Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


dieser Sommer war wirklich groß, doch heute beginnt in Berlin wieder die Schule. Die Stadt, die über Wochen fast ausschließlich von Touristen bevölkert schien, kehrt zum Alltag zurück, auch das politische Berlin kommt wieder in Gang. Dabei ist ja die sogenannte Sommerpause schon lange keine wirkliche Pause mehr, das Sommerloch füllen Politiker und Medien traditionell mit zwei sonderbaren Ritualen: dem Sommerinterview und der Sommerreise.

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Heft 34/2018
Heiler, Gurus, Scharlatane - Der Boom der Alternativmedizin

Das Sommerinterview: Eigentlich liegt nichts an, aber es wird geredet. Beeindruckend war in diesem Jahr allein das Interview, das Thomas Walde mit Alexander Gauland führte. Walde sprach mit dem AfD-Chef über Digitalisierung, Rente, Mieten, alles, nur nicht über Flüchtlinge, und entlarvte so, dass Gauland zu keinem dieser Themen etwas zu sagen hatte.

Und dann die Sommerreise, bei der Politiker vorzugsweise in Freizeitkleidung ihr Volk besuchen, sie reisen vermeintlich ins wahre Leben und produzieren ein paar schöne Bilder. Heute zum Beispiel besucht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, CDU, das Artilleriebataillon 295 in Stetten am kalten Markt "mit Vorführung der Fähigkeiten des Bataillons und Gesprächen mit Soldatinnen und Soldaten", wie es in der Ankündigung heißt. Und Arbeitsminister Hubertus Heil, SPD, beehrt in Saarbrücken eine Werkstatt zur beruflichen Eingliederung von jugendlichen und erwachsenen Erwerbslosen.

Integrierte Flüchtlinge sollen bleiben

DPA

Im Sommerinterview hat SPD-Chefin Andrea Nahles gestern einen Vorschlag gemacht, der zwar nicht neu, aber dafür richtig ist: Gut integrierte Flüchtlinge sollten in Deutschland bleiben dürfen, auch wenn ihre Asylanträge abgelehnt werden. Wer einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz hat und erkennbar integriert ist, sollte nicht abgeschoben werden. Spurwechsel heißt das, weil Migranten damit von der Asyl- auf die Einwanderungsspur wechseln könnten. Nahles hat recht, es ist gesellschaftlich und volkswirtschaftlich unsinnig, diese Menschen abzuschieben.

Familientreffen über Grenzen

Yonhap/DPA

Zu meinen wichtigsten Kindheitserlebnissen gehören die Reisen meiner Familie zu Verwandten in der DDR. Alle zwei Jahren fuhren wir zum sogenannten Familientreffen nach Ostberlin, Cottbus, Birkenwerder oder Dresden. An diesen Orten versammelte sich dann die sogenannte Ostverwandtschaft, aus der Bundesrepublik reiste die sogenannte Westverwandtschaft an. Man saß zusammen in einem Gasthof in Pankow oder wanderte durch das Elbsandsteingebirge, es gab Schwarz-Rot-Gold (Gulasch, Rotkohl, Kartoffelklöße), die Alten erinnerten sich an früher, die Jüngeren diskutierten über heute und morgen, und wenn es zu heikel wurde, schickte man die Kinder vor die Tür. Für mich waren diese Reisen hinter den eisernen Vorhang immer bewegend, sie waren große Abenteuer und politische Früherziehung, vor allem aber ein Sieg über Mauer und Teilung.

Heute kommen in Nordkorea Familien für ein kurzes Treffen zusammen, die seit dem Koreakrieg Anfang der Fünfzigerjahre getrennt sind. Seoul und Pjöngjang haben das Treffen organisiert, erstmals seit drei Jahren können sich wieder Angehörige von koreanischen Familien, die damals auseinandergerissen wurden, begegnen - für wenige Stunden.

Gewinner des Tages...

SuperGroup/AP

... ist Julian Dunkerton, einer der Gründer des Modelabels Superdry. Der Multimillionär spendete der Kampagne für ein neues Brexit-Referendum eine Million Pfund. Die Bewegung "People's Vote" wirbt für eine zweite Abstimmung über das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU. Dieses Mal sollen die Briten über den konkreten Plan abstimmen, den die Regierung mit der EU aushandelt. Leider wird es wohl nicht zu diesem zweiten Votum kommen, und selbst wenn, wäre der Ausgang ungewiss. Großbritannien ist weiter gespalten. Etwa die Hälfte der Briten will ein zweites Referendum, etwa die Hälfte will in der EU bleiben, nur eines wollen relativ wenige: den harten Brexit. Vielleicht wäre das eine Strategie für Brüssel: hart bleiben und auf ein zweites Referendum setzen.

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Ich wünsche Ihnen einen weiteren wunderbaren Sommertag.

Herzlich,

Ihre Christiane Hoffmann

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