Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


im unionsinternen Flüchtlingsstreit senden erste CSU-Politiker Entspannungssignale. Offenbar haben sie durchgespielt, was eine Trennung von CDU und CSU für die nächsten Landtagswahlen bedeuten würde: In Bayern müsste die CSU gegen ihre frühere Schwesterpartei antreten, obwohl Angela Merkel dort beliebter ist als Markus Söder. In Hessen stünde die Partei vor der Aufgabe, sich konservativer zu geben als der konservative Landeschef Volker Bouffier. Und dann soll die Weißwurst-Bewegung auch noch in einer Fischbrötchen-Region wie Bremen punkten. Wie soll das gehen?

Das Problem ist nur, dass die bayerische CSU-Führung, die heute in München eine Pressekonferenz gibt, offenbar noch immer der Maxime ihres starken Mannes Markus Söder folgt: "In der CSU integriert nichts so sehr, wie wenn es gegen die CDU geht."

Macrons Agenda

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Wenn Emmanuel Macron heute in Paris das neue Bahn-Gesetz unterschreibt, macht er sein Land wieder ein Stück wettbewerbsfähiger, sogar im Vergleich mit Deutschland. In Frankreich wird der Schienenverkehr liberalisiert, während hierzulande die Staatseingriffe zunehmen. Die Regierung in Paris hat Arbeitsmarktreformen durchgesetzt, die ihre Kollegen in Berlin gerade zurückdrehen. Und während Frankreich seine Staatverschuldung in den kommenden Jahren senken will, sehen Ökonomen östlich des Rheins die schwarze Null in Gefahr. Mit dem unschönen Wort "Blitzkrieg" belegen französische Zeitungen den Reformeifer Macrons, an den Finanzmärkten aber lautet die Frage: Ist Frankreich bald das bessere Deutschland?

Selig sind die Armen

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Hohn und Spott erntete das katholische Bistum Eichstätt, als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass sich ihr Finanzdirektor bei Immobiliengeschäften in den USA verzockt und dabei einen hohen Schaden verursacht hatte. Heute wollen seine Nachfolger eine bereinigte Bilanz ihres Vermögens vorlegen; doch stellt sich inzwischen die Frage, ob die verlustreichen Spekulationsgeschäfte des Finanzmanagers nicht vielleicht etwas Heilsames hatten. Schließlich hatte Papst Benedikt schon vor seinem Amtsantritt gemahnt: "Was ist das größte Problem der Kirche in Deutschland? Sie hat zu viel Geld."

Von Tschechien lernen

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Während hierzulande noch über die Gründung einer linkspopulistischen Sammlungsbewegung nach dem Vorschlag Sahra Wagenknechts nachgedacht wird, ist sie in Tschechien bereits an der Macht. In Prag wird heute das Kabinett des populistischen Regierungschefs Andrej Babis vereidigt, der eine Koalition mit den Sozialdemokraten gebildet hat, die von den Kommunisten toleriert wird. Auch das Motto der neuen Rechts-links-Allianz dürfte Wagenknecht gefallen: "Wir weigern uns aus Prinzip, dass jemand anderes als wir selbst entscheiden darf, wer bei uns leben und arbeiten darf."

Gewinner des Tages...

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... ist Béla Réthy. Der ZDF-Reporter, der heute das deutsche WM-Spiel gegen Südkorea kommentiert, wird seit Jahren im Netz mit Häme überschüttet. Kürzlich beschwerte sich sogar das feinsinnige "FAZ"-Feuilleton über die "schier endlose Suada dieses Plapperers". Dabei gibt es keinen Moderator, der Fußballer so treffend beschreiben kann wie Réthy ("Das da vorn, was aussieht wie eine Klobürste, ist Valderrama") und der es versteht, sein Publikum immer wieder mit subtilen Hintergrundinformationen zu überraschen ("In Brasilien verfolgen die meisten Menschen die Partie vor dem Fernseher"). Als seine größte Reporter-Leistung gilt bis heute, beim deutschen 7:1 gegen Brasilien so gut wie nichts gesagt zu haben. Deshalb: Mach's heute wieder so, Béla!

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
eunegin 27.06.2018
1. Kirchesteuer
"Was ist das größte Problem der Kirche in Deutschland? Sie hat zu viel Geld." Na ja, auch meine Kirchensteuer. Verzocken und verspekulieren hätte ich das auch selbst gekonnt. Herausbekommen habe ich wenig. Zuletzt eine Ablehnung vom der kath. Kindergarten (in Berlin)...
GrüneLeuchte 27.06.2018
2. Neoliberale Position
Interessant. Es ist bislang nicht bekannt das in irgendeinem Land die Privatisierung des Schienenverkehrs auch nur im Promille Bereich den Fahrgästen etwas gebracht hätte. Ganz zu schweigen von dem Erhalt des Schienennetzes. Das sind diese neoliberalen Ammenmärchen wonach der Markt es besser regelt als staatliche Institutionen. Herr Sauga sollte mal öfter in England mit der Bahn fahren. Dann weiß auch er was Privatisierung öffentlichen Eigentums bedeutet oder es wird ganz allgemein einmal darüber nachgedacht wohin uns der Neoliberalismus gebracht hat.
hansfrans79 27.06.2018
3. Finanzmärkte über alles
Klar, weil die Finanzmärkte über Frankreichs Präsidenten Jubeln, sollten wir seinem Privatisierungswahn nacheifern. Hat uns ja bisher auch nur Gutes gebracht, fragen Sie ruhig mal in Ostdeutschland nach. Komisch, dass in Frankreich die Zustimmung zu Macron ins Bodenlose sinkt. Also in der Bevölkerung, aber was zählt das schon gegen "die Finanzmärkte":
lestat3006 27.06.2018
4. Fischbrötchen
Ich würde es sehr gerne sehen, wenn Söder und CSU-Konsorten das Fischbrötchen im Halse steckenbleiben würde. So bleibt nur zu hoffen, dass die sich im Oktober an Weißwürscht und Leberkassemmel verschlucken. Schöne Grüße aus Bayern.....
noch_ein_forenposter 27.06.2018
5. Volle Zustimmung
Zitat von hansfrans79Klar, weil die Finanzmärkte über Frankreichs Präsidenten Jubeln, sollten wir seinem Privatisierungswahn nacheifern. Hat uns ja bisher auch nur Gutes gebracht, fragen Sie ruhig mal in Ostdeutschland nach. Komisch, dass in Frankreich die Zustimmung zu Macron ins Bodenlose sinkt. Also in der Bevölkerung, aber was zählt das schon gegen "die Finanzmärkte":
Was Privatisierungen "bringen", sieht man prima an Bahn und Post. Marode Bahn, prekäre Arbeitsverhältnisse bei DHL, usw. Was Macron in Frankreich macht, wird bei der nächsten Wahl Le Pen ins Amt hieven. Ich habe nie verstanden, warum Macron immer als "linksliberal" bezeichnet wurde.
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