Hannover - In der CDU herrscht nach der hauchdünnen Niederlage Frust - und Ärger über die vermeintlich "verschenkten" Wähler, die ihr Kreuzchen für die Zweitstimme bei der FDP gemacht haben. Denn durch diese Leihwähler holten die Liberalen mit 9,9 Prozent zwar ein starkes Ergebnis. Für die Regierungsbildung reichte es trotzdem nicht.
Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt nach der Niederlage ein ähnliches Vorgehen zugunsten des Koalitionspartners FDP für die Zukunft ab. Merkel sagte am Montag nach Beratungen der CDU-Führungsgremien in Berlin, bei der Bundestagswahl werde "jeder für sich" und für seine Stimmen kämpfen.
Es sei vielleicht eine der Lehren aus Niedersachsen, dass "nicht so eine große Angst herrschen" müsse, dass die FDP von der Bildfläche verschwinde. Merkel betonte, sie habe immer wieder gesagt, dass die FDP "ihren Weg finden wird". Dies gelte für den Bund mindestens ebenso wie für Niedersachsen.
Doch eine Analyse zeigt nun: Nicht weniger, sondern mehr strategische Zweitstimmen hätten Schwarz-Gelb womöglich den Erfolg in Hannover gebracht. Die Beobachter von wahlrecht.de haben errechnet, dass nur 2000 mehr Zweitstimmen-Kreuzchen bei der FDP statt der CDU gereicht hätten. Dann wäre ein Sitz von der SPD zur FDP gewandert - und die alte Koalition wäre auch die neue gewesen.
Trotz der deutlichen Töne aus der Union fürchtet die FDP offenbar keine Revanche bei der Bundestagswahl. Parteivize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger glaubt sogar an einen "besonders fairen" Umgang zwischen Union und FDP zur Wahl im September. "Rache ist doch nichts, was in die Politik gehört", sagte die Justizministerin der "Leipziger Volkszeitung".
jok/dpa
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