Nockherberg-Derblecken Stoiber-Double wird Fastenprediger

Nachfolger für Django Asül: Der neue Fastenprediger beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg ist das bisherige Stoiber-Double aus dem Singspiel. Es ist die Rückkehr zur Tradition.

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München - Was Edmund Stoiber nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident in diesem Herbst beruflich macht, ist bisher nicht durchgesickert. Irgendwas in der Wirtschaft, sagen die einen. Andere wollen ihn im Landtag halten - bis 2013. Mindestens.

Der doppelte Stoiber auf dem Nockherberg: "Weint nicht um mich, Landeskinder"
DDP

Der doppelte Stoiber auf dem Nockherberg: "Weint nicht um mich, Landeskinder"

Wie schön, dass wenigstens bei seinem Double Michael Lerchenberg jetzt die Zukunftsplanung steht: Er wird der neue Fastenprediger, der die Politiker auf dem Münchner Nockherberg derbleckt, also verspottet. Seit 1989 schon trat er im Singspiel an gleichem Ort auf, verkörperte dort kongenial die Person Stoibers. Doch mit dessen nahendem Abschied war auch für Lerchenberg klar: Die Rolle seines Lebens hat der 54-Jährige ausgespielt.

Alljährlich im März schenkt die Paulaner-Brauerei ihr Salvator-Starkbier auf dem Nockherberg aus und lässt die Politiker unter reger Anteilnahme derselben doubeln und derblecken. Beim Auftritt in diesem Jahr zelebrierte Lerchenberg seinen Abschied mit der Melodie von "Don't cry for me, Argentina": "Weint nicht um mich, Landeskinder, ihr werdet es schwer bereuen, es ist zu spät, spart euch die Tränen, ich werde weg sein - ihr kriegt den Beckstein."

"Einzige Oppositionsveranstaltung in Bayern"

Heute das Comeback: Paulaner-Boss Andreas Steinfatt stellte Michael Lerchenberg in München als neuen Fastenprediger "Bruder Barnabas" vor, die Predigt soll vom Münchner Kabarettisten Christian Springer geschrieben werden. "Eigentlich dachte ich, dass ich den Nockherberg im nächsten Jahr als Zuschauer erlebe", sagte Lerchenberg heute - recht vergnügt.

Weil der Nockherberg "die einzig ernst zu nehmende Oppositionveranstaltung in Bayern" sei, habe er nun das "sehr wichtige Amt des Oppositionssprechers" inne, so Lerchenberg. Springer und Lerchenberg wollen die Figur des "Bruder Barnabas" neu beleben: Es solle eine so noch nie da gewesene "konsequente Fastenpredigt" herauskommen, "satirisch, scharf und idealerweise läuternd". Er habe "da nicht nur ein schwarzes G'wandl an", sagte Lerchenberg. Vielmehr solle die Figur "viel theatraler" werden, denn er sei nun mal Theatermann.

All die Ankündigungen bedeuten eine deutliche Abkehr vom Fastenprediger, wie ihn der niederbayerische Kabarettist Django Asül in diesem Jahr verkörpert hat. Asül schlüpfte nicht in die Mönchskutte, trat nicht als "Bruder Barnabas" auf - sondern als er selbst. Er legte eine furiose Rede hin, verspottete CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer als "Ochsenluder" der Partei, verglich CSU-Generalsekretär Markus Söder mit Malaria und lästerte über die Liebesaffäre von Agrarminister Horst Seehofer.

Traumquote für Django Asül

Dem die Veranstaltung übertragenden Bayerischen Fernsehen bescherte er damit eine Traumquote. Selten hat das Publikum auf dem Nockherberg so gejohlt - doch bei der Paulaner-Brauerei scheint man nicht wirklich vergnügt gewesen zu sein. Denn Anfang August erfuhr Django Asül: Einen nächsten Auftritt als Fastenprediger wird es nicht geben. Begründung: Man wolle zurück zur traditionellen Figur des "Bruder Barnabas" in Mönchskutte.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte Asül, er hätte "gern weitergemacht", habe aber "Verständnis, dass Paulaner die Entscheidungshoheit hat". Nun sei "die Sehnsucht nach dem traditionellen Mönch eben so groß, dass man einen neuen alten Weg beschreiten will".

Edmund Stoiber selbst zeigte sich erfreut, "dass mein großartiger Darsteller über viele Jahre" künftig die Fastenpredigt halte: "Aber damit es keine Missverständnisse gibt: Die Bußpredigt hält natürlich Michael Lerchenberg, nicht Edmund Stoiber", so der Noch-Ministerpräsident.

Bleibt noch die Frage, wer im künftigen Nockherberg-Singspiel die Rolle Stoibers verkörpern könnte - sollte dies erforderlich sein. Ob er denn nicht vielleicht parallel noch als Stoiber-Gespenst auftreten wolle, das den neuen Ministerpräsidenten Günther Beckstein erschrecke, fragte ein Reporter den neuen "Bruder Barnabas".

Michael Lerchenberg grinste: "Der Beckstein ist sowieso schon erschreckt genug über das, was da auf ihn zukommt." Aber nein, im Ernst: Er wolle Stoiber nicht mehr doubeln. "Ich werde die blonde Perücke nie wieder aufsetzen", sagte Lerchenberg. Auch nicht "für alles Geld der Welt".

Stoiber hingegen - so war jüngst einem Interview im "Stern" zu entnehmen - hätte gern noch das ein oder andere Jährchen weiter gemacht. Sicherlich auch kostenlos.



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