Starkbieranstich auf dem Nockherberg: Mit Horst im Forst

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Bayerns Ministerpräsident Seehofer mit Münchens OB Ude: "Waldesruh" Zur Großansicht
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Bayerns Ministerpräsident Seehofer mit Münchens OB Ude: "Waldesruh"

Politiker-Derblecken im Wahljahr: Bei der Salvator-Probe in München ist diesmal nicht nur das Bier besonders würzig und von rötlicher Färbung. Ein grandioses Singspiel von Markus H. Rosenmüller zeigt den Politiker als den Menschen, der er gerne sein möchte.

Zurück zur Natur - was die CSU mit Atomausstieg und sanftem Donauausbau vormacht, bringt der bayerische Kultregisseur Markus H. Rosenmüller beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg auf die Bretter.

"Waldesruh" hieß das Singspiel, bei dem Schauspieler und Kabarettisten traditionell die Granden der Landes- und Bundespolitik mimen. Von Ruhe aber keine Spur. Im tiefen Forst wollen Ministerpräsident Horst Seehofer und Kronprinz Markus Söder ihre Männerfreundschaft pflegen, zelten, jagen und fischen, stark sein wie Putin. "Mann im Wald, Frau am Herd, jeder wo er hingehört" schmettert der Nachfolger, ganz alte CSU. Mit Kasatschok und Schuhplattler.

Weit kommt er nicht mit dem überholten Gehabe, der Wald birgt vielmehr Überraschungen, Die Dirndl-Ilse etwa, der "jedes Rehkitz", das aus dem Wald rausschaut, zuruft: "Ilse, komm nach Hause", heim nach Bayern. Im dunklen Tann wird die sanfte Verbraucherschutzministerin zur Furie, knutscht den Söder, will den Seehofer killen und in der Lasagne verschwinden lassen. Aufdruck: "So schmeckt Bayern!" Flankiert von der bunten Wandertruppe, dem roten Christian Ude, der grünen Margarete Bause und dem orangen (weil Freien Wähler) Hubert Aiwanger treffen sich die, die sozusagen im Dienst schon so lange die Bänke des bayerischen Landtags drücken, am Lagerfeuer. Kalt ist die Nacht und gruslig. Da rückt man zusammen. Man kann sich ja gut leiden, irgendwie.

Man ist fast eins geworden in all den Jahren, wie die Lausbuben einer Schulklasse. Und dann erhebt sich die bayerische Politik gegen den Eindringling, gegen den, den sie hier an ihrem Lagerplatz gar nicht brauchen können: die FDP. Philipp Rösler hat nur einen Sekunden-Auftritt, dann wird er von Ordnern aus dem Saal geschleppt.

Am Ende, als ein rauschiges Zauberbier aus dem Baum wächst und die Nacht vollends ins Irreale stürzt, wollen alle nur eines: ein normales Leben, ehrlich sein, wieder Boden unter den Füßen. Es ist ein bisschen merkwürdig, dass man diese Sehnsucht plötzlich für ziemlich authentisch hält. Zugeben würde es wahrlich keiner im wirklichen Leben.

Bei allem Tiefgang diesmal - im Saal gab es viel zu lachen. Die ersten kühlen Massen des Fastentrunks flossen, die Musik war schmissig, die Charaktere hervorragend. Nur die Zeit war knapp: unmittelbar nach dem Schlussakkord erfolgte draußen im Foyer der Anpfiff des Pokal-Schlagers Bayern-Dortmund. Der Beifall für die Darsteller, Musiker und Macher des Spektakels geriet viel zu lau, die Massen strömten vor die Bildschirme. Waldesruh ist anderswo, Event jagt Event, genau wie im Wahlkampf.

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