Nordrhein-Westfalen Röttgen gewinnt Duell um CDU-Landesvorsitz

Die CDU-Mitglieder in Nordrhein-Westfalen haben entschieden: Umweltminister Norbert Röttgen soll Jürgen Rüttgers als Landeschef beerben. Die Wahl fiel schwer - sein inhaltliches Konzept ähnelte stark dem seines Kontrahenten Armin Laschet.

Neuer Landeschef Röttgen: 160.000 CDU-Mitglieder in Nordrhein-Westfalen hatten die Wahl
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Neuer Landeschef Röttgen: 160.000 CDU-Mitglieder in Nordrhein-Westfalen hatten die Wahl


Düsseldorf - Der 45-jährige Chef des CDU-Bezirks Mittelrhein setzte sich mit 54,8 Prozent der Stimmen gegen Armin Laschet durch, der auf 45,2 Prozent kam. Die Wahl zwischen dem Bundesumweltminister und dem Ex-Landesminister galt nicht als Richtungsentscheidung. Beide sind Vertreter der liberalen Großstadt-CDU und beide wollen ihre Partei zu den Grünen hin öffnen. Bei acht Regionalkonferenzen, auf denen sich Röttgen und Laschet der Parteibasis vorgestellt hatten, konnten die beiden Kandidaten nur wenige inhaltliche Unterschiede deutlich machen.

Röttgen war für einen "Neuanfang" eingetreten, Laschet hatte für sich als "Düsseldorfer Lösung" geworben, da er tagtäglich in der Landeshauptstadt präsent sei.

Die Mehrheit der rund 160.000 CDU-Mitglieder in Nordrhein-Westfalen stimmte dennoch für Röttgen, der Ex-Ministerpräsident Rüttgers als CDU-Landesvorsitzender beerben soll. Rüttgers hatte dieses Amt mehr als ein Jahrzehnt ausgeübt.

Bis Samstag hatten bereits mehr als 40 Prozent der berechtigten CDU-Mitglieder per Briefwahl abgestimmt - so auch Röttgen. Laschet dagegen hatte am Sonntag in einem Kurpark-Café in seiner Heimatstadt Aachen seine Stimme abgegeben. Die Mitgliederbefragung über den neuen Vorsitzenden endete um 17 Uhr am Sonntag mit der Schließung der Wahllokale. Anschließend begann in den 139 Wahllokalen die Auszählung.

Die NRW-CDU konnte am Sonntag zunächst keine Angaben zur Wahlbeteiligung machen. Die Parteispitzen kamen in der Landesparteizentrale in Düsseldorf zusammen - darunter auch beide Kandidaten.

Offiziell wird die Rüttgers-Nachfolge auf einem Parteitag abgewickelt

Die CDU im Westen hatte bereits vor mehr als 15 Jahren Erfahrungen mit Urabstimmungen gesammelt. 1994 setzte sich der damalige Chef der CDU-Landtagsfraktion, Helmut Linssen, im Rennen um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 1995 klar gegen den damaligen Ruhr-CDU-Chef und heutigen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert durch. An der damaligen Urabstimmung hatten sich rund 44 Prozent der Parteimitglieder beteiligt.

Offiziell soll der Rüttgers-Nachfolger dann am 6. November auf einem Landesparteitag in Bonn ins Amt gehoben werden. Auf dem Parteitag wird auch Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel als Rednerin erwartet.

Der neue Vorsitzende des größten CDU-Landesverbands könnte beim kommenden CDU-Bundesparteitag Mitte November in Karlsruhe auch Nachfolger von Rüttgers als CDU-Bundesvize werden.

Die CDU hatte die Landtagswahl vom 9. Mai verloren. Die Christdemokraten hatten bei der Wahl mehr als eine Million Stimmen eingebüßt und fuhren ihr schlechtestes Landtagswahlergebnis der NRW-Geschichte ein. Seitdem regiert in NRW wieder Rot-Grün. Mit der Niederlage in NRW hatte Schwarz-Gelb auch die Mehrheit im Bundesrat verloren.

jjc/dapd



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
emil_sinclair73 31.10.2010
1. Schade,
mit Laschet wäre die CDU in NRW für längere Zeit weg vom Fenster gewesen.
brooklyner 31.10.2010
2. tsss
Zitat von sysopDie CDU-Mitglieder in Nordrhein-Westfalen haben entschieden: Umweltminister Norbert Röttgen soll Jürgen Rüttgers als Landeschef beerben. Die Wahl fiel schwer - sein inhaltliches Konzept ähnelte stark dem seines Kontrahenten Armin Laschet. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,726361,00.html
Ach wie nett, der Grüssgott-August von der Atomlobby?
weltbetrachter 31.10.2010
3. Sprungbrett zu RWE
Und wenn es mal nicht mehr mit der Politik funktioniert ist die RWE ja auch nicht mehr weit.
rotertraktor 31.10.2010
4. Strahlende Zukunft
Zitat von brooklynerAch wie nett, der Grüssgott-August von der Atomlobby?
Dann bekommen wir in NRW demnächst vielleicht auch so ein schnuckeliges Atomendlager wie die Niedersachsen (Asse, Gorleben) und Sachsen-Anhaltiner (Morsleben) ... oder zumindest ein Endlager für kaputtgeredete Windkrafträder und Solaranlagen.
backtoblack 31.10.2010
5. Vorsitz
Ein Opportunist mehr, der seinen Weg geht. Gleichzeitig beerdigt er im Handstreich alle schwarz-grünen Koalitionshoffnungen, was ja auch nicht das Schlechteste ist.
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