Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


in Berlin steht die CSU wegen der Affäre um Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen unter Beschuss, und in Bayern haben die Umfragewerte der Partei vor den wichtigen Landtagswahlen Mitte Oktober einen neuen Tiefpunkt erreicht: 35 Prozent, ein Desaster, das freilich die CSU-Spitze höchst unterschiedlich trifft. Während alle Welt davon ausgeht, dass die Tage von CSU-Chef Horst Seehofer bei einer Wahlniederlage gezählt wären, gilt Ministerpräsident Markus Söder als ungefährdet, solange er die Partei nur irgendwie an der Macht hält.

Seehofer, Söder (r.)
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Heft 37/2018
Warum die AfD so erfolgreich ist

Der Grund: Die Personaldecke der Partei ist inzwischen so dünn, dass sie nicht zwei Top-Positionen zugleich besetzen kann. Wie lautet die alte Politiker-Weisheit? Jede Partei bekommt die Sieger, die sie verdient.

Russland, ein Winterrätsel

In den vergangenen Jahren kam aus Russland Vieles, was den Argwohn der Deutschen gegen die Moskauer Regierung nährte. Die Krim wurde besetzt, der Bundestag gehackt, falsche Nachrichten über Flüchtlinge in Umlauf gebracht. Heute kommt Außenminister Sergej Lawrow nach Berlin, und plötzlich säuseln die Kreml-Diplomaten so sanft daher, als sei nie etwas gewesen. Er würde die deutsch-russischen Beziehungen "nicht gespannt nennen", schmeichelt Lawrow, die EU sei "kein Gegner, sondern wichtiger Nachbar und Partner". Nun rätselt das politische Berlin, was hinter den ungewohnten Schmusetönen wohl stecken mag. Dass die Russen Geld für den Wiederaufbau Syriens erbetteln wollen, ist eine naheliegende Vermutung. Oder möchten sie jenes Klischee bestätigen, das einst Winston Churchill in die Welt setzte: "Russland ist ein Rätsel innerhalb eines Geheimnisses umgeben von einem Mysterium"?

Merkels Mann für alle Fälle

Während im Hambacher Forst Baumhäuser geräumt werden, nehmen in Berlin die Pläne zum Kohleausstieg Gestalt an. Ronald Pofalla, einer der Vorsitzenden der zuständigen Regierungskommission, hat im Auftrag der Kanzlerin erste Pläne für einen Kompromiss zwischen Klimaschutz und Kohlejobs ausgearbeitet. Über die Eckdaten berichtet mein Kollege Gerald Traufetter im neuen SPIEGEL, den Sie heute ab 18 Uhr als E-Paper abrufen können. Pofalla, heißt es in der Geschichte, kämpfe dabei nicht um sich, sondern um Merkels "ramponierten Ruf als Klimakanzlerin".

Ronald Pofalla
DPA

Ronald Pofalla

Die Regierungsbilanz

In diesen Tagen steht die Große Koalition mal wieder auf der Kippe - dabei ist sie erst ein halbes Jahr im Amt. Grund genug für eine kritische Bilanz zwölf Monate nach der Bundestagswahl, die am kommenden Montag in der Debattenreihe DER SPIEGEL live im Spiegelsaal gezogen werden soll. Über GroKo-Lust und GroKo-Frust diskutieren meine Kollegen Christiane Hoffmann und Jan Fleischhauer mit SPIEGEL-Videokolumnist Harald Schmidt. Die Veranstaltung ist ausverkauft, doch wir verlosen exklusiv für die Leser unserer "Lage" 2x2 Gästelisten-Plätze. Wenn Sie dabei sein möchten, schicken Sie eine Mail bis heute, Freitag, 12 Uhr an julia.parker@spiegel.de

Gewinner des Tages...

...ist Winfried Kretschmann. Der baden-württembergische Ministerpräsident, inzwischen 70 Jahre alt, ist noch immer der beliebteste Regierungschef Deutschlands, und fast zwei Drittel seiner wahlberechtigten Landeskinder wünschen, dass er zur nächsten Wahl in drei Jahren wieder antritt.

Winfried Kretschmann
DPA

Winfried Kretschmann

Heute reist der Grünen-Politiker nach Kalifornien, um sich über Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Elektro-Mobilität zu informieren. Seine Stärke aber gründet eher darin, dass der bekennende Heimwerker und Kirchenchorsänger als Mann der Heimat, der Traditionen und der Tugend gilt. Oder, wie es kürzlich der christdemokratische EU-Kommissar Günther Oettinger ausdrückte: "Manchmal denke ich, du bist konservativer, als ich jemals werden will".

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
haresu 14.09.2018
1. Das falsche konservativ
Heimwerken und Kirchenchorsingen ist prima, Kretschmann sollte sich darauf konzentrieren. Ansonsten ist er einer, der die Bürger vor den bitteren Wahrheiten beschützt, die seine Partei eigentlich angehen wollte. Ein Verteidiger des Selbstbetrugs, so wird man natürlich beliebt, aber konservativ? Das ist das falsche konservativ.
haresu 14.09.2018
2. Wirklich jeder will den Horst weghaben
Und Söder ist eben derjenige der das hinkriegen muss. Alles wartet auf die Bayernwahl und die SPD rupft den Hahn schon mal.
claus7447 14.09.2018
3. Spitzenpersonal CSU
Da kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, wenn die personaldecke so klein ist, nach Söder und Seehofer kommt nur noch zweite Wahl ans Ruder. Ich verstehe.
dirkcoe 14.09.2018
4. Wen glaubt Söder denn
als Koalitionspartner zu finden? In keiner denkbaren Koalition kann Söder sich weiter gebärden wie der König von Bayern. Deshalb wird es auch mit Söderstraße Herrlichkeit sehr schnell vorbei sein.
StefanZ.. 14.09.2018
5. Betteln als naheliegende Vermutung?
Wenn ich mir das Verhalten der russischen Regierung während den letzten Jahren anschaue, dann habe ich Schwierigkeiten Beispiele von Betteln zu finden. Solche Dinge sind dagegen in der EU leichter zu finden. Ähnlich sieht es aus was die Anwendung von Erpressungen (Sanktionen etc.) als illegitimes Mittel der Außenpolitik angeht.
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