Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


es wird jetzt ruhiger, in Berlin beginnen die politischen Ferien. Angeblich aber fährt Joachim Sauer diesmal ohne seine Gattin nach Südtirol. Was macht dann Merkel?

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Heft 29/2018
Was es für Deutschland heißt, Donald Trumps Feind zu sein

Niemand kann sich wünschen, dass sie keinen Urlaub macht. Täuscht es, oder wird die Politik kurz vor der Ferienzeit immer besonders irre? Merkel und Seehofer im Clinch um die Flüchtlingspolitik, Trump außer Rand und Band beim Treffen mit Putin. Ohne Frage ist Spitzenpolitiker einer der anstrengendsten Jobs überhaupt. Nach ein paar Monaten ohne Pause, ohne freie Wochenenden ist jeder erschöpft. Man musste zuletzt nur in die Gesichter von Merkel und Seehofer schauen.

Gibt es also einen Erschöpfungszyklus in der Politik? Das wäre eine Aufgabe für die Wissenschaft. Man ersinnt Parameter für politischen Irrsinn und setzt die Werte in Bezug zu den Arbeitstagen ohne Pause. Der Irrsinnsindex, könnte interessant sein.

Mehr als ein Jünger

DPA

Heute ist der 20. Juli. Es gab eine Zeit, da wusste so ziemlich jeder Bescheid, da brach Ehrfurcht aus, sobald dieses Datum genannt wurde. Es war eine Chiffre für das Gute, Edle schlechthin, für ein besseres Deutschland. Ich habe den Eindruck, dass das nicht mehr so ist. Würde ich heute in manchen Runden sagen, ah, heute ist der 20. Juli, wären die Blicke leer oder fragend: Und?

Von den Stauffenbergs war zuletzt meist die Rede, wenn es um den Dichter Stefan George ging, zu dessen Jüngern sie zählten. George, längst tot, ist ein #MeToo-Fall geworden, es geht um sexuelle Übergriffigkeit, von ihm, in seinem Kreis. Aber es wäre mehr als schade, wenn man darüber vergäße, dass Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler verübt hat.

Schulter an Schulter

AFP

Es ist wieder passiert. Jahr für Jahr lasse ich mich von der Tour de France einfangen, obwohl ich das nicht will. Aber wenn es dann hinaufgeht nach L'Alpe d'Huez, so wie gestern, lasse ich alles stehen und liegen und starre fasziniert in den Fernseher. Was für ein Kampf auf den letzten Kilometern. Fünf Mann, Schulter an Schulter, im Kampf gegen den Berg.

Aber viele Zuschauer an der Strecke riefen "Buh!", und 6,5 Kilometer vor dem Ziel sprang ein Mann auf die Straße und versetzte Christopher Froome einen Schlag. Ich fiel aus meiner Begeisterung. Froome steht unter starkem Verdacht, gedopt zu haben, darf aber trotzdem mitmachen. Zum Glück hat dann Geraint Thomas die Etappe gewonnen. Heute lasse ich den Fernseher aus. Wirklich.

Gewinner des Tages...

DPA

... ist Otto, ja, richtig, Otto Waalkes, der Komiker, der Ostfriese. Zu seinem 70. Geburtstag hat Tobias Becker ein SPIEGEL-Gespräch mit ihm geführt. Es ist ein Gespräch über Gespräche, ein verschlungener, doppelbödiger Austausch, nicht nur lustig, aber natürlich mit dem Anspruch, den wahren Otto zu zeigen, den hinter der Komikermaske. Gibt es den überhaupt? Lesen Sie selbst, heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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Ihr Dirk Kurbjuweit

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
maier2206 20.07.2018
1. Die Lage am Freitag!
In der Innenstadt meiner Heimatgemeinde machen jetzt wieder mehrere alteingesessene Geschäfte zu. Die meisten Geschäfte haben schon aufgegeben und wurden zu Schischa-Bars, Sportwettenbüros, Ein-Euro-Läden oder in Moscheenräume umgewandelt. Viele Schaufenster sind jetzt einfach nur leer. Die Innenstadt verkommt zu einem Getto. Mit Deutschland geht es nicht nur sportlich steil bergab. Die Politik der offenen Grenzen, der ungebremsten Asylflutung und der fortschreitenden Islamisierung hat eine extreme Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Wenigsten hatten die Deutschen damals einen Stauffenberg. Aber was haben wir heute?
StefanZ.. 20.07.2018
2. Quantität über Qualität bei Politikern und uns allen
Ihr Forschungsvorschlag ist alles andere als abwegig. Sie können sich sicher noch an bereits unternommene Untersuchungen erinnern bei denen ein direkter Bezug zwischen dem was heutzutage als Intelligenzquotient gemessen wird und der Anzahl von zurückliegenden Nächten mit zu wenig Schlaf messbar war. Ich vermute mal, dass es auch schon ähnliche Studien zu aufeinanderfolgenden Stresstagen gibt. Was Manager, einflussreiche Politiker und Menschen in sehr verantwortungsvollen Rollen angeht, scheint mir aber noch ein zweiter Faktor mindestens genauso wichtig zu sein. Die Einsicht wächst langsam, dass unser Bewusstsein und Mentalsystem als Ganzes ein noch völlig unausgeschöpftes Potential besitzen. Wie weitreichend diese Fähigkeiten bei entsprechendem Training gehen können wird klar, wenn man sich diese kürzliche Studie ansieht: https://digest.bps.org.uk/2018/07/02/parapsychology-has-been-unfairly-side-lined-claims-a-new-review-of-the-field/ Was wir landläufig Intuition nennen ist im Grunde genommen nichts anderes als das trainierte Zuhören und Herausdifferenzieren von klugen Eingebungen, die uns das Unterbewusstsein kostenlos mitteilen möchte. Wenn allerdings die täglichen Belastungen zu groß geworden sind, ruhige Momente fehlen, dann dringen die hilfreichen Intuitionen nicht mehr durch, weil die nötige Ausgeglichenheit und Achtsamkeit fehlt. Also mit anderen Worten: mit überfüllten Terminkalendern tun uns Spitzenpolitiker und alle anderen Entscheidungsträger keinerlei gefallen. Was dabei raus kommt ist in der Regel unintelligent und inspirationslos.
kajoter 20.07.2018
3. 20. Juli - ein fragwürdiger Gedenktag
Ich habe diesen Tag immer als einen staatlich verordneten Feigenblatt-Tag empfunden, der außerdem durch hohle Sonntagsreden gekennzeichnet ist. Es ging an diesem 20. Juli im wesentlichen darum, den Krieg zu beenden, den man seit etwa 2 Jahren sowieso für verloren glaubte. Aber ist das etwas, was ein derartiges Getöse rechtfertigt? Ich meine: Nein. Wäre es im Laufe der Jahre 1939 bis 1941 geschehen, als alle wegen der vielen Siege wie besoffen wirkten, dann wüsste man, dass es wegen der Nazi-Diktatur und all der mit ihr verbundenen Barbarei geschehen wäre. Aber Mitte 1944, als die Alliierten gerade in der Normandie gelandet waren und und der Bombenkrieg immer stärkere Ausmaße erreicht hatte, da ging es nur noch darum, zu überleben und weiteres, sinnloses Sterben und Zerstören zu vermeiden. Immerhin - könnte man sagen, immerhin leuchtete damit so etwas wie gesunder Menschenverstand innerhalb einer schwarzen Zeit auf. Aber was ist daraus mittlerweile gemacht worden? "Widerstand" heißt es mit unzähligen Ausrufezeichen und alle scheinen von Ehrfurcht ergriffen und insgeheim erleichtert, dass man immerhin dieses kleine Feigenblatt vorweisen kann. Ich würde dagegen sagen: "Notwehr" - immerhin zwar, aber leider auch nicht mehr. Wenn jemand dieses Getöse wirklich verdient hätte, dann die Geschwister Scholl oder die mutigen Deutschen, die über mehrere Jahre Juden bei sich versteckten. Also tun wir bitte nicht so, als sei der 20. Juli ein Tag des Widerstands gegen die Nazis gewesen. Es war der Widerstand gegen weitere Folgen des Krieges. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
i.dietz 20.07.2018
4. Guten Morgen
Erschöpfungs-Zyklus An Erschöpfung leidet vor allen Dingen unsere Bundeskanzlerin - die Bilder beweisen es zuhauf ! Die Zeit ist längst überfällig, dass eine Amtszeitbegrenzung für dieses Amt eingeführt wird - wie in vielen anderen demokratischen Ländern auch !
omanolika 20.07.2018
5. Bekannte Missverständnisse?
Wenn der Irsinnsindex heftig ausschlägt, weil manch ein Politiker ernsthaft erwägt, diese Welt nur in den Abgrund zu treiben, und die Medien noch darüber schreiben, ist in diesen so überaus harten Wochen, die Zeit, für Politiker-Urlaub angebrochen! Weil Spitzenpolitik extrem erschöpft, manch ein Proband sich beinahe selbst köpft, nicht weiß, wann er aufhören muss, pfeift auf den "Erschöpfungszyklus", und`s darüber gibt massig Berichte, weiß man: Sie ist voller Missverständnisse die Polit-Geschichte...
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