Innenminister unter Druck Blüm nennt Seehofer "tragische Gestalt"

Horst Seehofer steht im Fall Maaßen erheblich in der Kritik - nun meldet sich sein ehemaliger Weggefährte Norbert Blüm zu Wort. Im SPIEGEL drückte er sein Mitleid mit dem Innenminister aus.

Norbert Blüm, Horst Seehofer (Archivbild aus 1996)
DPA

Norbert Blüm, Horst Seehofer (Archivbild aus 1996)


Der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) äußert sich besorgt über die politische Zukunft von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). "Er ist inzwischen eine tragische Gestalt", sagt Blüm in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. "Ich habe heute geradezu Mitleid mit ihm."

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 38/2018
Wie Horst Seehofer persönliche Krisen zu Regierungskrisen macht

Blüm gilt als einer der frühen Förderer Seehofers, 1989 holte er diesen als Staatssekretär ins Bundesarbeitsministerium. "Das Spitzbübische ist nicht mehr da", sagt Blüm. "Ich kann ihn nicht mehr erkennen." Seehofers Lust am Spiel habe ja auch etwas Erfrischendes gehabt. "Es war nicht fanatisch. Aber das Spielerische in der Politik darf nicht so weit gehen, dass die Flüchtlinge zu Opfern dieses Spiels werden, dass die Schwächsten vergessen werden."

Innenminister Seehofer steht wegen seines Verhaltens in dem Streit um Verfassungsschutzchef Georg Maaßen in der Kritik. Der Fall belastet inzwischen auch die Große Koalition erheblich, sogar von einem möglichen Bruch ist die Rede.

Blüm und Seehofer hatten bislang ein sehr enges und vertrauensvolles Verhältnis. Seehofer war von 1989 bis 1992 Staatssekretär in dem von Blüm geführten Arbeitsministerium. Danach saß er bis zum Ende der Regierung Kohl als Gesundheitsminister mit seinem früheren Chef im Kabinett.

Das Duo stand 2003 Seite an Seite im Widerstand gegen den Versuch der damaligen Oppositionsführerin Angela Merkel, die Union auf einen radikalliberalen Kurs in der Sozialpolitik zu verpflichten. Auch in den vergangenen Jahren hielten die beiden regelmäßig Kontakt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

ran

insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
krokodilklemme 15.09.2018
1. recht hat er
seehofer gibt eine sehr traurige gestalt ab, startet mit seinen vorhaben immer als adler und landet als bettvorleger. ich vermisse die geistige spritzigkeit, die ihn früher ausgemacht hat. seine stunde hat aber schon geschlagen: nach der landtagswahll werden söder, dobrindt und seine anderen "freunde" ihm alles in die schuhe schieben. und auch mutti wird gnadenlos abrechnen.
brux 15.09.2018
2. Drollig
Blüm ist nun wahrlich selbst eine tragische Gestalt. Sein Satz von der sicheren Rente ist ein Klassiker in der Kategorie "hohle Versprechen". Blüm war eigentlich sein ganzes Leben in der falschen Partei ohne es zu wissen. So etwas nennt man tragisch.
farfromhere 15.09.2018
3. Schon interessant ...
...wie der rot gefärbte Spiegel eine regelrechte Kampagne gegen Seehofer lostritt. Man muss ihn nicht mögen aber die Art, wie er in jedem zweiten Artikel auftaucht und gegen ihn diskutiert wird, ist mehr als durchsichtig....
muellerthomas 15.09.2018
4.
Zitat von bruxBlüm ist nun wahrlich selbst eine tragische Gestalt. Sein Satz von der sicheren Rente ist ein Klassiker in der Kategorie "hohle Versprechen". Blüm war eigentlich sein ganzes Leben in der falschen Partei ohne es zu wissen. So etwas nennt man tragisch.
Wieso? War doch völlig korrekt - nur hat sich die Finanzlobby halt durchgesetzt.
BettyB. 15.09.2018
5. Tragisch
Im Bestreben, Kanzlerkandidat zu werden, um mit Strauß und Stoiber wenigstens gleichzuziehen, hat Seehofer anscheinend die Selbstkontroĺle völlig verloren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.