Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


im Fernsehen, in den Zeitungen, im Netz und an den meisten Frühstückstischen wird wohl auch heute vor allem über das eine Thema diskutiert: Mesut Özil und sein Rückzug aus der Nationalelf. Interessant ist in diesem Zusammenhang, wer sich öffentlich noch gar nicht oder nur sehr zurückhaltend zu der Sache äußert. Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Beispiel: Sie ließ durch eine Sprecherin lediglich ein schmales Zitat verbreiten: "Die Kanzlerin schätzt Mesut Özil sehr. Mesut Özil ist ein Fußballer, der viel für die Nationalmannschaft getan hat. Die Entscheidung muss man respektieren." Sie hätte auch sagen können: Die Kanzlerin hält sich aus der komplizierten Geschichte lieber raus.

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Heft 30/2018
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Ganz still ist bislang Bundestrainer Joachim Löw. Von ihm kommt: nichts. Immerhin sickerte via "Bild" durch, dass er (wie der Rest des Landes) am Sonntag von Özils Erklärung wohl überrascht wurde. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schweigt. Schade, ihre ehrliche Meinung würde man gern erfahren. Zumindest eher als die von Uli Hoeneß.

Horst Seehofer, ganz friedlich

AFP

Nach dem vorläufigen Ende des Asylstreits mit Kanzlerin Angela Merkel findet Bundesinnenminister Horst Seehofer nun wieder mehr Zeit, sich dem Geschäftsalltag seines Ministeriums zu widmen. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, will Seehofer heute den Verfassungsschutzbericht 2017 vorstellen. Der Bericht liegt schon seit Wochen in den Schubladen, die offizielle Präsentation wurde wegen des Asylstreits aber immer wieder verschoben.

Auch in Bayern ist der CSU-Chef bemüht, für Ruhe zu sorgen: Nach einer Meldung des "Münchner Merkur" hat Seehofer offenbar mit seinem Erzfeind Markus Söder eine Art Waffenstillstand geschlossen. Weil die Umfragen für die CSU so miserabel sind, wollen sich die beiden "Parteifreunde" angeblich am Riemen reißen und besser abstimmen. Sie planen demnach im Landtagswahlkampf sogar gemeinsame Auftritte. Kurzum: Seehofer ist plötzlich ganz friedlich. Mal sehen, wie lange er das durchhält.

Harley-Davidson legt Zahlen vor

REUTERS

An den Börsen schauen sie in diesen Tagen wieder auf die Quartalsberichte der Unternehmen. Eine Firma, deren Wortmeldung heute auch aus politischen Gründen interessant sein dürfte, ist der US-Motorradhersteller Harley-Davidson. Das Unternehmen aus Milwaukee steht bekanntlich unter anderem deshalb unter Druck, weil es von Strafzöllen der EU im Handelsstreit mit Donald Trump betroffen ist. Auch um die Zölle zu umgehen, will das Unternehmen nun weitere Teile der Produktion ins Ausland verlagern, was wiederum für Unmut beim US-Präsidenten sorgt. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen könnte das Management die Auslandspläne heute weiter konkretisieren - was wiederum einen neuen Tweet-Sturm des Präsidenten auslösen dürfte. Da hilft dann nur: Helm enger schnallen.

Verlierer des Tages...

REUTERS

... sind die Macher des Lieblingssenders von Donald Trump, Fox News. Eigentlich sorgt die Redaktion gewissenhaft dafür, dass dort vor allem Fans des Präsidenten zu Wort kommen. So sollte es auch in der jüngsten Morgenshow des Senders sein. Die Redakteure wollten Ann Kirkpatrick, eine demokratische Kandidatin für die Kongresswahlen, interviewen. Sie hatte zuvor Trumps Einwanderungspolitik unterstützt. Wegen einer Verwechslung in der Redaktion erschien aber statt Kirkpatrick die demokratische Politikerin Barbara L'Italien auf dem Bildschirm, eine ausgesprochene Trump-Gegnerin. Sie nutzte prompt ihre Chance und setzte zu einer Wutrede über Trumps Einwanderungspolitik an (ihren Auftritt können Sie hier bei YouTube sehen). Als die Redaktion den Fehler bemerkte, drehte ihr die Regie den Ton ab. Glück im Unglück für die Fox-Leute: Ihr wichtigster Zuschauer, der Präsident, hatte wohl seinen Fernseher noch nicht an.

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  • Streit um die Gentechnik: Wer hat Angst vorm Blumenkohl?
  • Kommentar: Warum Merkels Regierung die AfD groß macht
  • Videokolumne von Harald Schmidt: Hochverehrter Mesut Özil, danke, danke, danke!
  • Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

    Ihr Roland Nelles

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    insgesamt 24 Beiträge
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    JerryKraut 24.07.2018
    1. Jetzt isses aber
    gut mit Özil. Er ist ein guter Fußballer (gewesen?), hat aber auf anderen Gebieten viel Luft nach oben. So wichtig ist er nicht. Viel wichtiger wäre es, herauszukriegen wer hinter den NSU-Morden steckt bzw. diese gedeckt hat. Das würde dem deutsch-türkischen Verhältnis wirklich gut tun. Ich fürchte nur, daß das unsere Republik so richtig durchrütteln könnte. Wäre dann aber auch nötig. Wir müssen unsere Beziehung zu unseren türkischstämmigen Mitbürgern verbessern und die mit uns. Das fängt im Kleinen an. Ich schlage deutsch-türkische Stammtische vor. Es gibt ja auch alkoholfreies Bier das schmeckt und ein guter Tee ist auch nicht von Pappe. Miteinander reden und offen sein für konstruktive Kritik ist der Schlüssel.
    mkaemmer 24.07.2018
    2. Experten!
    Neben "wichtigen Personen" fehlen noch die Experten, die haben sich auch noch nicht zu Wort gemeldet. Ich habe aber noch Hoffnung das dieses hochbrisante Thema in den folgenden Wochen in allen Talkshows behandelt wird.
    isikat 24.07.2018
    3. Warum soll denn krampfhaft
    noch mehr über Özil öffentlich diskutiert werden? Es reicht doch schon, wenn die Medien sich regelrecht darauf stürzen. Allein in dieser SPON-Ausgabe 7 (!) Artikel, die sich mit Özil befassen! Ohne Worte. Vielleicht hat dieser steinreiche Fußballspieler einfach nur nach einer Möglichkeit gesucht, sich auf einfache Art zur Ruhe zu setzen? Also nun ganz offiziell das zu tun, was er bereits auf dem Spielfeld praktizierte? Ausgesorgt hat er ja. Wozu also noch anstrengen?
    fabian_koenig 24.07.2018
    4. Verlogene Debatte
    Natürlich geht es bei der ganzen Diskussion ausschließlich um Rassismus, und Özil hat vollkommen Recht mit seiner Kritik. Wenn der DFB sich wirklich so an dem Foto und der fehlenden Erklärung gestört hätte, hätte er Özil direkt aus der Mannschaft nehmen können - hat er aber nicht. Und nun, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, versucht man den schwarzen Peter "dem Türken" anzuhängen. Wenn ein Thomas Müller ein Foto mit Erdogan gemacht hätte, wäre das auch unpassend gewesen, aber niemand hätte an seiner Loyalität gegenüber der Mannschaft oder dem Land gezweifelt. Diese Kritik bleibt "dem Türken" vorbehalten, der nebenbei in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. An Stelle von Özil wäre ich schon viel früher ausgestiegen. Einzig und allein weil seine Eltern türkischer Herkunft sind, erwarten alle eine Rechtfertigung als wäre er eines von den Volks-Fahrrädern. Nochmal: Bei einem Deutschen ohne Migrationshintergrund wäre das nie so abgelaufen. Das ganze ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten, ekelhaft.
    regnib 24.07.2018
    5.
    Den Herren Özil und Grindel gebührt allein deshalb das Bundesverdienstkreuz, weil es ihnen gelang, das Flüchtlingsthema aus den Schlagzeilen zu verdrängen bzw. auf eine andere Ebene zu expedieren . . .
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