Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


man kann der CSU alles Mögliche nachsagen, fade wird es mit ihr nicht. Parteichef Horst Seehofer hat schon so oft seinen Rückzug aus der Politik angekündigt und widerrufen, dass bayerische Zeitungen ganze Grafiken damit bestreiten, um das Hin und Her zu illustrieren. Heute reist Seehofer nach Helsinki, und was er dort vorhat, war bis vor Kurzem im Kosmos der CSU auch noch nicht vorgesehen.

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Heft 45/2018
Geheimsache Luxus-Liga. Neue Football Leaks Enthüllungen

Auf dem Kongress der Europäischen Volkspartei bewirbt sich Manfred Weber, der stellvertretende Parteichef, um die Spitzenkandidatur für die Europawahl im Mai kommenden Jahres. Weber galt in der CSU lange als Dünnbierpolitiker. Noch im Jahr 2014 schickte Seehofer zur Sicherheit Peter Gauweiler in den Europawahlkampf, der für den Euro einst das hübsche Schmähwort "Esperanto-Geld" erfunden hatte. Es war ein Experiment, das der CSU nicht gut bekam, weshalb Seehofer nun einen Schwenk vollzog und die Kandidatur Webers höchstpersönlich unterstützt.

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Die entthronte Europakönigin

DPA

Auch Angela Merkel reist nach Helsinki. Die Kanzlerin war noch nie eine Freundin der Idee, die Europawahl zu einer Abstimmung über den künftigen Kommissionspräsidenten zu machen. Wäre es nach ihr gegangen, hätte sie zusammen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron einen Kandidaten ausgekungelt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier etwa hätte sich gut vorstellen können, seine Karriere als Kommissionspräsident zu beenden. Aber die Kanzlerin wurde sich wie so oft mit Macron nicht einig, und als Weber den Finger hob, war die Sache ohnehin gelaufen. Nun muss Weber nur noch den ehemaligen finnischen Regierungschef Alexander Stubb ausstechen, der sich auch für die Spitzenkandidatur bewirbt. Meine Kollegen Markus Becker und Peter Müller sind vor Ort und werden Sie auf dem Laufenden halten.

Für Trump wird das Regieren schwieriger

AFP

In den USA laufen die wichtigen Midterm-Wahlen, und laut ersten Ergebnissen und Hochrechnungen haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert. Der Senat allerdings bleibt in der Hand der Republikaner. Präsident Donald Trump sprach in der Nacht von einem "großartigen Erfolg" bei den Kongresswahlen. Tatsächlich ist der Verlust des Repräsentantenhauses für seine Partei ein Denkzettel: Das Regieren wird für Trump nun deutlich schwieriger.

Im Laufe des Tages finden Sie bei SPIEGEL ONLINE alles Wissenswerte rund um die Wahlen und die Konsequenzen - in Analysen, Videos und Kommentaren. Außerdem halten meine Kollegen Sie hier im Newsblog über alle wichtigen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Wie Guardiola die Bayern hinterging

REUTERS/ Benedikt Rugar/ DER SPIEGEL

Pep Guardiola gilt als bester Fußballtrainer der Welt. Die Herrscherfamilie von Abu Dhabi, die den Klub Manchester City kontrolliert, benötigte ihn als letzten Baustein, um ihr Prestigeprojekt zu vollenden. Ein Projekt, das von unternehmerischer Professionalität und sportlicher Brillanz künden - und gleichzeitig ablenken soll.

Denn die Vereinigten Arabischen Emirate - zu denen Abu Dhabi gehört - gelten als autokratisch, sie führen Krieg im Jemen, Kritiker der Regierenden werden verhaftet, Menschenrechte mit Füßen getreten. Warum lässt sich jemand wie Guardiola trotzdem von den Statthaltern der Scheichs verpflichten? Und vor allem: Warum ließ er sich schon mehr als neun Monate vor seinem offiziellen Ende bei Bayern München von ManCity unter Vertrag nehmen? Lesen Sie heute in unserer Saga auf SPIEGEL+ die 3. Episode von "Damned ManCity" - wie Pep Guardiola von Bayern München abgeworben wurde und wie viel er jetzt verdient.

Verlierer des Tages...

HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

... ist Friedrich Merz. Der ehemalige Unionsfraktionschef hat in den vergangenen anderthalb Wochen das erstaunliche Kunststück geschafft, sich vom Politrentner zur Kanzlerhoffnung der CDU zu mausern. "Am Abend der Hessenwahl musst du wissen, was du willst", hatte vor einiger Zeit Wolfgang Schäuble zu seinem Freund Merz gesagt, es war eine Ermahnung, die sich dieser zu Herzen nahm. Als Merkel am Montagmorgen voriger Woche ihren Rückzug vom CDU-Vorsitz verkündete, überrumpelte Merz seine Rivalen und streute als Erster, dass er für die Nachfolge bereitstehe. Es war perfektes Timing.

Nun aber macht die Meldung die Runde, dass die Staatsanwaltschaft die Münchner Büros des Vermögensverwalters Blackrock wegen des Verdachts auf krumme Cum-Ex-Geschäfte durchsucht hat. Die Ermittlungen beziehen sich zwar auf einen Zeitraum, als Merz noch nicht Aufsichtsratschef von Blackrock Deutschland war. Dennoch ist das Timing in diesem Fall eher unglücklich für Merz. Heute wird seine schärfste Konkurrentin Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Kandidatur vor der Berliner Presse begründen.

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Ihr René Pfister

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insgesamt 2 Beiträge
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habel 07.11.2018
1. Moin Herr Pfister,
Ihre Beiträge zur Lages des entsprechenden Tages, finde ich gelungen. Trifft die Themen eigentlich gut. Privat würde mich ja mal interessieren, wie Sie über die beiden Kandidaten ALL und FM denken, hihi. FM wird - kommt mir jedenfalls so vor - ganz schön in den Medien hochgeschaukelt. Genau wie die Grünen. FM und Blackrock, das schrieb ich ja schon einmal, das ist gar nicht gut. Und, das finde ich auch erstaunlich: Schäuble hat das lange vorbereitet? Ist denn das Verhältnis zwischen Schäuble und der Bundeskanzlerin nicht so friedlich wie es scheint?
Kurt2.1 07.11.2018
2. .
Ich hoffe, Weber fällt durch. Es ist mir am Ende nicht so wichtig, wer die Nachfolge Junckers als EU-Kommissionspräsident antritt, Hauptsache nicht Weber. Die CSU würde den Rest Bodenhaftung verlieren, würde sie auch noch in Brüssel vornean mitmischen. "Bayern first" wäre nun auch in Brüssel die Devise. Die Reise Seehofers nach Helsinki sollte alle Bürger eine Warnung sein.
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