Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


einen Tag vor dem richtungweisenden SPD-Parteitag besucht Martin Schulz heute die Konferenz der Sozialdemokratischen Partei Europas, in der sich viele Mitte-links-Organisationen des Kontinents zusammengeschlossen haben. Das Problem: Von den 28 Vollmitgliedern sind nur noch zehn an einer Regierung beteiligt.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 49/2017
Die Kleine Koalition - was sie anrichten und bewirken könnte

Das Signal, das Schulz mit seiner Visite senden will, ist deshalb leicht zu erahnen. Lässt sich die SPD auf eine erneute Große Koalition ein, steigt die Regierungsquote der europäischen Sozialdemokratie gleich von 36 auf 39 Prozent.

Lindners Dementis

DPA

Dass die Jamaika-Absage der FDP ein Fehler war, zeigen nicht nur die fallenden Umfragewerte, sondern auch die jüngsten, verwirrenden Signale der Parteispitze. Christian Lindner, der sich im Wahlkampf nicht genug an Schwarz-Rot abarbeiten konnte, lobt die Große Koalition plötzlich als "stabile" Regierung. Und wenn sein Vize Wolfgang Kubicki in einem Zeitungsinterview andeutet, dass neue Jamaika-Gespräche denkbar wären, pfeift ihn der Vorsitzende noch vor der Veröffentlichung mit dem denkbar härtesten Dementi zurück: "Kein Thema, für niemanden." Offenbar wächst auch in den eigenen Reihen die Überzeugung, dass sich Lindner bei den Sondierungen mal besser am Merkel-Prinzip orientiert hätte: "Lieber nicht entscheiden als falsch."

Jenseits von Afrika

REUTERS

Emmanuel Macron, Frankreichs Revolutionär im Präsidentenamt, hat sich zu Afrika bislang widersprüchlich geäußert. Vor der Wahl klagte er, Frankreich habe als Kolonialmacht Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Nach der Wahl nannte er Afrikas Probleme "zivilisatorisch": Wo Frauen sieben, acht Kinder zur Welt brächten, versickere jede Entwicklungshilfe. Heute besucht Macron Algerien, und nicht nur seine Gastgeber hoffen, dass sich der Präsident dabei von der Afrikapolitik seines großen Vorbildes Charles de Gaulle distanziert. Der hatte einst gesagt: "Afrika? Es ist schwarz und überfüllt."

Das Jahr des Wahns

DER SPIEGEL

2017 war ein im Wortsinne wahnsinniges Jahr: Trump, die AfD, der Schulz-Hype, die Jamaika-Sondierungen. Heute erscheint die SPIEGEL Chronik, die in mehr als 50 Reportagen und Analysen einen neuen Blick auf diese zwölf ganz besonderen Monate wirft. "Die Welt", schreibt SPIEGEL-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer in seinem Leitartikel, "ist nicht mehr die, die wir kannten."

Verlierer des Tages...

DPA

...ist Karl Lagerfeld. Der deutsche Modeschöpfer hat über Merkels Flüchtlingspolitik kürzlich einen derart perfiden Satz gesagt, dass sich sogar der ihm sonst so gewogene Boulevard empörte: "Selbst wenn Jahrzehnte dazwischenliegen, man kann nicht Millionen von Juden töten und danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen." Wenn Lagerfeld heute in der Hamburger Elbphilharmonie zur Chanel-Modenschau bittet, sollten ihm die laut "Bild" geladenen "Promis und Superreichen aus aller Welt" vielleicht eine andere

DIE LAGE - der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Erkenntnis entgegenhalten: Nicht jeder, der Stil hat, hat auch Verstand.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL-Plus-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag,

Ihr Michael Sauga

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
struebind 06.12.2017
1.
Ich kann mich nicht erinnern, einem SPON-Bericht "zur Lage" Punkt für Punkt widersprechen zu wollen. Die binäre Sauga-Welt ist mir mit ihrem schlichten politischen Rastern zu einfach gestrickt.
StefanZ.. 06.12.2017
2. Macron und das Tabu-Thema
Gleich vorweg, ich bin nicht gerade ein Fan von Herrn Macron. Und sein Stil, wenn salopp über das eigentliche Grundproblem dieses Jahrhunderts redend, war auch nicht angemessen. Das ändert aber nichts daran, dass er sich zumindest einmal getraut hat es auszusprechen. Die Einsicht und den Mut das zu tun hat bisher meines Wissens noch kein anderer Regierungschef gehabt. Zu billig und unmenschlich ist allerdings schlicht zu sagen IHR habt was zu ändern. Gerecht, menschlich und nicht Kolonialherrenmäßig wäre in Solidarität in jedem Land, arm oder reich, gleichzeitig Regeln zur Familiengröße einzuführen.
spon-1262956449612 06.12.2017
3. Lagerfeld
Hat absolut Recht. Besser als er kann man die Dinge nicht auf den Punkt bringen.
AlBundee 06.12.2017
4. Sinkende Regierungsquote
Die Regierungsquote der europäischen Sozialdemokraten setzt voraus, dass Sozialdemokraten erstens regieren und zweitens sozialdemokratisch regieren, was in der letzten GroKo beides nicht wirklich der Fall war. Ein eigenes Profil war entweder gar nicht erkennbar oder Entscheidungen konservativer als die der grossen Schwester (zB Einschnitte im Gewerkschaftsrecht).
mkpeter 06.12.2017
5. Verlierer des Tages...: Lagerfeld
Lieber Herr Sauga, wenn schon einmal ein sogenannter Prominenter – in diesem Fall Herr Lagerfeld – das ausspricht, was Millionen Menschen und sicher auch noch einige weitere Prominente denken, die sich nur nicht trauen oder keine Gelegenheit dazu haben weil ihnen die Öffentlichkeit fehlt, dann haben Sie nichts Besseres zu tun als diesen Prominenten als „Verlierer des Tages“ zu bezeichnen. Aus meiner Sicht, machen Sie sich damit zum Verlierer des Tages. Was bitte ist an dem von Ihnen zitierten Satz des Herrn Lagerfeld inhaltlich falsch, oder zeugt von einer Abwesenheit von Verstand ? In seiner durchaus zugespitzten Formulierung thematisiert er ein konkretes und in der Realität vorhandenes Problem, dass die große Mehrheit, der Flüchtlinge und Migranten aus islamischen Ländern, eine feindliche Haltung zum Judentum und dem Staat Israel hat. Natürlich sind das nicht nur Migranten und Flüchtlinge, sondern auch viele Bürger islamischen Glaubens, die seit Jahren bei uns leben, aber weit davon entfernt sind, eine Leitlinie der deutschen Politik zu akzeptieren, nämlich dass die Sicherheit Israels deutsche Staatsräson ist. Diese unter islamischen Bürgern Europas weit verbreitete feindliche Haltung gegenüber Israel, wird durch den massenhaften Zuzug, von den mehrheitlich ungebildeten und dadurch leicht zu manipulierenden Flüchtlingen und Migranten aus islamischen Ländern, aufgenommen und verstärkt. Dies äußert sich immer wieder auch im Alltag vieler Länder wie Frankreich und Deutschland. Es kommt vermehrt zur Diskriminierung von Bürgern jüdischen Glaubens, die dadurch eine massive Verschlechterung ihrer Lebenssituation wahrnehmen. Wer dies in Abrede stellt, macht sich mitverantwortlich für diese Entwicklung. Das einzige was sich Herr Lagerfeld mit dieser Äußerung vorwerfen kann, ist das er nicht verstanden hat, dass ein inhaltlich zwar durchaus provokanter aber in seiner Aussage durchaus diskutabler Satz, nicht der sogenannten „politischen Korrektheit“ entspricht. Ich möchte Ihnen „zugespitzt“ entgegen: Nicht jeder, der meint Verstand zu haben, hat auch Stil.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.