Deutsche Hilfe für Kurden Bundeswehr liefert 4000 Westen und 680 Nachtsichtgeräte

Bevor Berlin Waffen liefert, soll der Schutz der Peschmerga im Nordirak verbessert werden. Die Bundeswehr bereitet sich nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen vor, 4000 schusssichere Westen, 200 Funkgeräte und 680 Nachtsichtgeräte zu liefern.

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Kurdische Peschmerga-Einheiten: Schutz beim beim Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) verbessern
REUTERS

Kurdische Peschmerga-Einheiten: Schutz beim beim Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) verbessern


Berlin - Während um die Lieferung von tödlichen Waffen weiter gerungen wird, bereitet sich die Bundeswehr darauf vor, sogenanntes Non-lethal-Militärmaterial in großem Stil an die Peschmerga zu liefern. In der Truppe hieß es, die ersten Flugzeuge mit dem Ausrüstungsmaterial könnten möglicherweise noch diese Woche starten.

Mit dem Material soll vor allem der Schutz der kurdischen Peschmerga-Einheiten beim Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) verbessert werden. Die umfangreiche Liste aus dem Wehrressort, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, sieht die Lieferung von etwa 4000 Helmen und der gleichen Anzahl schusssicherer Westen, rund 200 Funkgeräten sowie 680 Infrarot-Nachtsichtgeräten vor.

Außerdem ist geplant, 20 Metallsuchgeräte und 30 Minen-Sonden nach Kurdistan zu schicken, zudem sollen die dortigen Peschmerga-Kämpfer 40 Gerätekisten mit Werkzeug bekommen.

Mit der Lieferung entspräche die Bundeswehr den meisten Wünschen, die die Kurden schon vor rund zwei Wochen über einen BND-Verbindungsmann an Deutschland geäußert hatten. Nicht alle Ausrüstung stammt aus Bundeswehrbeständen, die Westen beispielsweise stellt das Auswärtige Amt (AA).

Möglichst zügige Prüfung der kurdischen Wünsche

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte darauf gedrängt, die kurdischen Wünsche möglichst schnell zu prüfen, da sie von Beginn der Debatte eine Lieferung von nicht tödlicher Ausrüstung angekündigt hatte.

Bei der Frage der Waffenlieferungen hingegen ist bisher kein fester Zeitplan abzusehen. Hatte man die ganze letzte Woche lang erwartet, eine mögliche Liste mit Waffen - im Kern geht es um Gewehre und panzerbrechende Raketen - könnte schon diesen Mittwoch gebilligt werden, wollte Vizeregierungssprecher Georg Streiter am Montag davon nichts mehr wissen.

Streiter sagte, die Entscheidung über deutsche Waffenlieferungen an die Kurden werde bald fallen, wollte sich aber nicht festlegen, ob dies noch vor einer für den 1. September anberaumten Sondersitzung des Bundestags zu dem Thema passieren werde.

In Regierungskreisen hieß es, es handele sich nicht um eine Verzögerung. Demnach will die Regierung am Mittwoch über eine Liste mit Waffensystemen beraten. Ferner wolle man die Bundestagsdebatte abwarten und gleichzeitig die Lieferungen an die Kurden mit denen anderer Nationen koordinieren. Die ersten Waffen könnten dann Anfang September ausgeflogen werden.

Die Waffenlieferungen sind quer durch alle Fraktionen umstritten - auch weil manche befürchten, dass die Waffen in falsche Hände geraten könnten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte dazu: "Ich bestreite nicht das Risiko, dass Waffen auch in künftigen anderen Konflikten gebraucht werden." Die Regierung werde ihre Entscheidung so treffen, dass "keine Waffenlager angelegt werden".

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chagall1985 25.08.2014
1. Halte ich für sehr vernünftig
Funkgeräte können gut zur Absprache mit US-Kampfjets genutzt werden. Nachtsichtgeräte bringen einen enormen taktischen Vorteil. Schutzwesten erhöhen die Schlagkraft da man effektiver vorgehen kann. Und bislang ist nichts dabei was in Zukunft zu einem ernsten Problem werden kann.
waswuerdeflassbecksagen 25.08.2014
2. War da nicht was?
Das erinnert mich an Afghanistan, eine vollkommen unzureichende Ausrüstung, ich will nicht, was das für Schusswesten sein sollen, viele Soldaten kaufen sich lieber selber für einige Tausender Ausrüstung als auf die Ausrüstung der Bundeswehr zurückzugreifen, die vielleicht keinem deutschen Soldaten passen? Deutschland macht sich mal wieder vor aller Welt lächerlich und denkt, Wunder was es tut, wenn es nicht so traurig wäre, sollte man darüber lachen...
comsubpac 25.08.2014
3. Transport?
Wer wird diese Ausrüstung transportieren und haben wir so viele Westen und Nachtsichtgeräte auf Lager das wir diese einfach "verschenken" können? Wie sich zeigt ist die Ausrüstung unserer Truppen auch grenzwertig schlecht. So sehr die Kurden auch unsere Hilfe verdienen sollten wir unser eigenes Land nicht vergessen.
leonato 25.08.2014
4. Ich weiß nicht
was die Perschmerga mit Mienensuchgeräten anfangen sollen. Wollen sie feststellen ob jemand gute oder schlechte Miene zu diesem Trauerspiel macht. Auf jeden Fall geht das Massaker an unschuldigen Menschen ungebremst weiter, solange sie keine Waffen erhalten, um diese Mörder aufzuhalten. Die mit viel Geld ausgerüstete neue irakische Armee läuft ja offensichtlich davon, wenn es ernst wird. Die Sonntagsredner und Bedenkenträger machen sich mitschuldig an diesem Völkermord.
eule_neu 25.08.2014
5. Veraltete Gaben?
Man verliert den glauben an ehrliches Handeln. Man liefert 4.000 Schusswesten, die wohl über 40 Jahre alt und im Grunde nur dafür sorgen, dass sich Menschen darin sicher fühlen sollen, obwohl selbst Fachleute darüber den Kopf schütteln. So bekommt wenigstens die Bundeswehr neues modernes Material. Gleiches gilt für Nachtsichtgeräte, die Batteriegetrieben sind, man sollte des-wegen gleich eine entsprechende Anzahl von Stromspendern mitschicken. Auch hier kann sich die Bundeswehr endlich mit neuem Material eindecken. So gesehen machen die Lieferungen Sinn, aber eine Gerätehilfe sieht anders aus. Es gibt auch weiteres Material, dass keine Munition verschießen kann, aber hilfreich bei der Entdeckung des Gegners sind (Funkgeräte, Elektronik etc.). Für eine wirkliche Waffenhilfe hat die Bundeswehr nicht das richtige Material. hinzu kommt die frage, ob es auch richtig funktioniert. Weltmachtanspruch braucht eine ordentlich ausgerüstete Armee, Hilfe gegen eine brutale, mörderische Terrorbande ist nur mit Hilfe der Weltgemeinschaft mit vereinten Kräften möglich, so verbleibt auch das Waffenmaterial in den eigenen Händen ...
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