Niedrige Rente Vielen Ostdeutschen droht Altersarmut

Die Altersarmut in Ostdeutschland wird massiv zunehmen. Diesen Schluss ziehen zwei ostdeutsche SPD-Minister in einer Analyse. Der DGB sieht diese Entwicklung für ganz Deutschland voraus und warnt vor einem Heer verarmter Rentner.


München - Heute schauen viele westdeutsche Rentner neidisch nach Ostdeutschland. Vor allem Frauen haben dort eine vergleichsweise hohe Rente - weil es eine andere Tradition der Berufstätigkeit gab. Doch die Zahl der "verhältnismäßig reichen" Rentner im Osten werde sich allmählich verringern und zu einem beträchtlichen Teil durch eine Generation vergleichsweise "armer" Rentner ersetzt werden, heißt es laut "Süddeutscher Zeitung" ("SZ") in einer Analyse des Finanzministers von Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn, und des Sozialministers von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (beide SPD). Die derzeitige Situation der Älteren in den neuen Ländern beschreibt das Papier demnach als solide. Die Analyse soll laut "SZ" am heutigen Montag im Forum Ost der SPD diskutiert werden.

Zwei Rentnerinnen in Magdeburg: Noch ist die Situation der älteren Menschen in Ostdeutschland solide - künftig nicht mehr, warnt der DGB
DPA

Zwei Rentnerinnen in Magdeburg: Noch ist die Situation der älteren Menschen in Ostdeutschland solide - künftig nicht mehr, warnt der DGB

In absehbarer Zukunft würden viele Rentner in den neuen Ländern nur noch eine niedrige Altersversorgung erhalten oder auf die sogenannte Grundsicherung im Alter angewiesen sein, heißt es laut "SZ" in der Analyse warnend. Dies liege daran, dass viele Ostdeutsche wegen langer Arbeitslosigkeit oder zu niedriger Einkommen keine ausreichenden Versorgungsansprüche aufgebaut hätten. Ein Blick ins Jahr 2025 gibt laut Bullerjahn und Sellering Anlass zu Sorge, da sich die in den neuen Ländern typische Kombination von überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit und unterschiedlichem Lohnniveau zunehmend auf die Alterseinkünfte niederschlage. Auch würden die Folgen der minimalen Rentenabsicherung für Bezieher von Arbeitslosengeld und Mini-Jobber deutlicher sichtbar.

Viele heute Erwerbstätige könnten wegen ihres geringen Einkommens gar keine Anwartschaften auf eine Rente aufbauen, die noch oberhalb der Grundsicherung für Rentner lägen, warnten die SPD-Politiker weiter. Dies sei erst mit einem Einkommen oberhalb eines Stundenlohns von 7,50 Euro möglich; bei fast jedem fünften im Osten liege der Verdienst jedoch darunter. Erschwerend kommt demnach hinzu, dass viele Ostdeutsche aufgrund ihrer Erwerbslage keine zusätzliche Altersvorsorge aufbauen könnten. So werde die Durchschnittsrente sinken. Während von 1942 bis 1946 geborene Männer noch im Schnitt 967 Euro erhielten, würde die Durchschnittsrente der in den Jahren 1957 bis 1961 geborenen bei 820 Euro liegen. Für Frauen nennt die Analyse einen Rückgang von 820 auf 690 Euro.

DGB warnt vor Millionen Armen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund befürchtet bundesweit eine dramatisch zunehmende Altersarmut in Deutschland. DGB-Chef Michael Sommer sagte der "Bild"-Zeitung, derzeit lebe "die letzte Rentner-Generation, in der die allermeisten noch ein auskömmliches Einkommen haben". Das werde schon in wenigen Jahren anders sein.

"Wir werden spätestens in 15 Jahren Millionen Rentner haben, die - wenn nichts passiert - von Sozialhilfe leben müssen", sagte Sommer. Das Thema Altersarmut werde völlig unterschätzt. "Ein Beispiel: Für ein Jahr Hartz IV bekommt man später 2,19 Euro monatliche Rente", sagte er. Die jetzt beschlossene außerplanmäßig starke Rentenerhöhung lindere den Kaufkraftverlust der Rentner nur ein bisschen.

Der DGB-Chef forderte eine Debatte über den künftigen Kurs des Rentensystems. "Wir müssen angesichts der Überalterung unserer Gesellschaft die Frage stellen, wie das System künftig bezahlbar bleiben soll und gleichzeitig eine anständige Sicherung im Alter garantiert. Ich denke, mehr Steuerzuschüsse in das Rentensystem wären sinnvoll", sagte Sommer.

ler/AFP/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.