Lammert-Abschied "Hier schlägt das Herz der Demokratie"

Norbert Lammert hat seine letzte Rede als Parlamentspräsident im Bundestag gehalten. Er warnte vor Fanatikern und Fundamentalisten - und hatte eine eindringliche Bitte an alle Wahlberechtigten.

BILAN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Mit persönlichen Worten hat sich Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) im Bundestag verabschiedet. "Ich empfinde es als Privileg meiner Biografie, neben dem Glück, in einem freien Land geboren zu sein, meinem Land in dieser prominenten Rolle dienen zu können", sagte er. Nach zwölf Jahren im Amt will er bei der kommenden Bundestagswahl nicht noch einmal antreten. Sein Fazit: "Eine schönere, anspruchsvollere Rolle hätte es für mich nicht geben können."

Zwei Bitten äußerte er vor seinem Abtritt noch. Die erste richtete er an die künftigen Abgeordneten: "Bewahren Sie sich bitte die nach den Abstürzen unserer Geschichte mühsam errungene Fähigkeit, über den Wettbewerb der Parteien hinweg den Konsens der Demokraten gegen Fundamentalisten und Fanatiker für noch wichtiger zu halten." Demokratie bedeute nicht nur, eine Mehrheit zu schaffen, sondern vielmehr auf dem Weg zu dieser Mehrheit die Rechte der Minderheiten wahrzunehmen.

Zugleich warnte er, mit den Vorgaben der Verfassung allzu lax umgehen zu wollen. Sie werde immer regelmäßiger verändert, als es dem Respekt davor gebiete. Anlass zu Minderwertigkeitskomplexen bestünde aber nicht. "Hier im Bundestag schlägt das Herz der Demokratie."

Seinen zweiten Appell adressierte Lammert an die Deutschen. Sie sollten ihr demokratisches Recht, wählen zu dürfen, "so ernst nehmen, wie es ist". Das sei heute für uns selbstverständlich, es sei aber nicht der Normalzustand; weder in der deutschen Geschichte noch in vielen anderen Ländern der Welt. "Die Demokratie steht und fällt mit dem Engagement der Bürger", sagte Lammert. "Das ist die wichtigste Lektion, die ich in meinem politischen Leben gelernt habe."

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Abschied aus dem Bundestag: Sie kommen nicht wieder

Der "Mitteldeutschen Zeitung" hatte Lammert zuvor gesagt, er bereue seine Entscheidung zum Rückzug nicht: "Ich habe mir das lange sorgfältig überlegt und mich zu keinem Zeitpunkt verunsichert gefühlt, dass es die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt war." Er wolle sich "ordentlich" verabschieden, sagte er. "Und dann ist es gut."

vks

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