Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


kaum hatte Südkorea das zweite Tor erzielt, verbreitete die Politik schon wieder Optimismus. "Auf ein Neues", forderte Bundestagsvize Thomas Oppermann. "Es kommen auch wieder Turniere, bei denen wir jubeln werden", twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Nur der Grünen-Politiker Cem Özdemir verweigerte sich der allgemeinen Kopf-hoch-Rhetorik und nutzte lieber die Gelegenheit, das peinliche Vorrunden-Raus bei der WM dem politischen Gegner in die Schuhe zu schieben. "Der Sportminister", schrieb er, "heißt übrigens Seehofer".

Gipfel der Entscheidung

AP

Heute beginnt in Brüssel der EU-Gipfel, auf dem Angela Merkel binnen 24 Stunden gelingen soll, woran die Staatengemeinschaft seit Jahren scheitert: ein funktionierendes Asyl- und Flüchtlingssystem zu schaffen. Dabei gibt es in manchen Mitgliedsländern längst beispielhafte Lösungen. An Spaniens Küsten legen kaum Flüchtlingsboote an, weil das Land tragfähige Rücknahmeabkommen mit Marokko, dem Senegal oder Mauretanien geschlossen hat. In den Niederlanden dauert es im Schnitt nur drei Monate, bis ein Asylantrag bearbeitet ist. In Dänemark hat inzwischen die Hälfte der männlichen Flüchtlinge seit 2015 einen Job gefunden. Die Frage klingt naiv, gestellt werden sollte sie trotzdem: Wie wäre es, wenn sich Europas Staaten weniger voneinander abgrenzen und mehr voneinander lernen würden?

Zwei Wahlgeschenke

DPA

Die Haushaltspolitiker von Union und SPD erläutern heute den aktuellen Bundesetat - und damit auch den jüngsten Koalitionsbeschluss zum Baukindergeld: Anders als zuletzt angekündigt werden nun auch Groß-Wohnungen gefördert, dafür kann das Geld nur drei Jahre lang beantragt werden. Ein teurer Unfug, so urteilen die meisten Ökonomen. PR-Profis dagegen sind begeistert. Erstens, weil nun so gut wie alle Haushalte bedient werden können. Und zweitens, weil die CSU 2021 das Vorhaben erneut zur Abstimmung stellen kann. Ganz nach der bewährten Logik: Aus einem Wahlgeschenk mach zwei.

Das Trump-Putin-Paradox

AFP

Die USA und Russland wollen heute bekannt geben, wo sich US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin zu ihrem angekündigten Vier-Augen-Gespräch treffen werden. Ob in Helsinki, Wien oder anderswo: Alle Welt ist froh, dass sich die beiden starken Männer über die globalen Konflikte austauschen werden. Und alle Welt fragt bang: Was ist, wenn sie sich einig werden?

Wer schön sein will

DPA

Schönheitsoperationen sind beliebt, vor allem bei Männern, berichtet Timo Lokoschat bei SPIEGEL+. Das Problem ist nur, dass die Natur die Möglichkeiten der plastischen Chirurgie stark beschränkt hat, zum Beispiel bei Haartransplantationen. "Das Reservoir am Hinterkopf", heißt es in der Geschichte, "kann nicht beliebig oft ausgebeutet werden".

Gewinner des Tages...

HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

... ist Peter Altmaier. Wenn der Wirtschaftsminister heute bei der Ludwig-Erhard-Stiftung über die "soziale Marktwirtschaft der Zukunft" spricht, werden den Zuhörern viele Ähnlichkeiten mit seinem legendären Amtsvorgänger auffallen. Wie Erhard ist Altmaier ein Freund guten Essens. Wie Erhard glaubt Altmaier, dass nur verteilt werden kann, was vorher erwirtschaftet wurde. Wie Erhard würde Altmaier gern Kanzler werden. Doch es gibt auch einen gravierenden Unterschied: Erhard war in nahezu allen Fragen mit seinem Chef Konrad Adenauer zerstritten, Altmaier dagegen ist ein treuer Diener seiner Kanzlerin.

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insgesamt 8 Beiträge
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StefanZ.. 28.06.2018
1. Wenn Trump und Putin sich einig würden
Dann könnten beide Staaten und fast alle anderen gleich hintendrein die groteske Geldverschwendung durch Wettrüstens wieder rückwärts drehen. Dann könnte die mittlerweile gängige, pervertierte Form von Außenpolitik mittels nichtphysischer Gewaltanwendung durch Ausgrenzung, Nichtrespektieren, Sanktionieren ein Ende finden. Dann könnten 2 wichtige Vetomächte im UN Sicherheitsrat die Initiative ergreifen und eine völlig andere Form von FriedensSCHAFFUNGStruppe im Rahmen der UN vorschlagen. Einen Mechanismus der global gewaltanwendenden Diktatoren und terroristischen Gruppierungen das Grausen lehrt und gleichzeitig die illegitimen Angriffskriege unter moralischem Deckmäntelchen im Keime erstickt.
kleinsteminderheit 28.06.2018
2. Kopf-hoch-Rhetorik zum EU Gipfel
Der Autor hat sich redlich bemüht, positive Einzelaspekte der europäischen Flüchtlingspolitik aus dem Scherbenhaufen zu klauben. Leider sieht der Lerneffekt momentan aber so aus, dass eine liberale Migrationspolitik nirgendwo in Europa mehrheitsfähig ist und dass Asylrecht und Flüchtlingskonvention überall hoch gefährdet sind. Schon beim Brexit war die Zuzugskontrolle eine der wichtigsten Motivationen. Ein Menetekel, das geflissentlich ignoriert wurde. Und so wird es beim EU Gipfel mehr um Abschottung als um die Verbesserung der Verfahren oder der Verteilung gehen.
Papazaca 28.06.2018
3. Nur 8 ZeilenWM-Aus? Die Medien weltweit sehen das anders!
Lieber Michael Sauga, wenn Ihnen sowohl das WM-Aus als auch Peter Altmaier nur acht Zeilen wert sind, haben Sie die deutsche Realität und auch die Befindlichkeiten Ihrer Leser nicht verstanden. Sie sind kein Fußball-Fan, oder? Egal. Nehmen wir das alles nicht so bierernst, aber für viele ist durch die Art dieser blamablen Niederlage eine Welt zusammen gebrochen. Und das ist dann - auch weltweit, siehe BBC+CCN - doch wichtiger als acht kleine Zeilen. Sehen Sie es ein und frühstücken Sie trotzdem gut!
im_ernst_56 28.06.2018
4. Nachtreten macht Spaß
Natürlich ist Horst Seehofer als Innenminister auch für den Sport zuständig. Aber weder beruft er den Bundestrainer, noch ist er für die Zusammenstellung des Kaders und die Taktik zuständig. Herr Seehofer ist genau sowenig für den Misserfolg verantwortlich wie frühere Innenminister für Erfolg oder Misserfolg deutscher Nationalmannschaften verantwortlich waren. Das weiß Herr Özdemir natürlich, aber Nachtreten macht eben Spaß. By the Way: Warum haben die Grünen eigentlich weder im Bund noch in den Ländern je einen Innenminister gestellt? Könnte es damit zusammenhängen, dass ihnen als ehemaliger Anti-Polizei-Partei immer noch niemand die innere Sicherheit anvertrauen mag? Vielleicht sollte Herr Özdemir mal darüber nachdenken.
tomymind 28.06.2018
5.
Herr Özdemir, Horst seehofer hat mit dem WM aus nichts zu tun. Der DFB ist ein Privatunternehmen, hat nur eine andere Rechtsform und die Spieler sind alle Profispieler. Sie dagegen haben sehr viel mit dem Einlass von ca 2 Millionen illegalen Zuwanderern nach Deutschland zu tun. Melden sie sich wieder wenn mindestens 70% davon wieder weg sind
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