Gefeuerter Umweltminister Röttgen will sich gegen Demontage wehren

Kommt jetzt Norbert Röttgens Gegenoffensive? Laut einem Zeitungsbericht will sich der von Angela Merkel gefeuerte Umweltminister bald zu dem Rauswurf äußern. Zudem beharrt Röttgen offenbar auf seinen Posten als CDU-Vizevorsitzender.

Gestürzter Umweltminister Röttgen: Umstände der Entlassung öffentlich korrigieren
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Gestürzter Umweltminister Röttgen: Umstände der Entlassung öffentlich korrigieren


Berlin - NRW-Wahl verloren, Landesvorsitz weg, dann die Entlassung als Umweltminister: Norbert Röttgen ist in Rekordzeit tief gestürzt. Doch der CDU-Mann will seine Demontage durch Bundeskanzlerin Angela Merkel offenbar nicht widerstandslos hinnehmen.

Nach Angaben der "Bild am Sonntag" will Röttgen sein Amt als CDU-Vizevorsitzender behalten. Damit bliebe er zumindest bis zum Wahlparteitag im Dezember erster Stellvertreter von CDU-Chefin Merkel. 2013 wolle Röttgen zudem wieder für den Bundestag kandidieren, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf das Umfeld des Politikers.

Röttgen wolle zudem schon bald die bisherige Darstellung der Umstände seiner Entlassung öffentlich korrigieren, schreibt die Zeitung. Merkel habe ihm vor der NRW-Wahl versichert, selbst im Falle einer Niederlage sei er als Umweltminister für das Großprojekt Energiewende unverzichtbar.

Doch dann war die NRW-CDU bei der Wahl regelrecht abgestürzt, erreichte am Ende nur 26,3 Prozent. Röttgen galt dafür als Hauptschuldiger, er hatte sich geweigert im Falle einer Wahlniederlage, die Opposition in NRW anzuführen. Die Kanzlerin bangte um die Energiewende, eines ihrer wichtigsten Projekte. Merkel hatte bei der Entlassung des Umweltministers angedeutet, Röttgen sei politisch geschwächt.

Von der Leyen verteidigt Röttgen-Rauswurf

In der Regierung wird seitdem über Röttgens Rauswurf gestritten. Die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen verteidigte Merkels Kurs. "Für eine Kanzlerin darf es am Ende nur darauf ankommen, was das Beste für das Land ist", sagte von der Leyen dem SPIEGEL. "Wenn die Bundeskanzlerin kein Vertrauen mehr hat, dass ihr zuständiger Minister ein vitales Projekt wie die Energiewende noch managen kann, dann muss sie so handeln."

Allerdings tue ihr die Entscheidung "menschlich und persönlich leid", so die CDU-Politikerin. "Das wird Angela Merkel auch nicht anders gehen."

Von der Leyen, die wie Röttgen stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende ist, will den Bundestagswahlkampf 2013 voll auf die Kanzlerin zuschneiden. "In anderthalb Jahren wird es nur um eines gehen: Trauen die Menschen Angela Merkel und ihrer Regierung zu, sie weiter gut durch die Euro-Krise zu führen?" Trotz des Wiedererstarkens der FDP empfiehlt von der Leyen der CDU, ohne Koalitionsaussage in die Bundestagswahl zu ziehen.

Schäuble bezeichnet Entlassung als nachvollziehbar

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die Entlassung von Röttgen als nachvollziehbar. Für die Energiewende müsse der zuständige Ressortchef seine ganze Autorität in die Waagschale werfen können, sagte Schäuble der "Bild am Sonntag": "Nach so einer Wahlniederlage und der Aufgabe des Vorsitzes des größten Landesverbands der CDU ist das sicherlich erst einmal sehr viel schwieriger, wenn nicht unmöglich."

Mit Blick auf CDU-interne Kritik an Merkels hartem Vorgehen sagte Schäuble: "Es ging nicht nur darum, was für einen talentierten Kollegen menschlich das Beste ist, sondern es ging um die großen Aufgaben, die diese Regierung noch vor sich liegen hat."

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hält die öffentliche Schelte für den entlassenen Bundesumweltminister Norbert Röttgen für gerechtfertigt. "Wenn wir nächstes Jahr Erfolg haben wollen, dürfen sich so Sachen wie NRW nicht wiederholen", sagte der bayerische Ministerpräsident dem "Focus". Die Kanzlerin habe "ganz souverän und eigenständig entschieden", ihren Umweltminister zu entlassen.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hält angesichts des Zustands der schwarz-gelben Koalition eine Neuwahl im Bund für sinnvoll. "Es wäre für Deutschland gut, wenn diese Selbstblockade der Bundesregierung endlich durch Neuwahlen beendet würde", sagte Gabriel der "Welt am Sonntag". Allerdings werde es dazu wohl nicht kommen. Bei wichtigen Themen wie Bildung, demografischem Wandel, Atomausstieg, Finanzmarktregulierung oder Pflege stünden eineinhalb verlorene Jahre bevor.

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ssu/dpa/dapd



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insgesamt 133 Beiträge
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Seite 1
volkmargrombein 20.05.2012
1. Röttgen will sich gegen Demontage wehren
Nun ja, wenn es spezielle Hintergründe gibt, wovon man ausgehen muss, dann müssen diese bekannt gegeben werden. Auch wenn man unter dem Gesichtspunkt der Leistungsfähigkeit urteilt, ist der Rauswurf nachvollziehbar. Aber nicht so!!! Nur wird dann Merkel erklären müssen, wieso ein Rösler oder eine Frau Schröder immer noch dem Kabinett angehören. Um nur zwei Beispiele zu nennen. Also ehrenhaft ist das Ganze nicht und christlich schon gar nicht. Leider sind die Urteile einiger Granden ziemlich durchsichtig sind, leben sie doch von Merkels Gnaden!
guteronkel 20.05.2012
2. Rötttgen wehrt sich
ach so. Warum erst jetzt? Warum nicht schon als Angie hirnlos die Energiewende über seinen Kopf hinweg ausrief, als ihr plötzlich einfiel, dass die Sicherheit auch ein Wahlkampfthema sen könnte, nach über 40 Jahren Atomkraft? Was sagt unser greiser Bundespräsident eigentlich dazu? Warum stimmte er der Entlassung so schnell zu? Fazit: Die ganze Regierung gehört rausgeworfen. Angefangen bei Brüderle, Rösler, Lindner, über Seehofer, Friedrich, Söder, Aigner, Schröder bis zu Merkel, Kauder, usw. . Einfach alle. Und die Hälfte davon gehört eingesperrt.
wibo2 20.05.2012
3. Röttgen ist arroganter Doktorpolitiker, der sich selbst gerichtet hat!
- Warum war Röttgen nicht ehrlich? - Warum hat Röttgen nicht gesagt, dass er niemals in die NRW Landespolitik gehen will? - Warum hat er seine komplett fehlende emotionale Intelligenz im Wahlkampf nicht selbst erkannt? Auch er hat die Devise des Freiherrn v. Humboldt "Bildung durch Wissenschaft" missverstanden. Als Träger der Doktorwürde soll er das gemeine Volk belehren und nicht rücksichtslos verdummen. Eine zweite Chance darf es für Röttgen nicht geben! Wer Untreue gegenüber seiner Chefin übt, der wird auch dem gemeinen Volk nichts Gutes tun. Für Röttgen ist nun Schicht im Schacht, für immer!
widower+2 20.05.2012
4. Geht es noch?
Zitat von sysopAPKommt jetzt Norbert Röttgens Gegenoffensive? Laut einem Zeitungsbericht will sich der von Angela Merkel gefeuerte Umweltminister bald zu dem Rauswurf äußern. Zudem beharrt Röttgen offenbar auf seinen als CDU-Vizevorsitzender. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,834027,00.html
Es geht los mit "Zudem beharrt Röttgen offenbar auf seinen als CDU-Vizevorsitzender." Seinen was? Nach dem fünften Fehler dieser in einem einzigen Artikel habe ich aufgehört zu lesen (und zu zählen)!
Observer 20.05.2012
5.
Es ist sicherlich nicht im Interesse des Herrn Gabriel, dass es zu Neuwahlen kommt. Er glaubt doch wohl nicht im Ernst, dass er mit der Popularität (und dem Aussehen) eines Stefan Mappus Wahlen gewinnen kann???
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