Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


pünktlich zum Inkrafttreten des bayerischen Kreuz-Erlasses trifft Bayerns Ministerpräsident Markus Söder heute im Vatikan zur Audienz bei Papst Franziskus ein. Es ist nicht Seelenpein, die Söder zum Gespräch mit dem Pontifex treibt, ihn plagen ganz weltliche Sorgen. Der Erlass, wonach in jeder bayerischen Behörde ein Kreuz zu hängen habe, war als Wahlkampfschlager vorgesehen, bis der Münchener Kardinal Reinhard Marx wütete, die Staatsregierung säe "Spaltung, Unruhe und Gegeneinander".

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 22/2018
Wie Fahnder nach Jahrzehnten rätselhafte Mordfälle lösen

Danach war es um die himmlische Harmonie zwischen CSU und katholischer Kirche geschehen, und Söder, der Protestant, mühte sich um einen Termin in Rom, um von höchster Stelle Absolution von seinem plumpen Versuch zu erbeten, die bayerischen Schäfchen mit dem Kreuz an die Urne zu führen.

Das Drama der SPD

DPA

Wer das Drama der SPD verstehen will, sollte heute nach Berlin blicken, wo der Regierende Bürgermeister Michael Müller den Parteitag der Hauptstadt-SPD eröffnet. Die Sozialdemokraten stellen seit über 15 Jahren das Stadtoberhaupt, die Umfragen liegen inzwischen bei miserablen 17 Prozent, was nicht weiter verwundert: Schließlich hat die SPD mit dem BER nicht nur das größte Baudebakel der Bundesrepublik mitzuverantworten, sondern auch eine Sicherheitspolitik, in der eine offene Drogenszene irgendwie zum Teil der Hauptstadtfolklore verklärt wird.

Man sollte meinen, dass eine solche Bilanz zur Demut ermuntert, aber Landeschef Müller hat sich in den vergangenen Wochen zum großen Kritiker der Agenda aufgeschwungen - einer Reform, die erfolgreicher war als alles, was die Berliner SPD in der jüngeren Vergangenheit auf die Beine gestellt hat.

Der Junkie im Weißen Haus

AP

Er hat dann Europa doch nur eine Gnadenfrist von vier Wochen eingeräumt. Von heute an werden Stahl und Aluminium mit Strafzöllen belegt, so hat es US-Präsident Donald Trump entschieden. Die große Frage wird nun sein, ob es dabei bleibt. Viel empfindlicher als Zölle auf Stahl würde die deutsche Industrie ein Strafaufschlag für Autos treffen; Trump lässt das schon prüfen. Ein deutscher Spitzenmanager, der Trump schon kennengelernt hat, sagte kürzlich in kleinem Kreis, Autozölle seien kaum abzuwenden: "Trump ist wie ein Junkie, der immer die nächste Dosis braucht."

Verlierer des Tages...

REUTERS

... ist Mariano Rajoy. Heute muss sich der spanische Ministerpräsident aller Voraussicht nach einem Misstrauensvotum stellen. Es zeichnet sich ab, dass sich dafür im spanischen Parlament eine Mehrheit findet. Rajoy ist verwickelt in eine Korruptionsaffäre, in deren Zuge gerade der Schatzmeister der konservativen Partei PP zu 33 Jahren Haft verurteilt wurde. Man kann den drohenden Sturz Rajoys als weitere Schwächung Europas ansehen - oder als das, was es ist: ein Zeichen der funktionierenden spanischen Demokratie.

DIE LAGE - der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Freitag und einen guten Start ins Wochenende.

Ihr René Pfister

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.