Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


der Kaschmir-Konflikt zwischen den Atommächten Indien und Pakistan ist einer der gefährlichsten Konflikte der Welt. Nun ist er auf dramatische Weise wieder ausgebrochen: Die Kriegsgefahr ist - nach dem angeblichen Abschuss zweier indischer Kampfflugzeuge in Pakistan - so groß wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zwar hat keiner der beiden Staaten Interesse an einem Krieg, aber es hat eben auch keiner ein Interesse, jetzt zu deeskalieren. Im Gegenteil: In Indien stehen in drei Monaten Parlamentswahlen an, in beiden Ländern heizt die jeweilige Regierung die Stimmung an, auch Social Media wird dazu benutzt.

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Heft 9/2019
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Es wäre nicht das erste Mal in der Weltgeschichte, dass ein Krieg aus Versehen entsteht. Und die beiden Staaten haben wegen Kaschmir seit 1947 schon dreimal Krieg geführt - die letzten Male hatte allerdings noch keiner von beiden Atomwaffen. Dass Indien diese Woche auf einen Anschlag in Kaschmir mit Luftschlägen reagierte, war ein Wendepunkt in der Beziehung der Staaten; wegen der Eskalationsgefahr hatten das in der Vergangenheit beide Seiten vermieden.

Nun wäre dringend internationale Vermittlung gefragt, etwa durch die Europäer und die USA, die Indien nahestehen, und durch die Chinesen, die mit Pakistan verbündet sind. Pakistans Präsident Imran Khan forderte Indien nun im Fernsehen zu Gesprächen auf und fragte: "Mit den Waffen, die ihr habt und den Waffen, die wir haben - können wir uns da eine Fehlkalkulation erlauben?"

Trump und Kim beenden ihren Gipfel

AP

Der Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un in Hanoi geht heute zu Ende - die beiden Männer wollen eine gemeinsame Erklärung verabschieden. Gegen 10 Uhr vormittags deutscher Zeit soll es eine Pressekonferenz geben. Zu erwarten ist, dass es in der Frage der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel eher keine entscheidenden Durchbrüche gibt, dass die beiden Männer aber einen symbolischen Beschluss fällen könnten - so könnte der Korea-Krieg zum Beispiel offiziell für beendet erklärt werden. Weitere Hintergründe zum Gipfel in Hanoi lesen Sie hier.

Die atemberaubende Aussage des Michael Cohen

AFP

Er war bis vor wenigen Monaten Donald Trumps vielleicht engster Mitarbeiter, sagte sich dann los, seither kooperiert er mit den Strafverfolgungsbehörden gegen Trump. Nun packte Michael Cohen in einem spektakulären Auftritt vor dem US-Repräsentantenhaus über den Präsidenten aus, nannte ihn einen "Rassisten" und "Betrüger".

In der Welt der Mafia heißt der engste Berater des Paten "Consigliere", und es ist sicher nicht falsch, Cohens frühere Rolle damit zu vergleichen. Seine Aussage gab einen Einblick in die Halbwelt, in der der heutige US-Präsident sein Imperium aufbaute. Cohen beschrieb, wie er in Trumps Auftrag gelogen habe, wie er "500 Mal" jemanden in Trumps Auftrag bedroht habe, er legte einen Scheck vor, mit dem Trump einen Teil des Schweigegelds an die Pornodarstellerin Stormy Daniels bezahlt haben soll (die angibt, eine Affäre mit Trump gehabt zu haben).

Noch nie hat ein enger Mitarbeiter etwas Vergleichbares über einen US-Präsidenten erzählt - es war ein Spektakel voller atemberaubender Details, wobei unklar ist, welche davon dem Präsidenten gefährlich werden können. Sie geben eine Art Vorahnung auf den Untersuchungsbericht von Sonderermittler Robert Mueller, der in den nächsten Tagen veröffentlicht werden könnte - und Trump wird vielleicht auch Sorgen machen, dass Cohen angab, er sei "in konstantem Kontakt" mit den New Yorker Staatsanwälten, die weitere mögliche illegale Taten des Präsidenten untersuchten.

Trotz seiner Drastik wird der Auftritt aber vermutlich wenig Auswirkung haben auf die öffentliche Meinung im Land. Diejenigen, die Trump noch unterstützen, tun es zumeist, obwohl sie wissen, wer er ist. Die Mehrheit der Demokraten im Kongress hat relativ wenig Interesse an einem polarisierenden Impeachment-Verfahren - und die Republikaner verteidigen den Präsidenten durch alle Anschuldigungen hindurch. Zu ihnen sagte Cohen: "Ich habe dasselbe getan, was Sie jetzt tun. Ich habe Trump zehn Jahre lang verteidigt." Er wolle jene Leute warnen, die Trump blind folgten, dass sie "dieselben Konsequenzen" zu fürchten hätten wie er selbst - Cohen war im Dezember zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Verlierer des Tages...

DPA

... ist der WDR. Der hat sich nämlich entschieden, aus einer Kölner Karnevalsaufzeichnung eine Szene herauszuschneiden, die sich auf sozialen Medien bereits viral verbreitet hatte: Der Karnevalist Bernd Stelter hatte auf der Bühne einen Hoho-Witz über Frauen mit Doppelnamen ("Annegret Kramp-Karrenbauer") gemacht. Es folgte eine absurde Szene, in der eine verärgerte Zuschauerin sich auf die Bühne stellte, um den Karnevalisten darauf hinzuweisen, dass die ewigen Witze über weibliche Doppelnamen nerven, weil es ja nicht die Schuld der Frauen war, dass sie bis vor wenigen Jahren nur auf diese Weise ihren eigenen Namen nach der Heirat behalten konnten.

Die Nutzer sozialer Medien konnten sich erwartungsgemäß nicht einig werden, ob die Frau total recht hatte, humorlos war oder der Kölner Karneval grundsätzlich unlustig ist - diese Spannung konnte der WDR offenbar nicht aushalten und entschied sich jetzt für die unlustigste, am wenigsten souveräne Option von allen: so tun, als ob nichts gewesen wäre.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
thequickeningishappening 28.02.2019
1. Die Zuspitzung Des Konflikts zwischen Indien und Pakistan
ist brandgefaehrich. Indien musste nach Dem Anschlag mit ueber 40 toten Militärangehörigen reagieren. Der pakistanische Luftraum wurde verletzt. Nun Der Abschuss indischer Flugzeuge wahrscheinlich auf Eigenem Territorium. Imran Khan will deeskalieren, hat aber Das maechtige Militaer im Rücken. Narendra Modi wiederum muss Die Wut aufgebracht Hindus bedienen ohne Gesichtsverlust.
ronald1952 28.02.2019
2. Leider ist nur der Mensch
Blöde genug sich wegen irgend einer Dummheit oder Glaubensdingen sich völlig Hemmungslos die Köpfe ein zu schlagen. Wenn es dann mal so richtig gekracht hat, weis hinterher keiner mehr um was es eigentlich gegangen ist. Allerdings wenn es 2 Atommächte tun wird es auch für den Rest der Menschheit gefährlich. Man sollte diese Dummköpfe ganz schnell zur Räson bringen und Ihnen klar machen das Sie nur verlieren können, alle Beide!Warum liebt der Mensch nur so Mord und Totschlag? Man sollte doch davon Ausgehen das gerade Staatsführer alles dafür tun sollten das Frieden und Wohlstand im Lande herrschen. schönen Tag noch,
fatherted98 28.02.2019
3. Nur die Ruhe...
....die Pakistani sind von China und den USA abhängig....ohne deren Zustimmung passiert da erst mal gar nichts. Diese Scharmützel gibt es schon seit der unseeligen Grenzziehung. Das jetzt hier als den Untergang der Welt aufzubauschen (Stichwort Atomkrieg) ist wohl etwas zu viel des Guten.
Gruuber 28.02.2019
4. Ach so...
Kriegsgefahr zwischen den Atommächten Pakistan und Indien... Deswegen haben die USA modernste Atomtechnologie an Indien verkauft. Und modernste Kampfflugzeuge an das arme Pakistan. Wobei man anmerken darf, dass Indien den Atomsperrvertrag nicht unterschrieben hat. So sind halt die USA. Wenn es etwas zu verdienen gibt, sind sie zur Stelle. Egal, wie verboten das wäre. Übrigens haben die USA auch die plumpen Starfighter an Pakistan verkauft. Die von den wendigen MIGs abgeschossen wurden. Und in Deutschland waren die Starfighter als "fliegende Särge" bekannt. Weil so viele ohne Feindeinwirkung(!) abgestürzt sind.
Ahmad Said 28.02.2019
5. Pakistan nicht mehr loyal genug
Seit dem Imran Khan zum pakistanischen Premierminister gewählt wurde und da er selbst als ethnischer Paschtune scheinbar größere Greul verspührt mit den USA und leider auch Deutschland (siehe Kundus) seine Stammesbrüder in Afghanistan zu massakrieren wurden erst hunderte Millonen an hilfen gestrichen und nun soll der nächste Krieg in meiner Geburtsregion entfesselt werden.
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