Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


es ist erschreckend, wie viele Frauen in diesen Tagen davon berichten, dass sie an ihrem Arbeitsplatz Sexismus ausgesetzt waren, dass sie sexuell belästigt oder vergewaltigt wurden. Auch der SPIEGEL lässt in seinem neuen Heft, das heute erscheint, einige von ihnen zu Wort kommen, in bedrückenden Protokollen.

Zudem beschreiben und analysieren wir, was sich ändern muss, damit sich Frauen in ihrem Alltag mit Männern immer wohlfühlen können. Laura Himmelreich erzählt, wie ihre Erfahrungen waren, nachdem sie Rainer Brüderles unverschämte Äußerungen über ihr Dekolleté öffentlich gemacht hatten. All dies und einiges mehr ist unser Titelkomplex in Deutschland.

Sehnsuchtsmann

Zwei junge Männer rollen derzeit die Politik in Europa auf, der eine aus Frankreich, der andere aus Österreich. Im letzten Heft hatten wir ein großes Gespräch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, in diesem Heft reden wir mit dem designierten österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Beide sind jung, fesch, beide haben sich nicht auf klassische Parteien gestützt, sondern auf Bewegungen. Macron ist europaeuphorisch, Kurz europaskeptisch. Zwischen ihnen steht Bundeskanzlerin Angela Merkel, ein bisschen eingequetscht. Kurz weckt die Sehnsüchte deutscher Konservativer, Macron die von deutschen Europafreunden. Es wird nicht leichter für Merkel.

Kurz ist unsere Titelfigur in Österreich und der Schweiz. Es gibt also zwei Titelbilder vom SPIEGEL in dieser Woche.

Jork Weismann / DER SPIEGEL

Fass enthält Leiche

Die Polizei findet ein Fass. Auf dem Fass steht in großen Buchstaben: "Faß enthält LEICHE". Die Polizei öffnet das Fass und findet das, was angekündigt war, die Leiche einer Frau. Vor 24 Jahren war diese Frau verschwunden. Ihr damaliger Mann steht im Verdacht, seine Frau umgebracht zu haben. Er behauptet, sie habe sich das Leben genommen, er habe die Leiche entsorgt, um nicht in den Verdacht zu geraten, ein Mörder zu sein. Die Frau galt dann als vermisst.

Maik Großekathöfer erzählt diesen bizarren, gruseligen Fall im neuen SPIEGEL. Er hat auch versucht, mit dem mutmaßlichen Täter zu reden. Er lebt mit einer neuen Familie zusammen. "Da steht ein schlaksiger Mann, 52 Jahre alt, rote Jogginghose, graue Haare, der Blick schläfrig, die Wangen jungenhaft rund", schreibt Großekathöfer. Diese Geschichte sollten Sie nicht verpassen.

Erfahren Sie im Video mehr über die Recherche zu diesem Fall.

DER SPIEGEL

Papierkrieg um Panzer

Ein paar Panzer wollen eine Grenze überqueren, friedlich, von Rumänien nach Bulgarien, von einem Nato-Land in ein anderes Nato-Land. Auch die Panzer stammen aus einem Nato-Land, aus den USA. Aber die Grenzer lassen sie nicht durch. Sie müssen erst Papiere abstempeln, als wollte ein Truck mit Gefrierfleisch passieren. Die Panzerfahrer warten anderthalb Stunden.

So beginnt Konstantin von Hammerstein seine Geschichte über den Zustand der Nato. Man muss ja nicht immer an den legendären SPIEGEL-Titel "Bedingt abwehrbereit" denken. (Damals musste Rudolf Augstein in Untersuchungshaft, weil sein Magazin angeblich Geheimnisverrat begangen hatte.) Aber abwehrbereiter ist die Nato heute auch nicht, wie ein Geheimbericht zeigt. Für einen Angriff aus dem Osten soll sie jedenfalls nicht gerüstet sein.

Habermas und Winkler

Nahezu zeitgleich kamen zwei große deutsche Intellektuelle auf die Idee, sich wieder einmal einmischen zu wollen, Jürgen Habermas und Heinrich August Winkler. Ihr Thema: Europa. Beide suchten sich den SPIEGEL als Ort für ihre Intervention aus.

Habermas ist Philosoph und Soziologe, Winkler ist Historiker, beide sind Herzenseuropäer, setzen aber verschiedene Schwerpunkte. Habermas plädiert dafür, den französischen Präsidenten Macron auf dem Weg zu einem wirklich vereinten Europa zu unterstützen. Winkler betont stärker die Rolle der nationalen Vielfalt in der Europäischen Union.

Gewinner des Tages

Tim Wegner / DER SPIEGEL

Ein Mann will nicht mehr reden. Er hat genug. "Ich bin mir bewusst geworden, dass ich das, was ich wirklich gern sagen möchte, nicht wirklich ausdrücken kann", sagt er. Aber schreiben will er noch: "Das, worüber man schreiben kann, erstreckt sich viel weiter als das, worüber man sprechen kann." (Ist mir aus dem Herzen geschrieben.) Dieser Mann heißt Michel Houellebecq, Schriftsteller aus Frankreich.

Aber einmal will er noch reden, ein letztes Mal. Dafür hat er sich den SPIEGEL ausgesucht, unseren Autoren Romain Leick. Es ist ein wunderbares Bilanzgespräch geworden. Es geht aber auch um die fremde Nähe zwischen Deutschland und Frankreich, die letzten Zuckungen der Linken und Houellebecqs heroischen Pessimismus. Er sei, sagt er, ein "Autor der totalen Schlaffheit". Er ist aber auch der Gewinner des Tages.

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Herzlich,
Dirk Kurbjuweit

stellv. Chefredakteur
DER SPIEGEL

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
INGXXL 21.10.2017
1. Als wenn die Welt keine
wichtigeren Themen hat. Das manche Schauspielerinnen nur durch das Bett Karriere gemacht haben ist doch nichts Neues. Heute nennt man das Missbrauch. Besseres Bemerkung ist vielleicht geschmacklos mehr aber nicht.
Thomas Schröter 21.10.2017
2. Totaler Krieg dem Sexismus
· ‎Aldous Huxley's Brave New World forderte ja schon 1932 künstliche Gebährmaschinen. Mit dieser zukunftsweisenden Neuerung wird endlich die Abschaffung der Sexualität, die Einführung der absoluten Frigidität und die Entladung der aufgestauten sexuellen Frustration in wachstumssteigernden, kriegerischen Gewaltexzessen möglich um damit die Diskussion über "Sexismus" überflüssig zu machen. Es wäre doch gelacht wenn es uns nicht Gelänge die menschliche Evolution zu überwinden. Wenn ich mir meine deutschen Nachbarinnen so anschaue dann muß ich feststellen, daß wir auf diesem Weg auch so schon ein gutes Stück voran gekommen sind.
haresu 21.10.2017
3. Fesch
Wenn ich das schon höre. Fesch heißt nassforsch, Fesch heißt Blender. Fesch heißt Popululist. Aber ob das auf Kurz und Macron zutrifft ist doch sehr fraglich. Zumindest Macron legt sich ja mit jedem an und wahrscheinlich wirklich aus Überzeugung. Ob sich Kurz hingegen Überzeugungen leisten will ist völlig offen. Er wird wohl hauptsächlich an einer Strategie basteln die FPÖ zu schwächen. Merkel sollte sich eindeutig auf die Seite Macrons schlagen und die Demokratiesierung und Vertiefung der EU zum überragenden Thema ihrer letzten Amtszeit machen.
haresu 21.10.2017
4. Fesch
Wenn ich das schon höre. Fesch heißt nassforsch, Fesch heißt Blender. Fesch heißt Popululist. Aber ob das auf Kurz und Macron zutrifft ist doch sehr fraglich. Zumindest Macron legt sich ja mit jedem an und wahrscheinlich wirklich aus Überzeugung. Ob sich Kurz hingegen Überzeugungen leisten will ist völlig offen. Er wird wohl hauptsächlich an einer Strategie basteln die FPÖ zu schwächen. Merkel sollte sich eindeutig auf die Seite Macrons schlagen und die Demokratiesierung und Vertiefung der EU zum überragenden Thema ihrer letzten Amtszeit machen.
chrismuc2011 21.10.2017
5. "Beide sind jung, fesch"
Ich musste jetzt wirklich lachen. Drei Artikel über diesem Beitrag wird darüber berichtet, dass sich eine muslimische Staatssekretärin über einen älteren Mann öffentlich aufs Heftigste beschwert, der sie als so jung und so schön bezeichnet hat, und sie beklagt Sexismus und Rassismus. Und löst eine Riesenwelle aus. Der alte Mann entschuldigt sich. Ich als Geschlechtsgenosse von Kurz und Macron fordere hiermit den Herrn Kurbjuweit auf, sich sofort beim französischen Präsidenten und beim zukünftigen Bundeskanzler Österreichs wortreich und demütig zu entschuldigen. Dies war ein durch und durch sexistischer Kommentar, zudem rassistisch und fremdenfeindlich ( Frankreich und Österreich), und nachdem bestimmt sowohl Kurz als auch Macron katholisch sind und der stellvertretende Chefredakteur des Spiegel Online vermutlich Protestant, drückt es hinter vorgehaltener Hand auch noch Hass auf andere Religionen aus. In Realitas hat Herr Kurbjuweit aber das Glück, dass weder Herr Kurz oder Herr Macron, und ich auch nicht, diesen Fauxpas überbewerten. Denn wir Männer sind es gewohnt missbraucht zu werden, sei es von Chefs oder von Frauen, die bis heute der Meinung sind, sie könnten einem zu jeder Zeit ungestraft Ohrfeigen geben, die einem am Arbeitsplatz anmachen, sei es "positiv sexistisch" ohne Unterwäsche sich auf den Schreibtisch zu setzen oder negativ sexistisch, weil Männer ja eh Schweine sind, oder von älteren übergewichtigen Damen, die einem unaufgefordert und ohne vorher dass Mann irgend ein Flirtsignal vergeben hat, die Hand sehr hoch auf die Oberschenkel legen und diese aufmunternd streicheln. Aber sich als Mann zu beschweren gilt als unmännlich, man(n) hat es ja eh nicht besser verdient und man(n) kann dankbar sein, überhaupt Avancen zu bekommen. Und wegen einer körperlichen Tätlichkeit etwas vor Gericht zu ziehen, ist aussichtslos. Wenn man(n) Pech hat, wird man noch mit einer Gegenanzeige von Frau abgestraft, die behauptet, man hätte zuerst geschlagen oder sie sogar versucht zu vergewaltigen. Und da Männer ja eh zu 100% Schweine sind, wird der/die RichterIn dieser Frau Recht geben. Just my2cents
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