Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


nach Flüchtlingen, Özil und dem Wetter drängt ein neues Thema auf den Spielplan des Sommertheaters, die Frage: Wo ist Merkel? Zuletzt gesehen wurde die Kanzlerin beim gemeinsamen Opernbesuch mit ihrem Gatten Joachim Sauer in Bayreuth. Den traditionellen Wanderurlaub in Südtirol musste der emeritierte Chemieprofessor allein antreten, zwar im "gewohnten Wanderdress mit weißer Mütze und Kniebundhose", wie die "Bild"-Zeitung aufmerksam registrierte, "aber ohne seine Angela".

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Heft 31/2018
Die Özil-Affäre und das Problem mit der Integration

Merkels Öffentlichkeitsarbeiter wiederum möchten nichts zur Aufklärung des Falles beitragen, und so rätselt nun die Republik, wohin die Kanzlerin wohl ohne ihren Ehemann geflüchtet ist: zum Bocciaspiel nach Cadenabbia? Zum Kuren an den Wolfgangsee? Oder will sie allen Merkel-muss-weg-Rufern mal demonstrieren, wie es in der Republik aussähe, wenn es nicht mehr MMW hieße, sondern: MIW.

Der Kohl-Bewunderer

Getty Images

Jens Spahn war mal der Hoffnungsträger des CDU-Wirtschaftsflügels. Heute aber bringt der Gesundheitsminister ein Gesetz zur Aufstockung des Pflegepersonals ins Kabinett, das auch von der sowjetischen Gosplan-Zentrale in Moskau ersonnen worden sein könnte. Von "Untergrenzen" ist die Rede, von zentralen Vorgaben für jedes Krankenhaus, von Sanktionen, wenn der Plan verfehlt wird. Spahn, so zeigt sich, folgt nicht den hehren Grundsätzen der Ordnungspolitik, sondern Helmut Kohl: "Ich will Wahlen gewinnen", so pflegte der Altkanzler zu sagen, "und nicht den Erhard-Preis."

Die Erzählungen des Elon Musk

AP

Die Kunst, in schwierigen Zeiten gute Geschichten zu erzählen, beherrscht niemand besser als Tesla-Chef Elon Musk. Bevor seine Firma heute die eher durchwachsenen Zahlen für das zweite Quartal präsentiert, setzte sie noch rasch zwei hübsche Nachrichten in die Welt.

Erstens, die Firma will eine Megafabrik für Batterien und Autos in Deutschland oder Holland bauen. Zweitens, vergangene Woche verkaufte sie binnen weniger Minuten 200 selbst entwickelte Surfbretter im eigenen Onlineshop. Die erste Meldung sagt: Wir sind noch in der Offensive. Und die zweite? Wenns mit den Autos schiefgeht, probieren wir etwas anderes.

Das Integrations-Wunder

Marcus Simaitis / DER SPIEGEL

In Bayern gehen die ersten Ankerzentren in Betrieb. In Berlin werden neue Regeln zum Familiennachzug in Kraft gesetzt. In Düsseldorf geht das Tauziehen um den mutmaßlichen Terrorhelfer Sami A. weiter. Lauter Nachrichten des heutigen Tages, die scheinbar zeigen: Bei der Eingliederung von Flüchtlingen geht nichts voran. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani ist freilich ganz anderer Ansicht. In einem langen Interview, das Sie heute bei SPIEGEL plus lesen können, vertritt der Professor, der inzwischen in Diensten der nordrhein-westfälischen Landesregierung steht, eine gänzlich andere These. "Integration", sagt er, "gelingt in Deutschland besser als jemals zuvor."

Gewinner des Tages...

REUTERS

...ist Alexis Tsipras. Vor drei Jahren hätte der Chef der linken Syriza-Regierung Griechenland beinahe aus dem Euro geführt. Doch dann vollzog der studierte Ingenieur eine der erstaunlichsten Kehrtwenden der jüngeren europäischen Geschichte. Erst ließ er sich von Angela Merkel zum Bleiben überreden. Dann besänftige er die internationalen Gläubiger und setzte daheim brutale Sparprogramme durch.

Und wenn der Haushaltsausschuss des Bundestags nicht heute in letzter Sekunde Einwände erhebt, kann die Athener Regierung bald mit neuen Milliardenhilfen seiner Geldgeber rechnen. Wird Tsipras im kommenden Jahr wiedergewählt, hätte er geschafft, was schon lange niemandem mehr gelungen ist: als linker Regierungschef mit einem rechten Programm Erfolg zu haben.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag,

Ihr Michael Sauga

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    insgesamt 28 Beiträge
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    haresu 01.08.2018
    1. Sommerlöcher
    Wo ist Merkel? Ist das schon ein Angstschrei? Jedenfalls doch wohl eher ein publizistisches denn ein politisches und ja ohnehin nur temporäres Fehlen. Die Wahrscheinlichkeit spricht natürlich für die deutsche Ostseeküste, aber auch ein Undercover- Trip nach Malle oder Thailand würde ich der immer neugierigen Kanzlerin zutrauen. Da sind ja ohnehin gerade die meisten Deutschen und da kann man denen dann beim zwölften Bier mal auf den Mund schauen. Oder, aber nein, man stelle sich vor, die ewig verfolgte Merkel wollte mal so richtig weg von allem, auch der Hitzewelle, und was liegt da näher als Spitzbergen? Hoffentlich hat sie sich nicht als Eisbär getarnt. Sorry, die Hitze, da vermischen sich die Gedanken an aussterbende Tierarten und immer seltener werdende Politiker mit Haltung. Nein, Frau Merkel geht es gut und das ist auch gut so und wir müssen auch nicht immer alles wissen. Muttis müssen auch nicht immer da sein, sie müssen nur immer zurückkommen.
    StefanZ.. 01.08.2018
    2. Haben unsere Regierungsmitglieder sich Ferien verdient?
    Wenn ich Ihre Beispiele des Kleinklein Gewurstels im Bereich Asyl und Migration lese, dann drängt sich mir der Eindruck auf, dass hier wie im Kohl-Zitat nur darum geht den Wählern genügend große Mengen Sand in die Augen (oder sollte man Hirn sagen) zu streuen, damit sie nicht mitbekommen, dass hier überhaupt nichts nachhaltig gelöst wird. Aber im Gegensatz zu den bröckchenweisen Alibi-Maßnahmen gegen den Klimawandel für die Naturkatastrophen, Ernteausfall etc. nur schleichend alle paar Jahre schlimmer werden, werden die zukünftigen Migrations- und Fluchtschübe abrupt und jeweils massiv passieren. Frau Kanzlerin oder ihr hoffentlich sehr baldiger Nachfolger wird dann posaunen, dass dies die Verwaltung total unvorbereitet trifft, die Gesetzeslage Handeln ganz schwer macht, weil das in dieser Dimension so ja von niemandem voraussehbar war. Dann wird es auch nichts nutzen, wenn sich einige z.B. an die Aussage von David Beasley, WFP, vom April dieses Jahres erinnern. Der sagte nämlich sinngemäß, dass die Fluchtwelle in die EU aus einem Land wie Syrien nur ein Fliegendreck dagegen ist, was uns bevorsteht, wenn die Sahel-Region mit mittlerweile schon 500 Millionen Menschen in die nächste Krise schlittert. Wahrscheinlich stimmt mir fast jeder Leser zu, dass es tatsächlich eine Frage von wann, nicht ob ist.
    ruderpinne 01.08.2018
    3. Die Zeit-Journalistin, Mariam Lau,
    die persönlich solche Einsätze auf einem dieser Schleuser-Fähren mitgemacht hat, versetzte die links-grüne Medien-Diktatur, die von sich glaubt und agiert, als ob sie die absolute Mehrheit der Bevölkerung vertritt, in Schnapp-Atmung mit einem ausgewogenen Bericht daüber. Besonders aber ihre Frage, ob die NGO-Schlepper nicht die Verursacher und Schuldigen der Ertrinkenden im Mittelmeer sind, machten sie für das links-grüne Meinungs- und Moralmonopol zur Hassfigur. https://www.zeit.de/2018/29/seenotrettung-fluechtlinge-privat-mittelmeer-pro-contra
    Papazaca 01.08.2018
    4. Deutschland, das Land der 1000 Hosenanzüge
    Jetzt hat es auch den aller werten Herrn Sauga erwischt: Das Sommerloch. Und in dem sucht er Angela Merkel. Damit wird klar, wie staatstragend SPON ist. Da muß man unwillkürlich auch wieder an unseren Sommerlochheld Sauga denken und hoffen, das er genug trinkt und uns noch lange erhalten bleibt. Sonst schicken wir sofort ein Suchtrupp zum Sommerloch !!
    Spiegelleserin57 01.08.2018
    5. wo sie ist ... na wo viele Deutschen sind...
    in Urlaub! Sie ist angestellt wie andere auch , also kein Unterschied!
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