Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


heute beginnen die Midterms in den USA, dabei werden alle 435 Sitze im Abgeordnetenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat neu gewählt. Amerika hat die Gelegenheit, einen Präsidenten in die Schranken zu weisen, der nach und nach fast alle moderaten Kräfte aus seiner Regierung befördert hat. Laut Umfragen haben die Demokraten gute Chancen, das Abgeordnetenhaus zurückzuerobern. Sie könnten dann dort Gesetze blockieren und Donald Trump dazu zwingen, sich zu seinen zahlreichen Skandalen zu äußern.

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Heft 45/2018
Geheimsache Luxus-Liga. Neue Football Leaks Enthüllungen

Die Demokraten setzen vor allem auf die Frauen, die sich, so zumindest die Hoffnung, nach der Schlammschlacht um die Berufung des erzkonservativen Juristen Brett Kavanaugh an den Obersten Gerichtshof in Scharen von den Republikanern abwenden könnten. Ob sie trägt? Als Wochen vor der Präsidentschaftswahl im November 2016 ein Tonbandmitschnitt auftauchte, auf dem Trump prahlte, als Promi mit Frauen machen zu können, was er will, schien der Kandidat erledigt zu sein. Am Ende aber wählten ihn dann doch 53 Prozent der weißen Frauen in den USA.

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Spahn verlässt das Glück

Getty Images

Wie schnell man in der Politik vom Glückskind zum Problemfall wird, muss derzeit Jens Spahn erleben. Der Gesundheitsminister hat sich lange als konservative Alternative zu Kanzlerin Angela Merkel präsentiert. Es war ein Kurs, der ihm in jungen Jahren viel Erfolg verschaffte - erst boxte er sich ins CDU-Präsidium, dann ins Kabinett. Nun aber, da Merkel wirklich die Spitze der CDU räumt, scheinen all seine Hoffnungen zu verdampfen. Mit Friedrich Merz ist ein Kandidat aufgetaucht, der wie Spahn den konservativen Flügel der CDU anspricht, sich aber bei Weitem nicht so viele innerparteiliche Feinde gemacht hat. Wohlmeinende Parteifreunde, so wird in der CDU erzählt, sollen schon auf Spahn einreden, lieber auf eine Kandidatur zu verzichten, um der Schmach einer Schlappe auf dem Parteitag im Dezember zu entgehen.

Putin und die Fußballmillionen

Benedikt Rugar/ DER SPIEGEL

Der russische Klub Zenit St. Petersburg ist der Lieblingsverein von Präsident Wladimir Putin. Er gehört dem Energiekonzern Gazprom, der ihn finanziell kräftig päppelt. Als sich der Fußballverein 2013 für die Champions League qualifizierte, musste er gegenüber der Uefa seine Bücher öffnen. Der Verband überprüft routinemäßig, ob sich Vereine an die Finanzregeln halten, wenn sie in europäischen Wettbewerben spielen. Die Prüfer stellten erhebliche Unregelmäßigkeiten fest. Zenit St. Petersburg hatte die Herkunft von Geld verschleiert - die Spur zurück führte ausgerechnet nach Deutschland. Lesen Sie ab 13 Uhr die vollständige Geschichte auf SPIEGEL+.

Heute können Sie auch die 2. Episode unserer Saga über "Damned ManCity" lesen, einer Serie, die den wundersamen Aufstieg des britischen Klubs Manchester City beschreibt. SPIEGEL-Redakteur Christoph Winterbach erklärt im Video, warum die Uefa Manchester City zwar sanktionierte - die Strafe aber sehr milde ausgefallen ist. Hier kommen Sie zum Text "Geheimprojekt Langbogen".

Gewinner des Tages...

DPA

... sind die Jusos. Seit sie von Kevin Kühnert angeführt werden, können sich die Jungsozialisten über mangelnde Aufmerksamkeit kaum beklagen. Nun aber erhielten sie von dem scheidenden Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen den ultimativen Ritterschlag. "Linksradikale Kräfte" in der SPD hätten seinen Fall für den Versuch benutzt, die Große Koalition in die Luft zu jagen, sagte Maaßen in seiner Abschiedsrede Mitte Oktober vor europäischen Geheimdienstchefs in Warschau. Als das Manuskript der Ansprache die Runde machte, war die Aufregung vor allem in der SPD riesig, und Innenminister Horst Seehofer sah sich genötigt, endgültig von Maaßen abzurücken.

Dabei hatte Maaßen, der in letzter Zeit viel Unsinn erzählt, einmal den Nagel auf den Kopf getroffen. Tatsächlich waren es ja vor allem die Jusos, die Parteichefin Andrea Nahles dazu getrieben hatten, den Konflikt mit der CSU um Maaßen auf die Spitze zu treiben. Und im Gegensatz zum Rest der Partei empfindet es Kühnert durchaus als Auszeichnung, wenn man ihn als radikal bezeichnet. Kühnert weiß auch, wann er einen Sieg errungen hat: "Ich wäre da ja bescheidener gewesen, aber offenkundig kommt Herr #Maaßen zu der Einschätzung, dass er vornehmlich von den Jusos aus dem Amt gedrängt wird", schrieb der Juso-Chef auf Twitter. "Okay. Schreiben wir uns so in den Briefkopf. Grüße vom linksradikalen Flügel der SPD."

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Ihr René Pfister

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
neutralfanw 06.11.2018
1.
Spahn hat sich zu sehr in den Vordergrund gespielt, sich selbst inszeniert. Mit seiner unverständlichen USA Reise hat er versucht, seine guten Verbindungen zur amerikanischen Regierung zu dokumentieren. Das (angeblich) gute Verhältnis zum US Botschafter (Grenell) ist mit Sicherheit nicht Image fördernd. Herr Spahn hat durch seine Auftritte mögliche Sympathien verspielt.
tucson58 06.11.2018
2. Ein frommer Wunsch
Es ist nicht mehr als ein frommer Wunsch, das über die Midterm Wahlen die Demokraten an Gewicht zunehmen um Trump in die Schranken zu weisen . Ich behaupte das wird nicht geschehen ,auch nicht wenn die Demokarten zugewinnen sollten . Die Frage ist doch , wen haben die Demokarten als Gegengewicht zu Trump , der quasi an der Spitze der Demokraten stehen würde und den Kampf gegen Trump aufnimmt ? Niemand ! Trump wird so oder so mit denen fertig da bin ich mir sicher. Die einzige Chance wird in 2 Jahren sein, wenn das US Volk hoffentlich endlich begriffen hat, das dieser Präsident keiner ist und er abgewählt wird. Aber dazu muss eben die Unfähigkeit Trumps bis zur Wählerschicht im großen Stil durchbrechen, sei es durch ansteigende Arbeitslosenzahlen , ansteigen der Armut, ansteigen der Preise für Ware und spürbares erkennen das Trump nur die Reichen reicher macht und die Unter;- und Mittelschicht gar nicht von Bedeutung ist , außer als "Wahlvieh" Erst wenn das Volk dieses erkenne und vor allem zu spüren bekommt , ist es aus mit Trump, vorher nicht oder erst in 6 Jahren nach der nächsten Amtszeit
matthias.ma 06.11.2018
3. Erwas übertrieben
"Letzte Chance gegen Final Trump" - geht es nicht eine Nummer kleiner? Der Mann hat höchstens noch sechs Jahre. Die USA haben nämlich (im Gegensatz zu Deutschland) eine verfassungsrechtliche Sicherstellung, dass das politische Spitzenpersonal regelmäßig ausgetauscht werden muss. Kohl und Merkel wären dort gar nicht möglich gewesen.
burlei 06.11.2018
4. Wenn die Jusos ...
... "linksradikale Kräfte" in der SPD sind, wünsche ich mir viel mehr davon in der Führung der SPD. Auf was hoffen Nahles, Scholz, Klingbeil denn noch? Dass die CDU/CSU jetzt wieder an die Regierungsarbeit geht? Die haben den Rest des Jahres andere Prioritäten. Da muss ein neuer Parteivorsitzender gewählt werden, da muss intrigiert werden, da muss gekungelt und ausgehandelt werden. Dann ist Weihnachtspause, alle haben sich furchtbar lieb und im Frühjahr muss gegen Merkel intrigiert, gekungelt und ausgehandelt werden. Also bis in den Spätsommer 2019 wird sich die CDU/CSU nicht mehr auf irgendwelche Regierungsarbeiten konzentrieren können. Irgendwelche Gesetzesvorlagen der SPD kann man auch nebenbei verwässern, auf die lange Bank schieben, ablehnen. Also, liebe SPD, öffnet euch für viel mehr "linksradikale Kräfte". Ihr und die Republik können das gebrauchen.
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