Ein Jahr Schwarz-Gelb Laschet punktet beim Thema Sicherheit - aber mit Kraft waren mehr zufrieden

Mehr Geld für Straßen, Polizei und Bildung: Mit diesen Versprechen war die Regierung von Ministerpräsident Laschet in NRW angetreten. Eine SPON-Umfrage zeigt, wo Schwarz-Gelb bisher überzeugte - und wo es hakt.

Hannelore Kraft (SPD) und Armin Laschet (CDU)
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Hannelore Kraft (SPD) und Armin Laschet (CDU)

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Es war ein Überraschungssieg: Die meisten Umfrageinstitute hatten vor der Wahl im Mai 2017 die SPD in Nordrhein-Westfalen vorn gesehen - auch wenn Hannelore Krafts Vorsprung auf ihren CDU-Herausforderer Armin Laschet marginal war. Am Ende ging der SPD ihre "Herzkammer" verloren. Die Wähler straften Kraft ab, votierten für einen Regierungswechsel - und damit für den neuen Ministerpräsidenten Laschet.

Im Wahlkampf konnten die späteren Koalitionspartner CDU und FDP besonders mit den Themen innere Sicherheit, bessere Schulbildung und einer Lösung der Verkehrsprobleme überzeugen. Doch hat sich in den Augen der Wähler nach gut einem Jahr auch wirklich etwas getan? Konnte die Regierung ihre Versprechen einlösen?

Diesen Fragen ist SPIEGEL ONLINE in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey in NRW nachgegangen. Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage.

1. Kraft polarisiert, bei Laschet viele ratlos

Das direkte Umfrageduell zwischen dem aktuellen Ministerpräsidenten Laschet und seiner Vorgängerin geht unentschieden aus. Mit SPD-Politikerin Kraft (11,3 Prozent) waren tendenziell mehr Menschen zufrieden als mit Laschet (8 Prozent). Umgekehrt zeigten sich aber auch mehr Menschen unzufrieden mit ihr (31,6 zu 24,7).

Kraft polarisierte, das zeigt die Auswertung. Die Menschen waren entweder für oder gegen sie. Nur zehn Prozent hatten keine feste Meinung. Bei CDU-Politiker Laschet sind es dagegen fast ein Fünftel der Befragten. Sie wissen schlicht nicht, was sie von Laschet halten sollen.

Ob es am Temperament der beiden Politiker liegt? Laschet, der gläubige Katholik aus Aachen, gilt eher als milder Politiker. Kraft dagegen trat gerne resolut und auch mal schnoddrig auf, war zudem auch in der Bundespolitik präsenter als Laschet. Es könnte ein Erklärungsansatz sein, warum die Meinungen über Kraft weiter auseinander gingen.

2. Schwarz-Gelb belohnt für "Law & Order"-Politik

Das Thema Sicherheit beschäftigte vor der Wahl viele Menschen in NRW, wie unsere Auswertung vor der Wahl zeigt ("Welches Anliegen soll die nächste Landesregierung am dringendsten umsetzen?"). Insbesondere Wohnungseinbrüche und Bandenkriminalität entwickelten sich zu einem Schwerpunkt des Wahlkampfs. Traditionell trauen in diesem Bereich die Menschen der CDU mehr zu als der SPD.

CDU und FDP einigten sich mit der Regierungsbildung auf eine "Null-Toleranz-Strategie" gegenüber Kriminellen. 2300 Polizeianwärter pro Jahr sollen eingestellt und die Videoüberwachung ausgebaut werden. Nur zwei Punkte eines größeren Sicherheitsversprechens von Schwarz-Gelb.

Ob die Sicherheit nun wirklich messbar größer geworden ist oder es sich mehr um ein Gefühl handelt - die Menschen in NRW haben offenbar den Eindruck, dass die Regierung in diesem Bereich viel getan hat. Hier konnte Schwarz-Gelb punkten.

Anders sieht es in den Bereichen Bildung, Infrastruktur und günstiger Wohnraum aus: Diese Themen waren neben der inneren Sicherheit aus Sicht der Wähler die größten Baustellen. Bei den Lehrern sehen nur fünf Prozent der Befragten eine Verbesserung. Dort hatte die Regierung Laschet unter anderem kleinere Klassengrößen angekündigt.

In den anderen Bereichen fällt eine spürbare Verbesserung noch marginaler aus. Auffällig: Etwa die Hälfe der Befragten hat gar keine Meinung dazu, was sich verändert haben könnte. Hier spielt sicher auch eine Rolle, dass es meist länger als ein Jahr dauert, bis Maßnahmen zu sichtbaren Ergebnissen führen.

3. CDU stabil, FDP verliert

Geschadet hat die einjährige Regierungszeit zumindest der CDU nicht. Wenn heute in NRW eine neue Regierung gewählt würde, könnte die Partei ihr Landtagswahlergebnis von 33 Prozent halten.

Der liberale Bündnispartner dagegen würde von 12,6 Prozent bei der Landtagswahl auf 10,9 Prozent abrutschen. Größter Verlierer wäre die SPD. Sie würde weit unter die 31,2 Prozent vom Mai 2017 fallen.



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