Triebwerksschäden Bundeswehr verhängt Flugverbot für NH90-Helikopter

Neue Probleme bei den Hubschraubern der Bundeswehr: Nach SPIEGEL-Informationen darf die gesamte Flotte der NH90-Mehrzweckflieger vorerst nicht mehr starten. In einem Triebwerk waren Schleifspuren entdeckt worden.

NH90-Hubschrauber (Archivbild)
picture alliance / dpa

NH90-Hubschrauber (Archivbild)

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Die Bundeswehr hat den Flugbetrieb aller NH90-Mehrzweckhubschrauber wegen technischer Problemen eingestellt. Nach Informationen des SPIEGEL entschied sich die Truppe am Freitagmorgen für die Vorsichtsmaßnahme, da in einem Triebwerk der Helikopter Schleifspuren gefunden worden waren.

Das Flugverbot betrifft alle NH90 in Mali und in Deutschland. So wurde ein geplanter Einsatz bei einer Übung in Deutschland am Freitag abgesagt. In Mali, wo die NH90 für die Rettung von Verwundeten eingesetzt werden, dürfen sie nur noch in Situationen abheben, in denen Leib und Leben von Soldaten gefährdet sind.

Das betroffene Triebwerk war gerade aus dem Einsatz in Mali zurück nach Deutschland gebracht worden, Techniker entdeckten bei einer Überprüfung Schleifspuren. Umgehend entschied man sich für den Flugstopp, da andere Triebwerke ähnliche Schäden haben und im Flugbetrieb ausfallen könnten.

Nun sollen alle NH90 untersucht werden, erst dann dürfen sie wieder fliegen. Wie lange der Flugstopp noch gilt, konnte die Bundeswehr am Freitagabend nicht abschätzen.

Hitze und Sand sorgen für Probleme

Die Untersuchung eines Triebwerks dauere etwa zwei Stunden, hieß es. Bei den bisher überprüften Triebwerken hätten sich keine ähnlichen Schäden, die auf eine vorherige Stagnation hinweisen könnten, gefunden.

Der NH90 gilt seit seiner Einführung bei der Bundeswehr als Problemfall. Erst kürzlich war in Mali ein neues Triebwerk des Helikopters beim Starten ausgefallen, die Piloten konnten notlanden.

Insider vermuten immer wieder, dass der Helikopter für den Einsatz in Mali mit Hitze und Sand nicht ausgelegt ist. Die Helikopter sind seit Mai 2017 in dem afrikanischen Land stationiert. Ebenso wie Kampfhubschrauber vom Typ "Tiger" werden sie zur Unterstützung der Uno-Mission Minusma eingesetzt.

Der grüne Verteidigungspolitiker Tobias Lindner bewerte den neuen Vorfall kritisch. "Die erneuten Probleme beim Triebwerk zeigen, dass der NH90 nach wie vor nicht zuverlässig nutzbar ist", sagte Lindner. Er selbst war am Freitag bei einer großen Militär-Übung zu Gast, dort sollte der NH90 eigentlich fliegen.



insgesamt 13 Beiträge
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mcpoel 14.10.2017
1. Nicht für Hitze und Sand ausgelegt?
Die Bundeswehr kauft also einen "Schönwetterhubschrauber"? Und wer stellt ein Fluggerät her, das nur in gemäßigten Zonen fliegt? Warum brauchen Entscheider in entsprechenden Positionen eine "Ausbildung", wenn jedermann etwas, das derzeit nach Dilettantismus aussieht erkennt?
smartphone 14.10.2017
2. Schleifspuren
Nun wir wissen ja auch von Dingen, wie nicht trittfester Boden usw.... Hier stellt sich die Frage , ob der Hubi überhaupt für Alltagsfliegen konstruiert wurde. Speziell beim Militäreinsatz fliget man auch mal über die See ( Salzkorrosion hatten wir auch schon ) oder eben staubige Landschaft ( Auch hier ist öfters mal Saharastaub in der Luft...) In Folge stellt sich die Frage , ob man beim Hersteller über eine HumanResources verfügt, die fähig ist, Ingenieursbewerbungen zu lesen/erkennen, speziell wenn man wie schon mal gewesen 1000 sofort braucht, aber bei nachgewiesen 5 Material und L+R Ingenieuren ( 1 Dr. 2 Th 2 FH ) noch nicht mal den EIngang bestätigt ,Absagt geschweige denn zum Gespräch einlädt oder gar einstellt..........
marinero7 14.10.2017
3.
Zitat von mcpoelDie Bundeswehr kauft also einen "Schönwetterhubschrauber"? Und wer stellt ein Fluggerät her, das nur in gemäßigten Zonen fliegt? Warum brauchen Entscheider in entsprechenden Positionen eine "Ausbildung", wenn jedermann etwas, das derzeit nach Dilettantismus aussieht erkennt?
Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer lässt einen Hubschrauber entwickeln und verlangt im Lastenheft nicht, dass er auch bei Hitze und Staub in Afrika funktionieren muss? Das Ganze hat aber eher mit den wahnsinnig langen Laufzeiten der Entwicklung und Erprobung zu tun. Bis der Hubschrauber in die Truppe kommt haben sich die Aufträge der Politik schon mehrfach geändert. Beispiel Tiger, der bei der BW als Panzerabwehrhubschrauber und im Gegensatz zu Frankreich ohne größere Bordkanone bestellt wurde und nun in Mali eingesetzt wird wo der Bedarf Panzer zu bekämpfen gleich Null ist aber eine Bordkanone sehr nützlich wäre. Ähnlich beim NH90, der als Marinehubschrauber völlig ungeeignet ist aber der Marine aus industriepolitischen Gründen aufgedrückt wird.
martyr 14.10.2017
4.
Hm. Die Marine hat Hubschrauber, die nicht über Wasser fliegen dürfen, das Heer welche, die in Afrika genutzt werden sollen aber Hitze nicht vertragen, Milliarden für ein Flugzeug in das der Panzer gar nicht reinpasst, könnte lange weitermachen... Ich bin zwar für eine Welt in der so etwas nicht gebraucht wird, aber wenn man es macht bitte richtig. Wenn ich nicht barfuß laufen möchte kaufe ich mir doch auch passende Schuhe und nicht zehn Nummern zu klein. Gibt aber neue Fernseher auf den Stuben. Sehr praktisch, wenn man als Pilot eh kein funktionierendes Fluggerät hat...
tuedelich 14.10.2017
5. Ein Wunsch
Ich wünschte mir, dass die für die Beschaffung von Militärmaterial Verantwortlichen nicht nur für Deutschland die Beschaffung regeln würden, sondern für alle Staaten dieser Welt. Und die Bestellungen würden u.a. an Airbus und andere Militarienhersteller in Deutschland gehen. Dann wäre nämlich garantiert, dass kein Krieg mehr geführt werden könnte, da dann Alles überall nicht einsatzfähig wäre. Der Wunsch könnte doch ganz schnell in Erfüllung gehen: Einfach den Lobbyisten mehr Geld für Nichts bieten ......
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