Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


von Martin Schulz müssen die Wähler jetzt vor allem eins wissen: Kann er sich Rot-Rot-Grün vorstellen oder nicht? Er kommt nach Berlin, er wird sich in den Bundestag wählen lassen und er ist ein Kandidat für die Kanzlerkandidatur der SPD. Er wäre der richtige Kandidat. Er ist ein leidenschaftlicher Redner und kann Menschen überzeugen. Er ist international erfahren, er war an der Agenda 2010 nicht beteiligt, die noch immer an der Glaubwürdigkeit der SPD nagt. Er ist nicht so wankelmütig wie Sigmar Gabriel, der es nicht fertig bringt, entschlossen nach der Kandidatur zu greifen, und schon deshalb nicht der richtige Kandidat ist.

Titelbild
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Heft 47/2016
Das Gespräch über Donald Trump und den erschöpften Westen

Aber Schulz braucht eine Machtoption, weil dieses Land eine Alternative zu Merkel braucht bei der Wahl 2017. Die wahrscheinlichste Option dafür ist Rot-Rot-Grün. Wenn Schulz das nicht will, nützt es diesem Land nichts, wenn er antritt. Heute ist er in Berlin beim Bundeskongress der Jusos. Die können ihn ja mal fragen.

Hameln, Freiburg, Mossul

Heute ist der Internationale Tag zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen, ein notwendiger Tag. Man muss nur an Hameln denken: Ein Mann sticht seine Ex-Frau nieder, bindet sie an sein Auto und schleift sie durch die Stadt. Oder an Freiburg: Eine Frau joggt am Nachmittag durch einen Weinberg, wird vergewaltigt und ermordet. Und was werden die Frauen aus Mossul erzählen, wenn ihre Stadt befreit ist?

AFP

Der Karikaturen-Clan

Gestern Abend saßen wir lange in unserer Titelbild-Redaktion. Unser Thema in dieser Woche ist der Clan der Trumps. Wir hatten zwei wunderbare Entwürfe: einmal mit Fotos, einmal eine herrliche Zeichnung unseres Titelkarikaturisten Samson. Wir haben uns dann für das Cover mit den Fotos entschieden, weil dieser Clan keine Zuspitzung braucht. Als Präsidenten-Familie karikieren sie sich selbst. Die Titelgeschichte setzt sich aber sehr ernsthaft mit den Trumps auseinander. Ab heute 18 Uhr im digitalen SPIEGEL, morgen am Kiosk.

REUTERS

Pogo in Dortmund

Ich greife einmal vor, auf morgen, auf den Samstag, weil da ein Jubiläum ansteht, das mich bewegt. Vor 40 Jahren, am 26. November 1976, erschien der Song "Anarchy in the U.K" von den Sex Pistols. Die Zeit des Punk begann. Ich war damals 14 Jahre alt und hatte meine Musik gefunden. Wir Essener Bürgerkinder mochten diese Wut, obwohl sie nicht unsere war. Wir fuhren am Wochenende nach Dortmund, wo damals eine britische Garnison lag, und gingen in deren Disco, um mit den Soldaten Pogo zu tanzen. Sie waren wirklich wütend und rammten uns zu Boden. Wir sahen bald nur noch zu. Der Punk war meine Musik, aber nicht mein Leben. Für die echten Punks schaffte er die Möglichkeit, das Elend cool wirken zu lassen, und viele gingen und gehen daran zugrunde. Ausgerechnet eine Modedesignerin, Vivienne Westwood, und ein Impresario, Malcolm McLaren, hatten den Punk erfunden. Ihr Sohn Joe Corré wird am Samstag seine Sammlung von Punk-Devotionalien verbrennen. Mir egal, Sicherheitsnadeln brennen eh nicht.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

AFP

Gewinner des Tages...

...wird wohl Uli Hoeneß sein. Die Hauptversammlung des FC Bayern München wird ihn heute zum Präsidenten wählen. Das war er schon einmal, vor seiner Haft. Er hatte Millionen an Steuern hinterzogen, kam aber glimpflich davon, dreieinhalb Jahre, bald Freigang, dann Strafnachlass. Und dennoch: Er hat so gebüßt, wie es nach Recht und Gesetz für ihn vorgesehen war. Deshalb ist es völlig in Ordnung, dass er sein altes Amt wieder übernimmt.

Pop im Spiegelsaal

Am kommenden Dienstag, 29. November, findet in Berlin unsere letzte Spiegelsaal-Veranstaltung in diesem Jahr statt. Diesmal betrachten wir das Pop-Jahr 2016. Der Journalist und Buchautor Jens Balzer sowie die Sängerin Joy Denalane sind unsere Gäste auf der Bühne. Denalane beginnt den Abend mit drei Songs aus ihrem neuen Album, das im März erscheint. Ansonsten dürfen sich die Gäste auf einige Video-Clips freuen, die unsere Protagonisten stellvertretend für das Pop-Jahr 2016 ausgewählt haben. Unter den Lesern der Lage verlosen wir zwei Mal zwei Gratiskarten. Wenn Sie Interesse haben, schicken Sie eine Mail an julia.parker@spiegel.de. Ansonsten gibt es Karten an der Abendkasse oder hier.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Freitag.

Ihr Dirk Kurbjuweit

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
derschnaufer 25.11.2016
1.
So so, der Schulz hat sich an der Agenda nicht beteiligt. Und deshalb glauben sie das macht das besser? Und Rot Rot Grün wäre vorher schon möglich gewesen, aber nie gewollt. Deswegen bitte nicht jetzt so aus dem Häuschen sein. Und ich wiederhole mich, der Schulz hat hier kein Mandat. Wann sind denn in NRW die Wahlen wo man uns diesen Herrn über den abgesicherten Listenplatz unterjubeln will?
StefanZ.. 25.11.2016
2. Hip-hop und Rap mehr als nur gefährlich
Zu ihrer nebenbei Bemerkung über Punk … und viele gingen und gehen daran zugrunde… Dieses Thema ist viel ernster als es unseren Sozial- , Musikwissenschaftlern und Psychologen bisher klargeworden ist. Man hat schon Einiges erforscht zu den Gesundheitsfördernden und Lernfördernden Potentialen von Musik, ohne dabei allerdings besonders viel viele tiefere Zusammenhänge zu erkennen und Nutzenbringend im Schulunterricht etc. zu verwenden. Die Reklamebranche ist da engagierter. Es gibt dagegen Studien mäßig praktisch noch nichts zum umgekehrten Effekt von schlechter Musik. Es ist noch nicht einmal klar, dass der ausschlaggebende Unterschied in harmonisch gegenüber disharmonisch besteht. Wie wäre es, wenn der Spiegel dieses Thema einmal beleuchten würde? Wenn die Behauptungen in dieser kostenlosen PDF Schrift stimmen, dann ist der vorherrschende Musikgeschmack einer Ära eine sehr sehr ernste Angelegenheit, bis hin zu Kriegslüsternheit ow.ly/EEYP306vwXG Wie sagte schon Sokrates, Völker steigen durch ihren Musikgeschmack auf und sie gehen an diesem auch wieder zugrunde.
thequickeningishappening 25.11.2016
3. # Schulz RRG
Es wird keine Mehrheit fuer diese Konstelation geben! Meine Prognose: SPD+Gruene+die Linke
lupenreinerdemokrat 25.11.2016
4. Zwei Anmerkungen, die nötig sind:
Zum einen: die Frauen aus Ost-Aleppo werden bald auch einiges berichten können, wenn der Ostteil der Stadt endlich durch die syrische Armee befreit ist. Da Ost-Aleppo ebenfalls von IS/Al-Nusra/Al-Qaida in Geiselhaft ist und die Frauen unter dem islamistischen Terror zu leiden haben, wäre es höchst seriös von unseren Medien, wenn sie davon ebenfalls berichten, denn ansonsten geht die Seriösität endgültig den Bach hinunter. Zum anderen wüsste ich nicht so recht, was es am "Trump-Clan" zu karikieren gäbe. Da böte sich zweifelsfrei die Besetzung der "Grünen" bei uns besser an. Man müsste einmal ein Bild der "Grünen"-Abgeordneten neben einem Bild des "Trump-Clans" zum Vergleich stellen. Wo würde der geneigte Leser eher an den Begriff Vogelscheuchen denken? ;-)
fluxus08 25.11.2016
5. Der Spiegel scheint schon im Wahlkampf zu sein,
oder warum wird Schulz gleich als Alternative zu Gabriel und Merkel hofiert? Ich habe noch im Hinterkopf, wer alles so alternativlos von der SPD ins Rennen geschickt wurde - kleine Auswahl? Johannes Rau, Oskar Lafontaine, Rudolf Scharping, Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück. Und noch etwas über gute Berichterstattung: Martin Schulz ist nur in die Bundespolitik zurück gekommen, weil er keine Chance auf eine weitere Amtszeit in Brüssel hatte, nicht weil er nicht wollte - das thematisiert man aber nicht im Spiegel. Schulz wird nachgesagt, das er niemals freiwillig in die Niederungen der Bundespolitik zurückgekommen wäre, wenn er einen adäquaten Posten in Brüssel bekommen hätte. Er weiss auch warum, denn anstrengende Bundespolitik kann er gar nicht, nur europäische Phrasen dreschen und hochdotierte Posten besetzen, dafür ist er prädestiniert, weswegen er auch in die obige Liste der Alternativlosen aufgenommen wird.
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