Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


an diesem Wochenende startet Sahra Wagenknecht ihre lang angekündigte neue Sammlungsbewegung. Im aktuellen SPIEGEL, der heute ab 18 Uhr digital abrufbar ist, können Sie lesen, wie die Gruppierung heißt, was die Linken-Politikerin vorhat und wer sie unterstützt. Umstritten bleibt das Projekt in jedem Fall. Die einen sehen Chancen für ein neues rot-rot-grünes Bündnis.

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Heft 31/2018
Die Özil-Affäre und das Problem mit der Integration

Die anderen warnen vor einer noch tieferen Spaltung im linken Lager. Wagenknecht selbst folgt dabei wohl eher dem Motto ihres großen politischen Vorbilds, der Sozialistin Rosa Luxemburg, die stets dafür plädierte, zu handeln statt abzuwarten. "Wer sich nicht bewegt", pflegte sie zu sagen, "spürt seine Fesseln nicht".

Kamikaze in London

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Seit eineinhalb Jahren verhandeln Briten und EU-Politiker nun schon über den Brexit, und längst ist klar, wer dabei im Vorteil ist. Während die Staatengemeinschaft erstaunlich geschlossen agiert, zeigt sich die Londoner Regierung panisch und zerstritten. Heute spricht die britische Premierministerin Theresa May mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über das Projekt, doch wie es aussieht, bleiben der Regierungschefin nur noch wenige Optionen. Entweder macht sie Brüssel weitere Zugeständnisse, oder sie wählt den sogenannten Hard Brexit, einen Austritt ohne Anschlussvertrag, der zwar beiden Seiten Nachteile bringen würde, aber nicht im selben Ausmaß. Es wäre ganz ähnlich wie beim Kamikaze: Der Pilot fliegt in den Tod, der Schaden für die Angegriffenen ist überschaubar.

Die Allianz und der ehemalige Innenminister

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Während Allianz-Chef Oliver Bäte heute die jüngsten Geschäftszahlen seiner Firma vorstellt, sorgen sich seine Kunden um die Sicherheit ihrer Lebensversicherungen. Schließlich warnen Experten seit Monaten, dass bald jeder dritte Anbieter der Branche Probleme bekommen könnte. Bäte dagegen versuchte die Bürger erst kürzlich mit dem Satz zu beruhigen, dass "die Damen und Herren" der Finanzaufsicht "hochqualifiziert und stark im Einsatz" seien. Die passten schon auf, dass "kein Unsinn passiert". Da müsse man "auch ein bisschen Vertrauen haben". Das war gut gemeint, klang aber verdächtig nach Thomas de Maizière: Wenn ich sagen würde, was ich weiß, könnte das die Bevölkerung verunsichern.

Verlierer des Tages ist…

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Recep Tayyip Erdogan. Im Konflikt um die Auslieferung eines in Izmir festgesetzten US-Pastors bedrohen sich der türkische Präsident und sein amerikanischer Amtskollege Donald Trump wechselseitig mit Sanktionen. Erdogan gibt sich wie immer selbstbewusst, tatsächlich aber steht der Alleinherrscher stark unter Druck, weil sich die Wirtschaft des Landes in einer gefährlichen Abwärtsspirale befindet. Die Inflation erreicht zweistellige Raten, die Konjunktur schwächelt, die Währung stürzt ab. Vielleicht würde es helfen, wenn Erdogans Berater ihrem Chef eine Weisheit des früheren US-Präsidenten Bill Clinton nahebringen könnten: "Its the economy, stupid".

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    Ihr Michael Sauga

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    insgesamt 6 Beiträge
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    Seite 1
    StefanZ.. 03.08.2018
    1. Der Kamikazeflieger Vergleich hinkt
    Die Situation ist meiner Meinung nach doch wohl eher die einer ehrenwerten Gesellschaft, wenn Sie verstehen was ich meine. Es entschließt sich ein Mitglied dazu den Verein zu verlassen, möchte dabei verständlicherweise einigermaßen einvernehmlich seiner eigenen Wege gehen. Die Gegenseite allerdings stellt vor die Wahl: entweder du wirst weiterhin nach all den wesentlichen Spielregeln der Familie tanzen, auch denen wegen deren du ja gehen willst, oder die bist ein wirklich sehr freier Mann. Wir raten dir für diesen Fall dann allerdings, dass du einen weiten Bogen um unseren Festland-Europa-Geschäftsbereich machst, du weißt ja selbst wie wir mit speziellen Nichtklubmitgliedern umzugehen pflegen.
    friedrich_eckard 03.08.2018
    2.
    Den glücklichsten Zeitpunkt hat Sahra Wagenknecht da aber nicht gewählt - Hauptreisezeit und Aussentemperaturen, die kaum einen klaren Gedanken zulassen... jedenfalls: Glück auf den Weg! Gespannt darf man ja besonders darauf sein, wen sie als Unterstützer/innen für ihr Projekt gewonnen hat. Wichtig ist jetzt natürlich, dass zwischen Wagenknechts Projekt und der https://www.plattform.pro/ keine Konkurrenzsituation ensteht und dass geeignete Formen der Zusammenarbeit gefunden werden, wobei Aussagen Marco Bülows optimistisch stimmen, der mehrfach eine "Vernetzung von Initiativen" gefordert hat. Natürlich sind die Chancen für ein Mitte-links-Bündnis derzeit beim aktuellen Zustand der SPD denkbar schlecht, während der Rutsch des Landes in die braune Brühe sich als reale Gefahr darstellt - aber auch dann wird man ja jedenfalls eine neue "Eiserne Front" brauchen.
    mostly_harmless 03.08.2018
    3.
    Das die SPD gerade dabei ist, den niederländischen Kollegen von der PvdA ins politische Nirvana zu folgen, dürfte klar sein. Das es dann eine gemäßigt linke Volkspartei braucht, dürfte ebenfalls klar sein. Ob allerdings das Duo Lafo / Wagenknecht das leisten kann, bezweilfe ich. Wagenknecht allein könnte das. Aber sie lässt sich von Lafo (Stichwort Fremdarbeiter) zu sehr beeinflussen.
    lalito 03.08.2018
    4. Das Versagen der SPD
    Zitat von mostly_harmlessDas die SPD gerade dabei ist, den niederländischen Kollegen von der PvdA ins politische Nirvana zu folgen, dürfte klar sein. Das es dann eine gemäßigt linke Volkspartei braucht, dürfte ebenfalls klar sein. Ob allerdings das Duo Lafo / Wagenknecht das leisten kann, bezweilfe ich. Wagenknecht allein könnte das. Aber sie lässt sich von Lafo (Stichwort Fremdarbeiter) zu sehr beeinflussen.
    Nun, da sich die SPD mit der CDU ins Grab getanzt hat, kann die Zersplitterung der Parteienlandschaft weiter fortschreiten. Der gute Herr Lafontaine war ehrlich im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung (Soli wird immer noch gezahlt), hat glasklar vor den Auswüchsen der Heuschreckenpolitik gewarnt und sogar seinen Job dafür gegeben, jepp, sowas gab es mal in grauer politischer Vorzeit. Denke, dass da von der mentalen Festigkeit her ein anderes Kaliber als ein windiges Verraten der grundsätzlichen Werte einer Partei, wie die SPD es vorexerzierte, eine echte Alternative entstehen könnte. Bin gespannt auf die Konzepte und das Personal, denn Konzeptionslosigkeit bei Getriebenheit durch Sachfragen, das waren die Grundlagen der Politik der letzten Jahre. Aktuell fortgeführt bis zum bitteren Niedergang der Volksparteienstruktur, der Lauf der Dinge, so wie er sich jetzt darstellt. Ein sozialer Gegenentwurf mit finanzierbaren Konzepten zum neoliberalnationalistischen Mantra der Rechtsaußen dürfte ein interessanter Gegenpool zum Schuldverachtenden aber Stozgeschwellten werden. Aus der Totalversagensasche der SPD könnte, unter Nutzung der darin steckenden sozialen Spurenelemente, etwas Sinnvolles entstehen - wie gesagt, zumindest Beachtenswertes mit Plänen für die Zeit nach der z. Zt. herrschenden reinen Marktreligion. Wird Zeit, dass die 10 Prozent in der Lastenverteilung nach Potenz in Anspruch genommen werden und eine echte "soziale" Marktwirtschaft wieder fröhlich Urständ feiert.
    Flachlandprophet 03.08.2018
    5. Wüsste nicht...
    ...wofür ein "Linke", ganz gleich wie die aussähe, gut sein sollte?!? Mit den Grünen haben wir bereits das Original, und schon die sind so überflüssig wie ein Kropf...auch wenn da viele Lehrer und andere Besserwisser jetzt widersprechen werden. Was wir benötigen, das ist eine Mitte...die diesen Namen auch verdient hat.
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