Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


die Kölner Polizei wird heute ihr neues Videoüberwachungssystem für den Hauptbahnhof und die Domtreppe vorstellen. Am Silvesterabend vor einem Jahr hatten die Polizisten wenig von den massenweisen Übergriffen gegen Frauen mitbekommen. Nun wurde aufgerüstet.

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Heft 52/2016
Weihnachten in Zeiten des Terrors

Die Videoüberwachung hat in diesem Jahr eine erstaunliche Karriere gemacht. Lange galt sie als eine der Ausgeburten des Big-Brother-Staates, auch weil sie in George Orwells Roman "1984" eine so große Rolle gespielt hatte. 2016 half sie in Berlin in zwei spektakulären Fällen, die mutmaßlichen Täter von Verbrechen in der U-Bahn kenntlich zu machen: den Tritt in den Rücken einer ahnungslosen Frau, das Anzünden eines Obdachlosen. Das hat die Akzeptanz der Kameras gestärkt. Sie sind ein unaufdringliches Instrument, Verbrechen zu bekämpfen - an öffentlichen Orten. Bei Orwell haben sie Wohnungen überwacht.

DPA

Erdogan gegen Erdogan

In Istanbul beginnt heute der Prozess gegen Asli Erdogan. Die Staatsanwälte werfen ihr vor, Mitglied der Kurdenorganisation PKK zu sein und Propaganda zu machen. Sie und acht weitere Angeklagte haben für die pro-kurdische Zeitung "Özgür Gündem" gearbeitet. Die wurde inzwischen dicht gemacht, ein schwerer Schlag gegen die Pressefreiheit. Nun ist die Frage, ob sich nach den Säuberungen noch Richter finden, die einen Prozess fair leiten wollen und sich ein unabhängiges Urteil trauen. In der Nach-Putschversuch-Türkei von Präsident Recep Tayyip Erdogan müssten das sehr mutige Juristen sein.

AFP

Wir feiern

Ist der SPIEGEL ein Scheißblatt? Wir haben diesen Vorwurf jedenfalls schon gehört, nicht nur von sogenannten Wutbürgern, sondern auch von einem Bundeskanzler. Wer das war? Sie werden es von heute Abend an erfahren, wenn der neue SPIEGEL digital zu lesen sein wird. Für uns ist es eine ganz besondere Ausgabe, denn wir feiern damit unseren Geburtstag. Der SPIEGEL wird im Januar 70 Jahre alt, und deshalb schauen wir zurück auf sieben Jahrzehnte deutsche und internationale Geschichte, die der SPIEGEL beschrieben, kommentiert und manchmal auch beeinflusst hat.

Zudem befassen wir uns in dieser Ausgabe mit den aktuellen Fragen rund um die Medien; den Verschwörungstheorien; den Fake News; dem Vorwurf, "Lügenpresse" zu sein; den Bedrohungen der Pressefreiheit (siehe oben). Aber natürlich kommt, wie gewohnt, das aktuelle Geschehen nicht zu kurz. Diese Ausgabe ist normaler SPIEGEL und Feier-SPIEGEL zugleich. Wir sind sehr stolz auf das, was die Journalisten-Generationen vor uns geleistet haben, und wir arbeiten hart daran, ihrem Erbe gerecht zu werden.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Vielen Dank

An dieser Stelle, zum Schluss der Lage, werden eigentlich Gewinner und Verlierer des Tages gekürt. Das fällt heute aus. Heute möchte ich mich im Namen aller Autoren der Lage bei unseren Leserinnen und Lesern bedanken. 2016 war das Jahr, in dem wir diese neue Form für den SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE entwickelt und erstmals angeboten haben. Sie hat sich etabliert und erntet eine sehr gute Resonanz. Es macht uns große Freude, für Sie auf den neuen Tag zu blicken, kurze Texte zu schreiben, Ihre Reaktionen zu lesen und mit Ihnen zu diskutieren. 2017 machen wir selbstverständlich weiter, im Wahljahr, das für uns Journalisten immer eine große und schöne Herausforderung ist. Wir freuen uns sehr darauf, mit Ihnen in dieses Jahr zu gehen.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch und ein herrliches 2017. Herzlich,

Ihr Dirk Kurbjuweit

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insgesamt 21 Beiträge
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thequickeningishappening 29.12.2016
1. # Kanzler - Spiegel -
Der Einzige Der Mir dazu einfällt wäre Helmut Kohl? Ob Er Das so gesagt hat weiß ich nicht aber von jemandem Der Ihn mal getroffen hat die Aussage dass Der Spiegel nicht zu seinem Lesestoff gehöre. Bleibt noch FJS aber Der war ja nie Kanzler!
StefanZ.. 29.12.2016
2. Glückwünsche und SPON Ziele für 2017
Erstmal Hochachtung dafür diesen harten Job tagein tagaus zu machen. Bei aller fleißig fließender Kritik von meiner Seite, nichts davon ist als persönlicher Angriff beabsichtigt. Hoffentlich ist mir das auch immer (oder zumindest allermeistes) so gelungen. Nachdem das ganz vorneweg gesagt ist: ich wurde mir in 2017 mehr von dem Regierungskritischen Biss voriger Jahrzehnte zurückwünschen. Ich verstehe schon, dass auch die nichtstaatliche Presse für ihre Berichterstattung doch auch stark davon abhängt, dass Regierungen und Politiker interessantere Informationsbrocken herausrücken. Das Erfolgsrezept sollte daraus bestehen, einen weniger Leser-bekehrten Ton in den Artikeln zu finden, und stattdessen höhere Ansprüche an die Funktionsträger und Politiker zu stellen. Es wäre schön, wenn die Parteien zur Abwechslung im Wahlkampfjahr wieder einmal auf ganz konkrete und verbindliche Optionen zur Auswahl festgelegt würden. Und noch viel, viel gesünder für das Klima in der Republik und unser Wohlergehen wäre es, wenn jede Partei ihre Variante zur ernsthaften Vertiefung unserer Demokratie präsentieren müsste, jenseits von Worthülsen.
jimbofeider 29.12.2016
3. Wunder
Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird die Spd, Dank Schröder H4 und aktuell Gabriel zu einer Splitterpartei weden. Sie hat ihr Potenzial leichtfertig verzockt !
localpatriot 29.12.2016
4. Omisio, signification
Unterlassungen und Betonungen sind die größten Einflusshebel der Presse. Man muss nur drei oder vier on-line Produkte aus diversen Nationen oder mit diverser Politik zur selben Zeit vergleichen um das zu erkennen. Das Wort -Verbiegungspresse wäre an sich besser am Platze, aber die bisherige Konzept bleibt zutreffend.
i.dietz 29.12.2016
5. Guten Morgen
gute Nachrichten heute morgen - viele viele neue Kameras an den sogen. Brennpunkten - dazu überall Polizeiaufgebote ....... dann kann Silvester ja kommen ! Glückwunsch zum Geburtstag herzliche Grüße an das ganze Spiegel-Team ich freue mich jeden Tag auf Spiegel-Online und jede Woche auf die Papier-Ausgabe mfg aus dem Saarland
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