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Nobelpreis: Opposition macht Schröders Nominierung madig

Die angebliche Nominierung von Kanzler Schröder für den Friedensnobelpreis wird von der Opposition als Wahlkampfmanöver gewertet. Doch die Kandidatenvorschläge wurden in Oslo vor Februar eingereicht - als von einer vorgezogenen Bundestagswahl noch keine Rede war.

Schröder: Perspektive auf den Nobelpreis
DDP

Schröder: Perspektive auf den Nobelpreis

Oslo/Berlin - Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aus "gut unterrichteten Kreisen in Oslo" wurde Gerhard Schröder (SPD) wegen seiner strikten Ablehnung des Irak-Kriegs als Anwärter auf den diesjährigen Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Er wurde beim norwegischen Nobel-Institut den Angaben zufolge neben 165 weiteren Menschen sowie 33 Organisationen für den angesehensten Preis der Welt vorgeschlagen. Die Entscheidung über den Gewinn des Preises wird am 14. Oktober bekannt gegeben.

Die Opposition in Berlin nannte die Kanzler-Nominierung ein Wahlkampf-Manöver. Sie wurde allerdings bereits vor dem 1. Februar in Oslo eingereicht, als von der vorgezogenen Bundestagswahl im September noch keine Rede war. Nach den Regeln des Osloer Nobel-Komitees müssen bis Februar alle Bewerber-Vorschläge für das laufende Jahr vorliegen.

Zuvor hatte der Schriftsteller und Träger des Literaturnobelpreises (1999), Günter Grass, gesagt, er sehe in Schröder wegen dessen Verweigerung einer deutschen Teilnahme am Irak-Krieg einen Kandidaten für den Friedensnobelpreis. Grass, der seit Jahren auch Wahlkämpfer für die SPD ist, kann auch als Träger des Literaturnobelpreises selbst keinen Kandidaten für den Friedensnobelpreis vorschlagen. Dies können neben Mitgliedern von Parlamenten, Regierungen sowie Gerichtshöfen in aller Welt nur bisherige Friedensnobelpreisträger sowie wissenschaftliche Einrichtungen.

Der Direktor des norwegischen Nobel-Institutes, Geir Lundestad, wollte die Nominierung Schröders gegenüber SPIEGEL ONLINE weder bestätigen noch dementieren. Er berichtete aber, deutsche Politiker gehörten recht häufig zum Kandidatenkreis, weil die Bundestagsabgeordneten in Sachen Friedensnobelpreis zu den "vorschlagfreudigsten Parlamentariern der Welt" gehörten. Sie würden aber keineswegs nur deutsche Kandidaten nominieren. Letzter Preisträger aus Deutschland war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD).

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering begrüßte naturgemäß die Nominierung von Schröder. Damit werde letztlich dessen Irak-Politik gewürdigt, sagte Müntefering auf einer Wahlkampfveranstaltung in Schwerin. "Ob das zustande kommt, weiß man nicht, aber ich finde das ein gutes Zeichen." Auch der Vorsitzende der Linkspartei, Lothar Bisky, äußerte sich positiv. "Ja, er hat den Preis verdient", sagte er gegenüber der "Märkischen Allgemeinen Zeitung". "Schröder hat etwas Großes gemacht. Er hat Deutschland vom Irak-Krieg fern gehalten. Das sollte man würdigen."

FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt sprach von "reinem Wahlkampf". Es sei von vornherein klar gewesen, dass die SPD versuchen werde, "die Irak-Karte noch einmal zu spielen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Für die PDS-Abgeordnete Petra Pau wird der Friedensnobelpreis durch den Schröder-Vorschlag "entweiht". Zu keiner Zeit seien so viele Auslandseinsätze der Bundeswehr beschlossen worden wie unter der Regentschaft des jetzigen Kanzlers.

Schröder selbst hat ein rasches Ende der Debatte über seine angebliche Nominierung gefordert. Er wisse nicht, wer ihn vorgeschlagen habe, sagte der SPD-Politiker am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Kassel. "Meine bescheidenen Beiträge zur Lösung von internationalen Konflikten werden dem Preis nicht gerecht." Er wünsche sich, dass diese Debatte so schnell wie möglich beendet werde.

Zu den weiteren Friedensnobelpreis-Kandidaten dieses Jahres gehören unter anderen der frühere US-Außenminister Colin Powell, der ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko, die irischen Rockmusiker Bono und Bob Geldof und der chinesische Menschenrechtler Wei Jingsheng. Im vergangenen Jahr wurde die mit zehn Millionen Kronen (rund 1,1 Millionen Euro) dotierte Auszeichnung an die kenianische Umweltschützerin und Menschenrechtlerin Wangari Maathai vergeben.

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