Sauerland Messerattacke auf Bürgermeister von Altena

Der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, ist bei einem Messerangriff in einem Imbiss verletzt worden. Der Angreifer soll zuvor lautstark die liberale Flüchtlingspolitik des CDU-Politikers kritisiert haben.

Altenas Bürgermeister Hollstein (Dezember 2015)
DPA

Altenas Bürgermeister Hollstein (Dezember 2015)


Auf Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein ist ein Attentat verübt worden. Nach Informationen des SPIEGEL wurde der CDU-Politiker gegen 20 Uhr in einem Imbiss angegriffen: Ein 56-jähriger Mann führte ein etwa 30 Zentimeter langes Messer gegen den Hals des Politikers. Der alkoholisierte Angreifer soll sich dabei lautstark und abfällig über Hollsteins liberale Flüchtlingspolitik geäußert haben.

Der 54 Jahre alte Hollstein erlitt leichte Verletzungen, der Angreifer wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Hagen ermittelt wegen versuchten Mordes. Der Fall erinnert an die Attacke auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die im Oktober 2015 während eines Wahlkampfauftritts niedergestochen worden war.

Altena ist dafür bekannt, dass es mehr Geflüchtete aufnimmt, als es eigentlich müsste. Im Mai war die 18.000-Einwohner-Stadt im Sauerland von Kanzlerin Angela Merkel mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet worden. "Ich glaube, wir kriegen Deutschland in eine gute Zukunft geführt - und die ist bunt", hatte Hollstein damals verkündet.

Merkel äußerte sich nach dem Angriff bestürzt: "Ich bin entsetzt über den Messerangriff auf Bürgermeister Andreas Hollstein - und sehr erleichtert, dass er schon wieder bei seiner Familie sein kann", twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert im Namen der Kanzlerin. "Dank auch an die, die ihm geholfen haben."

Nach Informationen der "WAZ" wurde bei der Attacke auch ein Mitarbeiter des Imbisses verletzt. Er habe versucht, Hollstein zu helfen. Der Bürgermeister meldete sich dem Bericht zufolge aus dem Krankenhaus bei Bekannten und schrieb: "War knapp, aber der da oben hat geholfen." Der Nachrichtenseite "Lokalstimme" sagte Hollstein: "Ich habe zupackende Menschen an meiner Seite gehabt und bin froh, dass ich noch lebe!"

Ein RTL-Mitarbeiter twitterte, Hollstein habe ihm per E-Mail mitgeteilt, dass es ihm den Umständen entsprechend gut gehe. Er sei inzwischen wieder daheim bei seiner Familie.

Hollstein ist Mitautor des 2016 erschienenen Buches "Mein Kampf - gegen Rechts". Darin berichten Verlagsangaben zufolge elf Menschen, die mit rechtem Gedankengut und rechter Gewalt zu kämpfen haben - und die dagegen aufstehen. Über Hollstein heißt es auf der Verlagswebsite: Er "musste als Bürgermeister einer sauerländischen Kleinstadt mitansehen, wie eine Flüchtlingsunterkunft brannte, und nahm dennoch 100 Menschen mehr auf, als er musste".

Im Oktober 2015 hatten ein Feuerwehrmann und ein Komplize in einem Flüchtlingsheim in Altena einen Brand gelegt. Vor Gericht gestand der Feuerwehrmann die Tat: Er habe Angst vor "Einbrüchen, Diebstählen, Gewalttaten und auch vor sexuellen Übergriffen" der Flüchtlinge gehabt. Das Landgericht Hagen verurteilte ihn wegen schwerer Brandstiftung zu sechs Jahren Haft; seinen Bekannten zu einer fünfjährigen Haftstrafe.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Täter habe auf Andreas Hollstein eingestochen. Inzwischen hat sich Hollstein zum genauen Ablauf des Angriffs und der Art der Verletzung geäußert. Demnach hatte der Angreifer dem Politiker ein Messer an den Hals gehalten, das er selbst wegdrücken konnte. Seine leichte Schnittwunde habe nur geklebt werden müssen, so Hollstein. Wir haben die Textstelle entsprechend angepasst.

jdl/bam/aar



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