Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


das Fliegen wird in Deutschland gerade zur Tortur: Erst sorgt eine Serie von Pannen bei den Sicherheitskontrollen an den Flughäfen München, Frankfurt und Bremen für stundenlanges Chaos. Und nun streiken ab morgen früh drei Uhr auch noch die in Deutschland stationierten 400 Piloten der größten europäischen Billigfluglinie Ryanair. Dadurch fallen voraussichtlich 250 Flüge von und nach Deutschland aus. Auch in anderen Ländern Europas wollen Ryanair-Piloten streiken - die Fluggesellschaft verhandelt gerade erstmals überhaupt über Tarifverträge, will aber insgesamt keinesfalls mehr zahlen. Das wollen wiederum die Gewerkschaften nicht akzeptieren.

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Heft 32/2018
Wie der Klimawandel unser Leben verändert

Der Grund für die meisten Probleme im Flugverkehr, von streikenden Piloten bis zu zusammenbrechenden Flughäfen, lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Fliegen ist zu billig. Weil die Passagiere nicht mehr zahlen wollen, fehlen an den Flughäfen die Busse, bei den Sicherheitskontrollen das Personal und deshalb sind auch die Arbeitsbedingungen bei Billigfliegern so schlecht. An der Reisehölle, über die wir Passagiere uns gern beklagen, sind nicht nur profitorientierte Fluggesellschaften und Flughäfen schuld, sondern auch wir selbst. Wenn wir das ändern wollten, müssten wir weniger fliegen - oder mehr dafür bezahlen. Und weil wohl weder das eine noch das andere geschehen wird, wird das Fliegen in Zukunft eher noch anstrengender.

Seehofer kann zurückweisen

REUTERS

Das erste Flüchtlingsabkommen der Bundesregierung mit einem EU-Land steht: Ab Samstag können Asylbewerber, die in Spanien bereits einen Antrag gestellt haben, an der deutsch-österreichischen Grenze binnen 48 Stunden zurückgeschickt werden. Das klingt nach einem Erfolg für Bundesinnenminister Horst Seehofer, doch in Wahrheit ist die Zahl der Menschen, die davon betroffen sein werden, wohl minimal: Wer nimmt von Spanien her kommend schon den Umweg über Österreich, um nach Bayern zu gelangen? Die neue spanische Regierung hat laut Bundesregierung keine Forderungen für Gegenleistungen an Deutschland gestellt, die komplizierteren Verhandlungen mit Italien und Griechenland laufen noch. Man könnte beim Abkommen mit Spanien böswillig von einem PR-Coup reden, oder man kann wohlwollend von einem ersten Schritt sprechen. Aber ein Durchbruch in der europäischen Migrationspolitik ist Seehofer hier sicherlich nicht geglückt.

Amerikas verwirrende Russland-Politik

AP

Es ist manchmal ein wenig, als ob die USA zwei Regierungen hätten: Präsident Donald Trump mag die Gegenwart von Wladimir Putin und spricht gerne über bessere Beziehungen mit Russland; seine Regierung verfolgt hingegen einen harten Kurs. Das US-Außenministerium kündigte nun neue harte Sanktionen an - als Antwort auf den Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal in Großbritannien. Künftig werden kaum noch US-Exporte von Technologien nach Russland möglich sein, die für die nationale Sicherheit eine Bedeutung haben. Was das zeigt? Die Rhetorik Donald Trumps ist oft krass, am liebsten würde er die US-Außenpolitik von Grund auf ändern. Doch seine Impulse führen selten zu konkreten Taten. Die amerikanischen Institutionen und Experten halten die US-Außenpolitik bisher trotz allem mehr oder weniger auf einem traditionellen Kurs. Wie lange das aber so bleibt, ist schwer zu sagen.

Grüne versus SPD

Den Grünen geht es in Umfragen dank der Regierungskrise so gut wie noch nie, der SPD geht es dagegen gleichbleibend schlecht. Im SPON-Wahltrend liegen die Grünen bei 14 Prozent, die SPD bei 17,4 Prozent. Das führt zu Spannungen zwischen den einstigen natürlichen Regierungspartnern. Wie kompliziert und gereizt das Verhältnis geworden ist, erklärt mein Kollege Christian Teevs hier.

Verlierer des Tages...

REUTERS

... ist Uber. Das Silicon-Valley-Unternehmen hat fast auf der ganzen Welt (außer in Deutschland) die Taxibranche revolutioniert - von Paris bis Rio de Janeiro, von Neu-Delhi bis Kapstadt hat Uber eine neue Art von Jobs geschaffen und die Weise verändert, wie Menschen sich fortbewegen. Doch nach Jahren massiver Expansion stößt das Unternehmen zunehmend auf Widerstand. In London wurde Uber vorübergehend die Lizenz entzogen. Nun gehen auch in New York die Behörden gegen Uber und ähnliche Transportdienste vor: Es soll eine Höchstzahl von Wagen geben und keine neuen Zulassungen für ein Jahr. Die Fahrer sollen zudem einen Mindestlohn erhalten. In vielen Städten und insbesondere in New York verstopfen die vielen prekär beschäftigten Uber-Fahrer inzwischen regelrecht die Straßen, deshalb ist es nicht nur aus Sicht der viel stärker reglementierten Taxifahrer höchste Zeit, dass Uber Grenzen aufgezeigt werden.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Newspeak 09.08.2018
1. ....
Nein, WIR sind nicht selbst schuld. Schuld sind z.B. dämliche Vorschriften, die nicht mehr hinterfragt werden, wie die 100 ml Flüssigkeitsrichtlinie, oder dass man ein Terminal räumt, weil eine (!) Person, die den Flughafen nachweislich schon wieder verlassen hatte, nicht kontrolliert wurde. 99.99999% der Flugreisenden sind normale Menschen, die nur schikaniert werden. Echte Terroristen können aber trotz Überwachung und schon verübten Verbrechen mit mehreren Identitäten ungestört durch Europa reisen. Panikmache, Überreaktion, Medien, die das alles durchgehen lassen oder sogar noch gutheissen.
gluonball 09.08.2018
2. Kapitalismus
Das ist nun Mal der Kapitalismus. Jeder muss versuchen für sich das beste raus zu holen. Man kann kein anderes Verhalten fördern aber das System nicht ändern wollen. So leid es mir tut.
StefanZ.. 09.08.2018
3. Gute Analyse zur Verselbstständigung innerhalb der US Regierung
Mich erschrecken diese Verhältnisse im US-Regierungsapparat. Viele werden sich noch an die phantastische Aufbruchsstimmung beim Amtsantritt von Barak Obama erinnern. Doch im Laufe der Jahre wurde es schnell deutlich, dass diesem menschlich wohl besten US-Präsidenten aller Zeiten das Handeln in seinem Sinne verunmöglicht wurde. Wenige Versprechen wurden umgesetzt. Guantanamo operiert noch etc. Der Milliardär und Macher Trump kannte mit Sicherheit nicht die Details, als er Obama nur verächtlich als Schwächling titulierte. Nach eineinhalb Jahren in der Mangel seiner Institutionen, spürt er allerdings langsam was Fremdbestimmung in seinem Amte heißt. Der Widerspruch könnte krasser nicht sein. Er erfährt am eigenen Leib wie ungerecht und lähmend für die Handlungsfähigkeit eine unbelegte Vorverurteilung ist. Und gleichzeitig eskaliert sein eigener Regierungsapparat in seinem Namen vorweggenommene Strafen zum Skripal-Mordanschlag, ohne Verfahren, Beweise, Schuldigen.
f-rust 09.08.2018
4. Geographie!
Spanien via Österreich nach Deutschland? Wohl eher Spanien-Frankreich-Deutschland. Na ja ... Wo Migranten Flüchtlige heißen, die EU zu Europa wird ... da reisen Menschen halt auch von Spanien über A nach D ...
new#head 09.08.2018
5.
Es mag sein, dass es den Fluhäfen an Personal fehlt. Aber boe allem fehlt es dem Personal an Motivation. Im Sicherheitsbereich zählt eben Konzentration und nicht drr private Austausch. Die Diskussion gab es ja hier schon mal. Gerade hab ich wieder erlebt, dass sich das Personal im Sicheheitsbereich gegenseitig ablenkt. Man muss sich also nicht über diese unsäglichen Pannen wundern. Über die Kinsequenzen und Kosten einer solchen Panne denkt offensichtlich keiner nach. Aber " kann ja mal passieren"
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