Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


der umstrittene Fall des abgeschobenen Islamisten Sami A. könnte heute um eine Episode erweitert werden: Die tunesische Justiz will voraussichtlich über ihr weiteres Vorgehen in der Sache entscheiden. Es ist sehr gut möglich, dass Tunesien den angeblichen Ex-Leibwächter von Osama Bin Laden selbst anklagen wird.

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Heft 30/2018
Forscher erkunden, wie Körper und Geist Druck ertragen - und in Stärke verwandeln

Der Islamist sitzt seit seiner Abschiebung aus Deutschland vor zwei Wochen in seinem Heimatland in Gewahrsam. Er war in einer fragwürdigen Hauruckaktion der Sicherheitsbehörden ausgeflogen worden, obwohl noch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen ausstand. Die Richter haben die Abschiebung deshalb als "grob rechtswidrig" bezeichnet und gefordert, dass Sami A. spätestens bis zum nächsten Dienstag wieder zurückgeholt werden müsse. Sollten die Tunesier nun tatsächlich entscheiden, ihn selbst anzuklagen, dürfte das so gut wie unmöglich werden. Falls Sie noch nicht dazu gekommen sind, empfehle ich Ihnen, hier die SPIEGEL-Recherchen zu diesem unglaublichen Fall nachzulesen.

Söder startet Abschiebe-Amt

DPA

Das Thema Asyl und Abschiebungen wird heute auch in Bayern erneut im Mittelpunkt der Debatte stehen: Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann wollen das umstrittene Landesamt für Asyl und Rückführungen in Manching bei Ingolstadt offiziell gründen. Mehrere Organisationen wie zum Beispiel der Bayerische Flüchtlingsrat haben Proteste gegen die neue Behörde angekündigt. Das erklärte Hauptziel des bayerischen Amtes ist die Beschleunigung von Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber. Durch die Bündelung von Aufgaben soll die Bürokratie effizienter arbeiten. Ob der Verwaltungsumbau wirklich etwas bringt, ist umstritten. Aber das dürfte für Söder und die CSU ohnehin zweitrangig sein: Eher geht es ihnen wohl darum, vor der Landtagswahl im Oktober bei dem heiklen Thema Abschiebungen noch einmal schnell Handlungsfähigkeit zu demonstrieren.

Donald Trump, Gründungsvater der EU

DPA

In den USA ist die Vereinbarung zwischen Donald Trump und Jean-Claude Juncker über einen Waffenstillstand im Handelskonflikt fast ein wenig untergegangen. Gleichwohl gibt es eine schöne Ironie bei der Geschichte: Weil Trump seinen Deal mit dem Präsidenten der EU-Kommission und nicht mit Angela Merkel oder Emmanuel Macron geschlossen hat, werden das oberste EU-Amt und die Zentrale Brüssel insgesamt aufgewertet. Auf dem Weg zur weiteren Stärkung der europäischen Idee könnte der "Deal von Washington" so vielleicht als Meilenstein in die Geschichtsbücher eingehen. Der EU-Chef gewinnt an politischem Gewicht und Statur - und Trump wäre am Ende sogar indirekt einer der Gründungsväter der "Vereinigten Staaten von Europa". Nett, daran hat er selbst sicher am allerwenigsten gedacht.

Ein heißer Blick zum Mars

NASA/ AP

Deutschland schwitzt. Und weil Temperaturen um die 38 Grad in Hamburg, Köln oder München eher ungewöhnlich sind, ist das für viele Menschen natürlich eine Last. Auch die Natur leidet: Bei einem Waldbrand nahe Potsdam wurden schon viele Hektar Wald zerstört. Die Löscharbeiten wurden erschwert, weil alte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg in dem Gebiet explodierte. Doch die Hitze hat auch ihre guten Seiten. Dank der größtenteils klaren Sicht kann am Freitagabend auch von Deutschland aus die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts beobachtet werden. Die totale Phase der Finsternis beginnt etwa um 21.30 Uhr. Zugleich soll es auch möglich sein, einen so hellen und großen Mars zu beobachten wie zuletzt vor 15 Jahren.

Gewinner des Tages...

Getty Images

... ist Jeff Bezos, der Amazon-Boss. Er kontrolliert inzwischen bei vielen Familien das alltägliche Leben, vielleicht noch nicht in Deutschland, aber in den USA: Im Onlineshop des Konzerns kann man inzwischen praktisch alles bestellen, sogar das Abendessen vom Lieblingsrestaurant. "Alexa" steuert das Licht, den Fernseher und die Musik im Wohnzimmer; im Biosupermarkt "Whole Foods" um die Ecke gibt's die Erdbeeren nur billiger, wenn man Amazon-Prime-Kunde ist. Via "Kindle" werden die Bücher gelesen, und auch eine der zwei wichtigsten Zeitungen des Landes gehört ihm, die "Washington Post". Diese Marktmacht ist unheimlich und führt im Einzelhandel zu grausamen Arbeitsplatzverlusten. Aber die Kunden lieben es: Bezos konnte im zweiten Quartal dieses Jahres erstmals einen Gewinn von mehr als zwei Milliarden Dollar vermelden.

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  • Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in den Tag.

    Ihr Roland Nelles

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    insgesamt 28 Beiträge
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    gruffelo 27.07.2018
    1. Was ist so unglaublich an dem Fall?
    Beim Fall Sami A. stimmt das Ergebnis. Sami A. muss sich in seinem Heimatland den Konsequenzen seiner islamistischen Aktivitäten stellen. Man könnte auch die Sicht vertreten, dass das Unglaubliche an dem Fall ist, dass die Abschiebung erst jetzt erfolgt ist und nicht bereits vor Jahren.
    karljosef 27.07.2018
    2. Da muss ich etwas missverstanden haben?
    *Sami A.:* Tunesien gehört doch zu den sicheren Magreb-Staaten, in die abgelehnte Asylbewerber gefahrlos zurückgeschickt werden können, tönt es doch aus Berlin. Es werden dort die Menschenrechte geachtet, die Grundwerte eingehalten blablabla..., meint unsere politische [i]"Elite".[/u] Und bei *Sami A.* gilt diese Voraussetzung plötzlich nicht mehr? Ob mir das jemand erkären kann?
    StefanZ.. 27.07.2018
    3. Warum dieser Trump-Juncker Deal?
    Ich habe auch darüber nachgedacht, komme aber zu einem anderen Schluss. Die inhaltlichen Probleme wurden ja schon in SPON Artikeln aufgegriffen. Davon mal abgesehen gehe ich davon aus, dass bei Herrn Trump kaum etwas zufällig geschieht. Auch wenn er seine Meinung und Vorgehensweise öfters mal wechselt. Das Weltbild der gegenwärtigen (und meiner Meinung auch dies der vormaligen im Plural) US Regierung wird erfrischend ehrlich und ungeschminkt verkündet und danach gehandelt. Es gibt außerhalb der we-are-the-greatest, leader of the free world USA nur Konkurrenten, die es kleinzuhalten gilt, nützliche Deppen, die man in ihrem naiven Glauben bestärken muss, ja und halt noch shitholes, denen man eventuell den Weg zum Deppenstatus zeigen kann. In letzter Zeit tendieren unangenehm viele europäische Länder dazu die Deppenkappe abzunehmen und sich darum in der Fremdwahrnehmung aus Amerika also als Konkurrenten um die Macht zu gebärden. Und meine Analyse ist, dass Herr Trump sehr wohl erkannt hat, dass europäische Länder unter dem realexistierenden und sich realweiterentwickelnden EU-Apparat wie er sich von meiner Perspektive aus leider darstellt, unter dem Strich schwächer und willfähriger für seine Geschäfte sein werden, als es die Summe starker EU-Staaten alleine wäre.
    christa.hans 27.07.2018
    4. Die Taktik ...
    Die Taktik des Herrn Trump ging auf. Die EU kauft jetzt sein teures fracking Gas und sein gennanipuliertes Soja. Keiner will es aber wir zahlen.
    Umberto 5 27.07.2018
    5. Nachrichten oder Kommentar?
    Man kann auch an diesem Artikel zur "Lage am Freitag", der als Nachrichtenzusammenfassung und nicht als Kommentar gekennzeichnet ist, die zunehmend tendenziöse Berichterstattung des Spiegel feststellen. Dei Gründung des "umstrittenen" Landesamtes für Asyl- und Rückführungen wird dort erwähnt und die genannten Ziele werden dort "zweitrangig" genannt und der Bayerischen Staatsregierung wird vom Autor unterstellt, bloße "vor der Landtagswahl schnell Handlungsfähigkeit demonstrieren zu wollen". Darüber sollten Sie den Leser entscheiden lassen. Was Sie hier machen ist nichts anderes als tendenziöse Berichterstattung. Man kann es auch als Betreutes Denken bezeichnen.
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