Niedersachsens Finanzminister: Möllring fühlt sich von Glaeseker hintergangen

Niedersachsens Landtag berät die Causa Wulff - und die Nerven liegen blank. Finanzminister Möllring ließ die Debatte nach einem Zwischenruf unterbrechen und drohte mit Strafanzeige. Hart ins Gericht ging er mit Wulffs ehemaligem Sprecher Glaeseker. Von diesem fühle er sich "beschissen".

Niedersächsischer Finanzminister Möllring (CDU): "Nicht in Ordnung" Zur Großansicht
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Niedersächsischer Finanzminister Möllring (CDU): "Nicht in Ordnung"

Hannover - In der Diskussion um den Fall Wulff wird der Ton schriller, auch im Landtag von Hannover. Ein Zwischenruf der Linken sorgte während der Sitzung am Freitag nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd für einen Eklat - und eine kurzfristige Unterbrechung.

Der Linke-Abgeordnete Hans-Henning Adler hatte Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) vorgeworfen: "Das wissen Sie doch schon länger", als dieser über die Beteiligung eines Landesbetriebs am privat veranstalteten "Nord-Süd-Dialog" berichtete. Möllring drohte daraufhin mit einer Strafanzeige wegen Verleumdung.

Doch der Linken-Politiker lässt es offenbar auf eine weitere Konfrontation ankommen. Adler nahm den Vorwurf auch in einer persönlichen Erklärung nicht zurück. Er betonte stattdessen, er "freue" sich auf die Strafanzeige. Dann könnte er Zeugen benennen, die belegten, dass die Landesregierung über eine Beteiligung der Staatskanzlei in der Regierungszeit von Ministerpräsident Wulff am Nord-Süd-Dialog informiert gewesen sei. Der Ältestenrat des Landtag nahm direkt Beratungen über den Zwischenruf auf.

Zwar nicht im Sitzungssaal, dafür am Rande der Debatte fand Finanzminister Möllring deutliche Worte für Olaf Glaeseker, den ehemaligen Sprecher des Bundespräsidenten. "Von Glaeseker fühle ich mich beschissen. Der hat uns beschissen. Das ist nicht in Ordnung", sagte Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) am Freitag am Rande der Landtagsdebatte in Hannover.

"Geschäft eines Privatmanns"

Hintergrund ist, dass Glaeseker das Veranstaltungsmanagement der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) für das Wirtschaftstreffen Nord-Süd-Dialog angeheuert hatte, eine Begleichung der Rechnung aber ablehnte. "Das war ein Geschäft eines Privatmannes", sagte Möllring in Anspielung auf den Unternehmer Manfred Schmidt, der den Nord-Süd-Dialog organisierte. Wenn dafür Lieferanten oder Garderoben-Personal gebraucht würden, dann müssten diese auch bestellt und bezahlt werden.

Am Donnerstag waren die Wohn- und Geschäftsräume Glaesekers durchsucht worden. Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft Hannover durchkämmten Beamte des Landeskriminalamtes die Büros von Glaeseker sowie des Eventmanagers Schmidt in Wunstorf, Berlin und in der Schweiz. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Glaeseker und Schmidt werden Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung vorgeworfen

Ermittler prüfen beschlagnahmte Daten

Bei den Durchsuchungen wurden Schriftstücke und Computerdateien gesichert, die nun ausgewertet werden sollen. In den vergangenen Wochen waren bei den Strafverfolgern in Hannover im Zusammenhang mit Wulffs Kreditaffäre zahlreiche Anzeigen gegen das Staatsoberhaupt, aber auch gegen Glaeseker eingegangen.

Während es bei Wulff laut Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt und kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, hatte die Behörde bei Glaeseker zuletzt davon gesprochen, das weitere Vorgehen zu prüfen.

Schmidt soll zu Wulffs Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident enge Kontakte zur Staatskanzlei in Hannover gehabt haben. Wulff hatte Glaeseker kurz vor Weihnachten ohne Angabe von Gründen entlassen. Sein Sprecher habe selbst um die Entlassung gebeten, hieß es damals.

jok/dapd/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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1.
de-be 20.01.2012
Zitat von sysopNiedersachsens Landtag berät die Causa Wulff - und die Nerven liegen blank. Finanzminister Möllring ließ die Debatte nach einem Zwischenruf*unterbrechen und*drohte mit Strafanzeige. Hart ins Gericht ging*er mit Wulffs ehemaligem Sprecher Glaeseker. Von diesem fühle er sich "beschissen". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810367,00.html
Jetzt bin ich aber gespannt, wie lange es noch dauert, bis er auch sagt, "der Wulff hat uns beschissen".
2. Glaeseker und der Berliner Filmproduzent
leser-fan 20.01.2012
Zitat von sysopNiedersachsens Landtag berät die Causa Wulff - und die Nerven liegen blank. Finanzminister Möllring ließ die Debatte nach einem Zwischenruf*unterbrechen und*drohte mit Strafanzeige. Hart ins Gericht ging*er mit Wulffs ehemaligem Sprecher Glaeseker. Von diesem fühle er sich "beschissen". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810367,00.html
Glaeseker liebte genauso den Glamour. Der Berliner Filmproduzent, ein engster Freund von ihm - Einladungen in Nobelrestaurants, so öffneten sich dann die Türen auch für diesen Filmproduzenten; der meint, sich mit einen Eichinger, Nico Hofmann, Oliver Berben oder unseren berühmten Damen Doris Dörrie oder Regina Ziegler auf eine Stufe pressemäßig stellen zu können. Mit "mein Freund Wulff" und dessen siamesischen Zwilling im Rücken bekam auch er seine Partys voll. Wundert das wirklich noch jemanden die Verflechtung von Politik mit der Wirtschaft? Unsere Mutti bleibt immer sauber und die, die es wirklich auch geblieben sind, finden leider keine Erwähnung in der Presse - ein Schäuble, ein de Maziere, ein Rösler, eine van der Leyen - da würde sich keiner wagen, die in seine Ferienwohnungen oder in Hotels einzuladen. Es geht also. Diese Politiker sind es dem Volke schuldig, gegen die Verkommenheit ihrer Kollegen bundesgesetzmäßig was zu tun.
3. .
friedrich_eckard 20.01.2012
Das könnte nun allerdings sehr interessant werden. Wenn man sich über den Abgeordneten Adler näher informiert stellt man fest: der Mann ist Anwalt und zwar Strafverteidiger, und man kann deshalb davon ausgehen, dass er das Blatt, das er auf der Hand hat, sehr genau einschätzen kann. Wenn so jemand ganz offensichtlich eine Strafanzeige zu provozieren sucht, wird er wissen was er tut. Aber leider wird Herr Möllring natürlich kneifen.
4. Das Unterhaltungsformat Wulff …
wika 20.01.2012
… kalr doch, wir nehmen noch ein wenig Fahrt auf, dass Unterhaltungsformat Wulff lässt uns nicht ruhen, jetzt noch weiter in die Niederungen, bis es die Basis erreicht und Deutschland rennt sich einen Wulff – Winternachtsalbtraum (http://qpress.de/2012/01/04/deutschland-rennt-sich-einen-wulff-winternachtsalbtraum/) … aber wen verwundert es bei soviel schmutziger Unterwäsche. Da sollte man sich wünschen, dass auch der Rest der Politiker dann in absehbarer Zeit mal der „peinlichen Nabelschau“ unterzogen werden, allein schon damit es nicht an der Vielfalt leidet, der politische Sumpf sollte doch genügend hergeben … (°!°)
5.
aprilapril 20.01.2012
Zitat von sysopNiedersachsens Landtag berät die Causa Wulff - und die Nerven liegen blank. Finanzminister Möllring ließ die Debatte nach einem Zwischenruf*unterbrechen und*drohte mit Strafanzeige. Hart ins Gericht ging*er mit Wulffs ehemaligem Sprecher Glaeseker. Von diesem fühle er sich "beschissen". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810367,00.html
Oioioioi, da reagiert aber jemand dünnhäutig. Da wünschte man sich einen Joschka zurück mit dem Zitat: Verzeihen Sie Herr Präsident, Sie sind ein A.........!
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