Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


hundert Prozent! Was soll man da noch sagen? Martin Schulz hat bei seiner Wahl zum SPD-Chef ein besseres Ergebnis erzielt als einst Kurt Schumacher oder Willy Brandt. Ein wenig unheimlich ist das schon - wie überhaupt die Tatsache, dass das Führungspersonal auf deutschen Parteitagen immer mindestens 90 Prozent der Stimmen erhalten muss. Das Ergebnis von Martin Schulz zeigt aber vor allem, dass die SPD nach Jahren der Depression gerade auf spektakuläre Weise den Glauben an sich selbst wiederfindet.

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Heft 12/2017
Wissenschaft: Besser essen, einfach essen

Sie berauscht sich an sich und an ihrem Kanzlerkandidaten - manchmal wirkt der Hype um den "Schulzzug" und den "Gottkanzler" fast komisch. Ob sich die Euphorie bis zum Wahltag hält und auf die Wähler überträgt? Der Wahlkampf wird spannend, und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat immer noch nicht hineingefunden. Mein Kollege Philipp Wittrock erklärt heute Morgen, warum ihr dafür nicht mehr viel Zeit bleibt.

AFP

Merkel bei Trump

Die Kanzlerin ist momentan vor allem mit Weltangelegenheiten beschäftigt. Ihr Besuch bei Donald Trump verlief angespannt, aber aus Angela Merkels Sicht wohl erfolgreich - sie konnte ihre Botschaft anbringen und wirkte neben Trump wie die Erwachsene im Raum. Der Eindruck verstärkte sich durch die Tweets, die Trump ihr hinterhersandte und in denen er behauptete, Deutschland schulde der Nato "riesige Summen Geld" - was nicht stimmt. Und dann muss das Weiße Haus noch immer erklären, warum Trump Merkel beim Fototermin im Oval Office den Handschlag verweigerte - der Präsident habe Merkels Frage "nicht gehört", sagte der Sprecher des Weißen Hauses dem SPIEGEL.

Merkel und die Weltpolitik

Wie schwierig das Verhältnis Europas zur Trump-Regierung werden kann, zeigte sich beim G20-Gipfeltreffen in Baden-Baden, wo die USA als einziges Land ein vages Bekenntnis zum Freihandel und zum Kampf gegen den Klimawandel blockierten - ein Warnsignal für den G20-Gipfel, der im Juli in Hamburg stattfindet. In aller Deutlichkeit hat Angela Merkel dafür am Sonntag zusammen mit dem japanischen Premier Shinzo Abe den Freihandel verteidigt - die beiden eröffneten gemeinsam die Cebit und machen heute einen gemeinsamen Messerundgang. Die EU und Japan wollen schnellstmöglich ein Handelsabkommen schließen. Und dann muss die Kanzlerin noch entscheiden, wie sie damit umgeht, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ihr am Wochenende nun auch persönlich "Nazi-Methoden" vorgeworfen hat. Die Provokationstaktik Erdogans ist zwar durchsichtig - doch er treibt sie immer weiter.

AFP

TV-Debatte in Frankreich

In gut einem Monat, am 23. April, findet die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl statt. Es wird langsam ernst. Elf Kandidaten sind offiziell im Rennen - heute Abend um 21 Uhr treffen die fünf aussichtsreichsten in einer zweieinhalb Stunden langen TV-Debatte aufeinander. Die aktuellen Favoriten sind laut den Umfragen die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der unabhängige Zentrist Emmanuel Macron - demnach würden die beiden die Stichwahl am 7. Mai erreichen, Macron liegt im direkten Vergleich um rund 20 Prozent vorn (Lesen Sie hier das Gespräch mit Macron im aktuellen SPIEGEL). Auch dabei: der Konservative François Fillon, der in diverse Skandale verstrickt ist, der Sozialist Benoit Hamon und der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Getty Images

Gewinnerin des Tages...

... ist die überparteiliche Bewegung "Pulse of Europe". Mehr als 20.000 Menschen sind am Sonntag in 50 europäischen Städten auf die Straße gegangen, um für ein vereintes, demokratisches Europa zu demonstrieren. Sie wollen die Aktion bis zur französischen Präsidentschaftswahl fortsetzen. Es ist zwar eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Menschen, die sich da für die EU einsetzt - doch schon die Tatsache, dass es sie gibt, macht ein wenig Hoffnung.

Heute beginnt - zumindest aus astronomischer Sicht - der Frühling. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche! Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
i.dietz 20.03.2017
1. Guten Morgen
und "König Martin" schwebte fortan über Wasser .... Die CDU tut mir langsam richtig leid - hat sie doch auf das falsche "Pferd" gesetzt. Neue Töne im G-20-Treffen: es muss wieder diskutiert werden !
Phil2302 20.03.2017
2. Unglaublich
dass das ein Mann wie Schulz schafft. Erst gestern schrieb er auf Facebook, dass es nicht sein könne, dass Frauen 20 % weniger verdienen, woraufhin massenhaft Fans ihm zustimmten, dass gleiche Arbeit gleich bezahlt werden muss. Scheint ja gut zu klappen mit der Irreführung der Menschen. Sind die SPD Wähler nicht die, die immer gegen Populisten wettern? Und jetzt wollen sie selber einen aufstellen?
silesius 20.03.2017
3. Wahlbürger im Rausch
Wahrscheinlich kann der Wahlbürger, v. a. der recht unbedarfte Jungwähler, nur noch im Rausch leben (Musik/Mode/Reise/Handy/Fußball usw.). Die vielen Wahlsieger werden dann im Rausch einstelliger %-Anteile ihre Brust bis zum Platzen aufblähen. Werden sie mit den Folgen konfrontiert geht das Gejammer los, verbunden mit Transparenten und Internet-Gezwitscher. Bescheidenheit des neuen Bundespräsidenten bringt dann nichts mehr ins Lot.
jadehase 20.03.2017
4. 100% Zustimmung. Daumen hoch!
Martins "Feinde der Freiheit und Demokratie"-Rede findet 100%Zustimmung. Die zynische Rechte kann sich warm anziehen und gute Ausreden für die bösartige Hetze der letzten Jahre einfallen lassen. Martin bringt Toleranz und Menschlichkeit mit. Das wollen die Leute zu 100%. Und dass mit Hass und Hetze aber ganz gründlich ausgemistet wird. 100% Zustimmung! Das ist das gute Deutschland, ihr Rechten! Ich kann den Wahltag gar nicht mehr erwarten!
fredderfarmer 20.03.2017
5. 100%
Bei einer Abstimmung in der Politik...ja ne, is klar.
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