sie betreibe ihre Afrikapolitik nur aus deutschem Eigeninteresse, macht einen Fehler. Ich bin überzeugt: Eigeninteresse ist ein besseres Motiv für Politik als Barmherzigkeit. Allerdings dürfen Deutschland und Europa nicht nur kurzfristig darauf abzielen, dass Fluchtrouten dichtgemacht werden. Sie brauchen eine langfristige Strategie, um Afrika zu entwickeln. Mein Kollege Bartholomäus Grill hat im aktuellen SPIEGEL aufgeschrieben, welche Politik Afrika wirklich nützen wird: Die Europäer sollten, schreibt er, weder Schulmeister noch barmherziger Samariter sein.

Alles digital

In Berlin digitalt es heftig. Es gibt eine Staatsministerin für Digitales, die CSU-Politikerin Dorothee Bär, einen Minister, zu dessen Aufgaben die digitale Infrastruktur zählt, und einen Chefkoordinator für Digitales, Kanzleramtsminister Helge Braun, CDU. Außerdem hat vermutlich jedes Ministerium eine eigene Digitalabteilung. Ab heute berät dann auch noch ein Digitalrat aus zehn Experten die Bundesregierung.

Keiner soll sagen, die Regierung würde die digitale Revolution unterschätzen.

Gewinner des Tages

DPA

Politik ist eine Profession, die symbolisches Handeln braucht, auch wenn wir das in Zeiten des Merkel'schen Superpragmatismus schon fast vergessen haben. Die großen Gesten der Politik bleiben über Jahrzehnte in Erinnerung: der Kniefall von Warschau, das Händchenhalten in Verdun. Selbst weniger weltpolitische Gesten können zum Symbol für eine ganze Karriere werden. So ist es bei Klaus Töpfer. Wenn man bei Google seinen Namen eingibt, schlägt die Suchmaschine sofort zwei weitere Worte vor. Sie ahnen, welche: Rhein Schwimmen. Er wird auf ewig der Minister bleiben, der durch den Rhein schwamm. Töpfer ist vor ein paar Wochen 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass findet heute Abend ein "Berliner Gespräch" mit Bundeskanzlerin Merkel statt. Das Thema, durchaus passend: "Das Anthropozän - unsere Verantwortung für Natur und Schöpfung."

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
dasfred 22.08.2018
1. Da muss Frau Klöckner nicht viel rechnen
Der bauernschlaue Bauer nimmt den höchsten Ernteertrag, den er je hatte, multipliziert mit dem höchsten Preis pro Zentner, der je in schlechten Jahren erzielt wurde. Dann nimmt er den heutigen Ertrag, multipliziert mit dem niedrigsten Preis, den er bei Rekord-Ernte erzielen konnte. Damit erhält er dann das maximal schlimme Ergebnis, zu dem unbedingt noch ein Aufschlag für zukünftige Risiken addiert werden muss. Klingt jetzt albern, aber ich wette, ab einer Mindestgröße für Agrarindustriebetriebe wird es genau so kommen. Dazu wird dann die EU noch die Übernahme von nicht mehr rentablen Klein- und Mittelbetrieben finanziell begleiten.
bran_winterfell 22.08.2018
2. Klaus Töpfer
Mit Neoprenanzug durch den Rhein... das würde damals schon mit viel Spott kommentiert, im heutigen Zeitalter von Twitter etc mag ich mir gar nicht vorstellen, was das für ein shitstorm auslösen würde. Von daher seh ich das mit dem 'Gewinner' etwas anders. Abseits von der Aktion mag ich ihn eigentlich, alles gute zum Geburtstag :-)
kleinsteminderheit 22.08.2018
3. Ausgleichskasse
Der Bauernverband sollte umgehend eine Ausgleichskasse für Ernteausfälle einrichten, bei der sich die Betriebe gegen extreme Missernten versichern können. Dann wären auch jene Betriebe gesichert, die in allgemein guten Jahren durch lokal begrenzte Ereignisse wie Hagel hohe Ausfälle haben. Eine solche Kasse könnte ihre Beiträge nach dem Risiko ausrichten, welches die Betriebe mit ihrer Wirtschaftsweise eingehen. Derzeit wird das geschäftliche Risiko zu sehr auf den Staat abgewälzt. Wir müssen uns sehr genau überlegen, welche Art von Landwirtschaft wir gesamtgesellschaftlich fördern und sichern wollen. Gut, dass Frau Klöckner sich von der Agrarlobby nicht instrumentalisieren lässt.
gemüseflüsterer 22.08.2018
4. Hoffentlich hat sich die Autorin genauso viele Fragen gestellt,
als Banken gerettet werden mussten. Geld kann man nicht essen, die Produkte unserer Landwirte schon.
m.gu 22.08.2018
5. Frau Hoffmann hat ihre Beiträge verständlich und gut beschrieben. Vor
allem die besagte Unterstützung für unsere Bauern. Doch hier zeigt sich wieder die wahre Politik der Politiker der GroKo. Beim kleinen Mann, den Bauern wird erst einmal überprüft trotz großer Trockenheit und wenig Regen. Banken, die in Schieflage geraten sind, werden nachweisbar Milliarden Euro für die Rettung ohne große Prüfungen sofort ausgegeben. Die Politiker schauen zu, wenn z.B. nur für die deutsche Bank 2 300 Millionen Euro an Provisionen an Mitarbeiter zum Jahresbeginn ausgeschüttet wurden. Ein Zustand dem jeden wahren Demokraten in Deutschland zum Nachdenken anregen müsste. Eine Parallele zur Altersrente in Deutschland, 8,6 Millionen Rentner erhalten zum Leben und für Mietzahlung unter 800 Euro zum Leben, Herr Winterkorn erhält täglich 3 000 Euro Rente zum Leben. Wer trägt die Hauptschuld für diese Zustände, auch für siehe Quelle: "Studie mit präziseren Kriterien: Arme Familien sind ärmer als gedacht"?
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