Nicolaus Fest Ex-BamS-Vize tritt AfD bei

Einst sorgte Nicolaus Fest mit einem islamkritischen Kommentar für Aufsehen, nun ist der frühere Vizechefredakteur der "Bild am Sonntag" der AfD beigetreten. Dort ist die Freude über den Mann groß.

Nicolaus Fest (im Jahr 2006)
imago/ Hoffmann

Nicolaus Fest (im Jahr 2006)

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In ihrer Einladung machten sie bei der Berliner AfD noch ein großes Geheimnis um die Personalie. Einen "prominenten Neuzugang" werde AfD-Landeschef Georg Pazderski an diesem Donnerstag den Hauptstadtjournalisten in der Bundespressekonferenz vorstellen. "Unser Wahlsieg vom 18. September beschert uns einen stabilen Zuwachs an Neumitgliedern", heißt es unter Verweis auf die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, bei der die AfD 14,2 Prozent erreichen konnte.

Der so gefeierte Neuzugang ist ein Medienmann: Nicolaus Fest, bis Oktober 2014 stellvertretender Chefredakteur der "Bild am Sonntag" (BamS).

Gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte Fest am Mittwoch seinen Eintritt in den Berliner Landesverband der AfD: "Ich würde das nicht dementieren", sagte er - und fügte hinzu: "Ich ärgere mich natürlich, dass das vor der Pressekonferenz am Donnerstag herauskommt". Eine Begründung für seinen AfD-Beitritt wollte er noch nicht nennen.

Inhaltlich lagen Publizist und Partei schon länger auf einer Linie: Vor zwei Jahren hatte Fest die BamS verlassen, nachdem er in einem Kommentar den Islam als "Integrationshindernis" bezeichnet hatte, das die Politik "bei Asyl und Zuwanderung ausdrücklich berücksichtigen" sollte: "Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht." Der Kommentar brachte der BamS damals eine Rüge des Presserats ein.

Sowohl die Chefredakteurin des Wochenblatts, Marion Horn, als auch der damalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann hatten sich danach von dem Kommentar distanziert. Fest betonte aber, er habe den Axel Springer Verlag "auf eigenen Wunsch" verlassen.

Sohn des Historikers und Publizisten Joachim Fest

Für Aufregung hatte auch ein Interview von Fest in der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" im April 2015 gesorgt. Dort hatte er seine Islamkritik verteidigt. Schlichte Gemüter wie der Grünen-Politiker Volker Beck mögen Religionskritik für Fremdenfeindlichkeit halten, sagte er dort. "Tatsächlich ist Islamkritik so wenig fremdenfeindlich wie die Varusschlacht oder der Kampf der Azteken gegen die Spanier. Im Gegenteil: Wenn das Fremde unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung bedroht, dann wird "Fremdenfeindlichkeit" zur gesellschaftlichen Pflicht. Das ist die Konsequenz des republikanischen Appells: Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit!", so Fest damals. Auch sprach er in dem Interview darüber, seinen Kindern zu raten, ihre Zukunft nicht in Deutschland zu planen. Durch die "vielen Flüchtlinge", die keine Beziehung "zu diesem Land, seiner Geschichte, seiner Kultur" hätten, werde sich Deutschland in den kommenden 30 Jahren dramatisch verändern.

Ob er ein Amt im Berliner AfD-Verband bekleiden wird, für die neue Fraktion der Partei im Abgeordnetenhaus arbeiten will oder nur einfaches Parteimitglied sein wird, ist noch unklar. Offenbar sieht die Partei in Fests Beitritt eine Chance, im bürgerlichen Lager weitere Personen für eine Mitgliedschaft in der AfD zu gewinnen. Berlins AfD-Chef Pazderski wollte die Personalie auf Anfrage nicht kommentieren.

Nicolaus Fest ist der Sohn des Historikers und früheren, 2006 verstorbenen Mitherausgebers der "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Joachim Fest. Sein Bruder ist der Verleger Alexander Fest.



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reflektionist 05.10.2016
1. Hoffentlich...
...kann der Mann die Partei medial so aufbereiten, dass dümmliche wie überflüssige Ausrutscher wie "Boateng" (Gauland), "Schiessbefehl" (Storch) zukünftig ausbleiben. Wenn man es dann noch schafft, Herrn Höcke mit seinen nicht mehrheitsfähigen Thesen einzubremsen, mutmaßlich judenfeindliche Kandidaten aus den Landtagen fernzuhalten (Baden-Württemberg) und vor allem Einigkeit zu demonstrieren, steht einem zukünftigen Erfolg nichts im Weg. Schade wäre, wenn sich die einzig verbliebene konservative Partei dieses Landes durch unbedachte Äußerungen und Profilierungssucht Einzelner selbst zerlegt!
geando 05.10.2016
2. Professionalisierung der AfD
Natürlich wird die AfD bei wachsender Popularität auch mehr gestandene und professionellere Köpfe der Gesellschaft anziehen. Es bleibt zu hoffen, das solche Personen der AfD ein klareres Profil verleihen und die Abgrenzung zu rechtsradikalen Rändern in der Partei deutlicher verschärfen. Da die CDU sich schon länger vom konservativen Themenkreis und einer kritischen Auseinandersetzung mit Zuwanderung und deren Form verabschiedet hat (und seit neuestem den Beifall der Linken und Grünen bei diesem Thema sucht), wird die Schaffung einer wählbaren Alternative immer dringlicher. Die AfD hat immer noch nicht ihr Profil gefunden und ihre Spitzenkräfte stellen sich in der Kommunikation teilweise derart ungeschickt an, das potentielle Wähler regelmässig vergrault werden.
RalfHenrichs 05.10.2016
3.
Zitat von geandoNatürlich wird die AfD bei wachsender Popularität auch mehr gestandene und professionellere Köpfe der Gesellschaft anziehen. Es bleibt zu hoffen, das solche Personen der AfD ein klareres Profil verleihen und die Abgrenzung zu rechtsradikalen Rändern in der Partei deutlicher verschärfen. Da die CDU sich schon länger vom konservativen Themenkreis und einer kritischen Auseinandersetzung mit Zuwanderung und deren Form verabschiedet hat (und seit neuestem den Beifall der Linken und Grünen bei diesem Thema sucht), wird die Schaffung einer wählbaren Alternative immer dringlicher. Die AfD hat immer noch nicht ihr Profil gefunden und ihre Spitzenkräfte stellen sich in der Kommunikation teilweise derart ungeschickt an, das potentielle Wähler regelmässig vergrault werden.
Jetzt müssen Sie nur noch erklären, wie ein Rechtsradikaler wie Fest eine Abgrenzung zu rechtsradikalen Rändern bewirken kann.
kalim.karemi 05.10.2016
4. Begründung für Beitritt liefern
Kaum zu glauben, wäre er den linken oder grünen beigetretenen, hätten sie dann ebenso eine unterschwellige Begründung für diesen Schritt verlangt?
Senf-Dazugeberin 05.10.2016
5. Das ist eine gute Nachricht
Kluge, diskussionssichere Köpfe, die die AfD voran bringen, sind sehr willkommen. Alles Gute und Herzlichen Glückwunsch für Ihre Wahl, Herr Fest.
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