Märtyrer-Comic NRW beendet Kooperation mit Islamverband Ditib

Der vom türkischen Staat unterstützte Islamverband Ditib hat in Deutschland einen umstrittenen Märtyrer-Comic herausgegeben. Nun zieht das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen Konsequenzen.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD)
DPA

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD)


Ditib ist der größte islamische Verband in Deutschland. Mehr als 900 türkisch-islamische Moscheegemeinden sind darin organisiert. Mehrere Bundesländer hatten zuletzt die Kooperation mit der vom türkischen Staat finanzierten Ditib infrage gestellt, weil sie Einflussversuche des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan fürchteten.

Das nordrhein-westfälische Innenministerium macht nun Ernst. Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat die Kooperation mit dem Verband beendet. Das Innenministerium habe dies bereits im Juni beschlossen, bestätigte ein Sprecher Jägers am Montag.

Der Grund für das Aus laut "Rheinischer Post": die Affäre um einen Comic, in dem der Märtyrertod verherrlicht wird. Der Comic sei von der türkischen Religionsbehörde Diyanet herausgegeben worden. Das nordrhein-westfälische Innenministerium habe von Ditib eine Stellungnahme angefordert, diese habe aber laut Jäger keine "notwendige klare Neutralität beziehungsweise ausreichende Distanz" erkennen lassen.

Für das Land Nordrhein-Westfalen ist in dieser Frage heikel, dass Ditib bislang Träger des Kölner Standorts des NRW-Präventionsprogramms "Wegweiser" war, mit dem Jugendliche vor dem Abdriften in den gewaltbereiten Salafismus geschützt werden sollen.

In einer noch unveröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Peter Biesenbach, die der "Rheinischen Post" vorliegt, erklärt Jäger, die Auflösung des Vertrags von beiden Vertragsparteien sei einvernehmlich vereinbart worden.

Nun steht der Zeitung zufolge auch die Rolle von Ditib als Berater von NRW-Schulen auf der Kippe. Ditib ist über einen Beirat an der Erarbeitung von Vorlagen für den Islamunterricht beteiligt.

Schon seit Längerem steht Ditib in der Kritik. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte Bedenken über den Verband geäußert. "Es verstärken sich die Zweifel, dass die Ditib den Kriterien zur Einstufung als Religionsgemeinschaft entspricht", sagte Kraft der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Da die Imame des Islamverbands ihr Gehalt von einer türkischen Behörde bekommen, zweifeln deutsche Politiker die Unabhängigkeit der Organisation an. Ditib hatte Mitte August angekündigt, das Finanzierungsmodell zu überdenken.

kgp/dpa



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