Chaos mit NH90-Staffel Bundeswehr setzt Routineflüge von Hubschraubern aus

Chaos beim fliegenden Gerät der Bundeswehr: Erst hatte eine schadhafte Software die Daten der Transporthubschrauber NH90 durcheinandergebracht, nun warnt der Hersteller vor Designfehlern, die zu Kurzschlüssen führen könnten.

NH90 Helikopter bei Übungen in Munster: Designfehler entdeckt
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NH90 Helikopter bei Übungen in Munster: Designfehler entdeckt


Berlin - Die Transporthubschrauber der Bundeswehr vom Typ NH90 bleiben aus Sicherheitsgründen vorläufig am Boden, zumindest im Routineflugbetrieb.

Nicht nur, weil eine schadhafte Software die Daten durcheinanderwirbelte. Sondern auch, weil der Hersteller Airbus Helikopter nun darauf hinweist, dass es aufgrund eines Designfehlers der Feuerlöschanlage am Triebwerk zu Kurzschlüssen kommen kann. Das teilte die Bundeswehr mit.

Hintergrund ist ein Zwischenfall mit einem NH90 im Sommer vergangenen Jahres: Am 19. Juni hatte ein für medizinische Evakuierungen ausgerüsteter Hubschrauber vom deutschen Stützpunkt im Norden Afghanistans, Termez, abgehoben. Schon nach wenigen Minuten hörten die Piloten einen lauten Knall, Funken schossen aus dem Triebwerk. Mit nur einem Triebwerk drehte die Crew um. Nach dem Beinahe-Crash entdeckten die Techniker der Bundeswehr die verschmorte Platine des Bedienungspanels.

Das Untersuchungsteam schrieb damals in einem vertraulichen Bericht, der dem SPIEGEL vorlag, es sei "nicht auszuschließen", dass der Fehler auch bei anderen Hubschraubern des Typs NH90 auftritt. Ein zunächst ausgesprochenes Flugverbot wurde nach wenigen Tagen wieder aufgehoben. Die Bundeswehr ordnete die Überprüfung der Triebwerke aller ihrer 35 NH90 Hubschrauber an.

Ein halbes Jahr später kommen nun die Hinweise von Airbus auf den Designfehler. Der Flugsicherheitsausschuss beim Luftfahrtamt der Bundeswehr hat nun am Freitag empfohlen, den Routineflugbetrieb mit NH90 aus Sicherheitsgründen vorläufig auszusetzen, hieß es seitens der Bundeswehr. Das Verteidigungsministerium erwarte jetzt schnellstmöglich die Beseitigung des Problems durch den Hersteller.

Der Grünen-Verteidigungsexperten Tobias Lindner berichtet, über Wochen sei ihm versichert worden, die Verschmorungen seien ein bedauerlicher Einzelfall gewesen. "Während Ursula von der Leyen auf der Münchner Sicherheitskonferenz über 'Führen aus der Mitte' philosophiert, muss das Verteidigungsministerium nun erneut alle NH90 außer Betrieb nehmen", sagte er SPIEGEL ONLINE.

Von der Leyen dürfe nun die Rahmenvereinbarung, mit der wohl für über acht Milliarden weitere Hubschrauber gekauft werden sollen, "nicht durch den Haushaltsausschuss peitschen", so der Grünen-Politiker. Sie müsse vielmehr darauf bestehen, dass zuerst die Ursache der aktuellen Probleme aufgeklärt und die Probleme gelöst würden.

Zuletzt war bekannt geworden, dass eine schadhafte Software beim fliegenden Gerät der Bundeswehr für Chaos sorgt. Nach einem Update der Software, mit der die Wartung der Maschinen überwacht und Ersatzteile beschafft werden, sind die Daten derart durcheinandergeraten, dass die Techniker nicht mehr nachvollziehen können, welche der Maschinen überhaupt noch flugtauglich sind. Besonders betroffen auch dabei: der Bundeswehr-Transporthubschrauber NH90.

gt/vek/dpa

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insgesamt 38 Beiträge
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daktaris 07.02.2015
1. Termez...
liegt in Usbekistan und nicht in Afghanistan.
$pieglein_an_der_wand 07.02.2015
2.
Hätten die zuständigen Leute doch bei den Amis gekauft. Das Gerät ist Krisenerprobt, größer und für mehr Zwecke einsetzbar. Achso... Da wären ja noch die Russen. Da hätte man sich auch bedienen können. Robust, hält ewig, kostet nix und Ersatzteile kann man aus Zwirn, Stecknadel und einem Kaugummi herstellen.
VacekKacek 07.02.2015
3. Wenn
das Gerät am Boden bleibt, ist das doch eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Das armselige Kriegsgerät muss nicht benutzt werden, da deutsche Soldaten sich sonst blamieren, hat aber ein haufen Geld gekostet. Dadurch wurde dem Steuerzahler das letzte Hemd eifrigst aufgeknöpft. Bei der nächsten Bestellung sollte man auf reale Waffen gleich ganz verzichten und einfach nur das Geld an die Waffenhersteller überweisen. Das spart Zeit, Kraft und Erklärungsnot bei den beteiligten Deppen.
varesino 07.02.2015
4. Wir stellen uns einmal vor ...
die Bundeswehr hätte in den 80ern S-60 Blackhawk beschafft. Das ganze UH-1D Gejammer, zu alt, etc. wäre an uns vorübergegangen. Und das aktuelle NH-90, im Jahre 2015 Theater wäre uns auch erspart geblieben. Varesino
sikasuu 07.02.2015
5. Die schnelle Eingreiftruppe der Nato wird wohl....
... am sichersten mit Fahrrädern ausgerüstet. . Die funktionieren auch ohne Software, sind nicht Wartungsintensiv und laufen bei jedem Wetter. . Jetzt die Hubschrauber, Tranportflugzeuge stehen auch nur rum, bzw. werden nicht fertig, von Kampfflugzeugen will ich gar nicht erst anfangen. . Puma und Co. sind auch "Entwicklungsschrott" und selbst das neue Gewehr schissest um die Ecke wenn im zu warm wird. . Cola & Hamburgerautomaten sind aber auf dem neusten technischen Stand! . V.d. Laien macht sich richtig gut :-((. Flachbildschirm in den Zimmern, Wifi in der Kaserne, Kantine aber das Werkzeug das die "Madels&Jungs" im Alltag zum JOB so brauchen ist im kläglichen Zustand. . Erinnert mich an Doberindt. Jede Woche ne neue digitale "Sau" durch die Presse treiben, aber die Infrastruktur verrottet in der Basis! . Wie wäre es mal, wenn MinisterInnen ihre Arbeit machten und nicht nur rumtönten?
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