Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


das wirklich Böse, so hat Hannah Arendt geschrieben, das sei das, "was bei uns sprachloses Entsetzen verursacht, wenn wir nichts anderes mehr sagen können als: Dies hätte nie geschehen dürfen".

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Heft 12/2019
Warum so viele Menschen im Alltag die Nerven verlieren und ausrasten

In Neuseeland, in der Stadt Christchurch, hat am Freitag das wirklich Böse zugeschlagen.

In zwei Moscheen wurde auf die Besucher geschossen, der oder die Täter töteten mindestens 49 Menschen, 48 weitere liegen zum Teil schwer verletzt im Krankenhaus, darunter mehrere Kinder. Das Ziel war, Muslime zu töten, die sich zum Freitagsgebet versammelt hatten.

Bislang wurden eine Frau und drei Männer verhaftet. Einer der mutmaßlichen Täter soll ein 28-jähriger Australier sein, der ein Manifest im Internet veröffentlicht hat. Darin bezeichnet der Autor sich selbst als "Ökofaschisten", "Ethnonationalisten" und Rassisten. Die Ermittlungen der nächsten Tage werden auch zeigen, wie verbreitet rechtsextreme Gesinnungen in dem Land sind.

Der Hass und das Böse haben mit Neuseeland einen der wohl schönsten Flecken dieser Erde erreicht. Neuseeland, sagte Regierungschefin Jacinda Ardern nach dem Terroranschlag, sollte ein Ort auf dieser Welt sein, an dem sich Menschen sicher fühlen.

Sie fügte hinzu: Und es werde künftig auch wieder ein Ort sein, an dem sich Menschen sicher fühlen.

SPD leidet an der Vorsitzenden

Frank Zauritz

Optimismus in der SPD? Das konnte nicht lange gut gehen. Das emotionale und demoskopische Zwischenhoch in Folge der Sozialstaatsvorstöße (Hartz IV weg, Grundrente her) ist wieder passé. Stattdessen ist die Vorsitzende Andrea Nahles neuerlich zum Ärgernis vieler Genossen geworden, wie meine Kollegen Christoph Hickmann und Veit Medick im aktuellen SPIEGEL nachzeichnen.

Da sind zum einen Videoschnipsel ihres Aschermittwochauftritts im thüringischen Suhl, die Andrea Nahles beim Absingen diverser Schlager zeigen: "Humba humba humba tätäraaa!" Zum anderen ist es ihre Härte im Umgang mit den eigenen Leuten. So will sie einen ihrer Kritiker, den bayerischen SPD-Abgeordneten Florian Post, kaltstellen. Nach SPIEGEL-Informationen soll er seinen Sitz im Wirtschaftsausschuss verlieren.

Schlechte Nachrichten nach 100 Tagen

Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte einen zweifelhaften Auftritt im Karneval, suchte ihren misslungenen Genderwitz hernach sogar noch offensiv zu vermarkten, Stichwort: verkrampftestes Volk.

Schaut man auf die neuen Umfragezahlen, war das wohl keine gute Idee. Die demoskopische Bilanz zum 100-Tage-Jubiläum fällt bitter aus.

Denn eine Mehrheit der Deutschen hält AKK als mögliche Kanzlerin für ungeeignet, so das Ergebnis des ZDF-Politbarometers. Demnach sprechen ihr 51 Prozent der Befragten die Eignung ab. Der ARD-Deutschlandtrend liefert ein ähnliches Bild für die Parteichefin: Minus 8 Prozentpunkte muss sie bei der Frage nach der Politikerzufriedenheit hinnehmen und rangiert nun mit 37 Prozent hinter Angela Merkel (52) und Heiko Maas (45). Zugleich sagen 59 Prozent der Befragten, Merkel solle bis 2021 Kanzlerin bleiben.

Kramp-Karrenbauer hat sich in den ersten 100 Tagen von Merkel abzusetzen gesucht: von der Flüchtlings- bis zur Europapolitik. Seitdem pumpen allerdings auch die Vertreter der sogenannten Werteunion, einer konservativen Splittergruppe der Unionsparteien, die Backen auf. Erst forderten sie die rasche Übergabe des Kanzleramts von Merkel an die CDU-Chefin, dann wiederum mahnten sie AKK zur "von uns geforderten Politikwende".

Stimmenfang #90 - Konservativer als Merkel? Die 100-Tage-Bilanz der Annegret Kramp-Karrenbauer

An dieser Stelle will ich Ihnen fürs Wochenende noch einmal den "Stimmenfang"-Podcast meiner Kollegin Yasemin Yüksel empfehlen:

"Konservativer als Merkel? Die 100-Tage-Bilanz der Annegret Kramp-Karrenbauer."

Kampf der Schüler ums Klima

Gene Glover / DER SPIEGEL

Reichlich possierlich wirkt es auf mich, wie manche Politiker und Publizisten auf die Schülerproteste für Klimaschutz reagieren: Stets wird zuerst einmal das Schulschwänzen thematisiert. Gute Güte. Auch ich war früher während der Schulzeit auf Schülerdemos und habe dann später trotz verpasstem Lernstoff und Hessen-Abi in Bayern studiert.

Im aktuellen SPIEGEL findet sich ein unterhaltsames Streitgespräch zwischen Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Luisa Neubauer, der Frontfrau der Schülerproteste in Deutschland. "Wir würden dieses Gespräch nicht führen", sagt sie da, "wenn wir die Demos wie die letzten 40 Jahre gemütlich am Samstag gemacht hätten. Nur weil wir auch mal Grenzen überschreiten, hören Sie zu."

Der Rückzug

ALEXANDER BECHER/EPA-EFE/REX

Sahra Wagenknechts angekündigter Rückzug aus der Spitzenpolitik hat ihre Partei überrascht. Zwar mag dadurch künftig vielleicht ein Bündnis mit SPD und Grünen erleichtert werden, aber wer soll dann die Stimmen für die Linke besorgen? Die Partei steht dieser Tage unter politischem Schock. Und Wagenknechts linke Sammlungsbewegung "Aufstehen" steht derweil vor dem Aus, wie mein Kollege Kevin Hagen berichtet.

"Ich war ziemlich ausgebrannt, ja. Jeder Mensch hat nur einen bestimmten Kraftvorrat, wenn der allmählich aufgebraucht ist, funktioniert man zwar immer noch, aber man entwickelt keine neuen Ideen mehr, keine Leidenschaft, und irgendwann geht die große Vision im ernüchternden Tagesgeschäft unter", erläutert Wagenknecht im Interview mit meiner Kollegin Nicola Abé die Hintergründe ihres Rückzugs.

Niete des Tages...

Gorch Fock bei Windjammerparade 2014
Thomas Zimmermann / imago

Gorch Fock bei Windjammerparade 2014

...ist die Gorch Fock. Bei der Sanierung des Segelschulschiffes der Marine hat die Bundeswehr weit mehr als 100.000 Euro für Nieten ausgegeben. Für unechte Nieten. Der Hintergrund: Eigentlich braucht es für die Platten am Rumpf von Stahlschiffen heute keine Nieten mehr, die Marine aber wünschte nach SPIEGEL-Informationen eine dekorative "Nietoptik". Im Laufe der Sanierung konnte der Stückpreis immerhin von 110 auf 75 Euro gesenkt werden. Man muss sich auch über die kleinen Erfolge freuen können.

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insgesamt 2 Beiträge
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goliath1980 16.03.2019
1. Ich war früher auch auf Demos !
Aber auf keiner, die meine Lehrer, Eltern, der Bundespräsident und die evangelische Kirche gut fanden!!
ekel 16.03.2019
2. Namen von Tätern
Wenn Medien wie SPON die Namen von Attentätern wie dem einen in Neuseeland veröffentlicht führt dies zu Anerekkung unter seinen Anhängern. Sie sorgen damit direkt dafür, dass er Fans gewinnt uns sowas öfters passiert. Das ist das letzte. Aber hauptsache Klicks, nicht wahr?
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