Nordhausen - Die Behörden in Thüringen haben offenbar einen potentiellen Drahtzieher von Anschlägen in Deutschland ausfindig gemacht. Im Umfeld der Nordhäuser Moschee hat der tschetschenische Islamist zu Selbstmordanschlägen aufgerufen. Das geht aus vertraulichen Dokumenten des Landeskriminalamts hervor, die MDR Thüringen vorliegen. So soll Ali A. bei Freitagsgebeten erklärt haben, er erwarte von jungen Gläubigen, dass diese zu Anschlägen bereit seien.
Er soll auch versucht haben, junge Männer als potentielle Selbstmordattentäter zu rekrutieren. Außerdem hat A. angeblich Gelder für tschetschenische Terrorgruppen gesammelt. Nach MDR-Informationen stand er über das Internet in Kontakt mit tschetschenischen Exil-Gruppen in Berlin und Wien.
Auch die beiden Drahtzieher der Anschläge auf den Boston-Marathon Mitte April hatten tschetschenische Wurzeln.
Ali A. soll bei den Freitagsgebeten immer wieder die Attentate von tschetschenischen Terroristen gelobt haben. Er erwähnte dabei auch die Anschläge auf die Moskauer U-Bahn im Frühjahr 2010, bei denen 40 Menschen ums Leben gekommen waren. Zu den Attentaten hatte sich der tschetschenische Terroristen-Führer Doku Umarov bekannt, der auch als "russischer Osama Bin Laden" bezeichnet wird.
Nach Informationen des Senders soll Ali A. Kontakte zu Umarov pflegen. So soll er ihn mehrfach als seinen "Emir" (Fürst) bezeichnet haben. Von diesem hatte er möglicherweise den Auftrag bekommen, Gelder zu sammeln und unter den Exil-Tschetschenen Kämpfer zu rekrutieren.
Patronengurt in der Asylunterkunft
Der 52-jährige A. soll selbst jahrelang Waffen für den tschetschenischen Widerstand geschmuggelt haben. Nach einer Verhaftung konnte er sich über Polen und Österreich nach Deutschland absetzen. A. lebt seit 2010 in der Nordhäuser Asylbewerberunterkunft.
Im selben Jahr wurden im wenige Kilometer entfernten Asylbewerberheim in Ellrich in einem Zimmer Pistolenmunition und ein Patronengurt für ein Maschinengewehr gefunden. Woher die Munition stammte, konnte bisher nicht geklärt werden.
Auf die Spur von A. kam das LKA vor über einem Jahr durch Hinweise aus dem Umfeld von Besuchern der Moschee. So hatte sich der frühere Nordhäuser Imam Adland Itaev an die Behörden gewandt, nachdem er Ali A. Hausverbot in der Moschee erteilt hatte. Itaev sagte aus, dass er A. für einen potentiell gefährlich Islamisten halte, der "zielstrebig und förmlich verblendet" sei. Itaev selbst wurde im vergangenen Jahr von den Thüringer Behörden in die Ukraine abgeschoben.
jok
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