28. Januar 2013, 13:10 Uhr

Notbremse bei Strompreisen

Altmaier überrumpelt Rösler

Umweltminister Altmaier will die Stromkosten begrenzen - und zu diesem Zweck auch Ausnahmeregelungen für energieintensive Unternehmen begrenzen. Damit düpiert er seinen Kabinettskollegen Philipp Rösler: Der FDP-Wirtschaftsminister ist von den Vorschlägen völlig überrascht worden.

Hamburg - Der Vorstoß von Umweltminister Peter Altmaier gegen einen Anstieg des Strompreises war mit seinem Kabinettskollegen Philipp Rösler (FDP) nicht abgesprochen. Über die Vorschläge des CDU-Politikers sei das Wirtschaftsministerium erst am Montagmorgen informiert worden, sagte ein Sprecher Röslers.

Er habe Röslers Ministerium am Morgen über seine Pläne informiert, bestätigte Altmaier. Es sei vor allem darum gegangen, Vertraulichkeit zu wahren, gab er als Begründung an.

Rösler lobte Altmaiers Vorschläge dann aber als ""absolut richtig". Es handele sich um einen "wichtigen Schritt in die richtige Richtung", sagte er am Montag in Berlin. "Weitere müssen folgen." Man dürfe sich nicht mit Zwischenschritten aufhalten. Notwendig sei der große Wurf zu einer grundlegenden Reform der Förderung erneuerbarer Energien.

Altmaier und Rösler streiten seit Monaten bei der Energiewende um die Kompetenzen. Es geht darum, wer das Projekt wie gestaltet und wer den Kurs bestimmt. Im vergangenen November zum Beispiel gab es Differenzen, weil Altmaier Stromkunden mittels einer "Bürgerdividende" am Netzausbau beteiligen wollte. Auf die Vorschläge ging Röslers Ministerium nach SPIEGEL-Informationen gar nicht erst ein.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle nannte es erfreulich, dass Altmaier Handlungsbedarf sehe und darüber nachdenkt, Ökostrombetreiber über einen Öko-Soli zu beteiligen. Die FDP-Fraktion werde ihn dabei unterstützen, diese Position auch in der Union durchzusetzen.

"Strompreis-Sicherung" heißt das Konzept, mit dem Altmaier die Kosten der Energiewende für die Verbraucher begrenzen will. Das Eckpunktepapier soll dafür sorgen, dass die sogenannte EEG-Umlage bis Ende 2014 nicht mehr steigt - und ihr Anstieg ab 2015 auf 2,5 Prozent pro Jahr begrenzt wird.

Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.

Notbremse für Strompreise

Durch die Energiewende gehen verstärkt Ökostromanlagen ans Netz, in den vergangenen Jahren vor allem viele besonders förderintensive Solaranlagen. Folge des Öko-Booms war ein rascher Anstieg der EEG-Umlage. Im Jahr 2006 zahlten Verbraucher pro Kilowattstunde Strom noch einen Aufschlag von 0,88 Cent, im laufenden Jahr sind es 5,28 Cent.

Um den Kostenschub künftig zu begrenzen, fordert Altmaier mehrere Maßnahmen:

Die notwendigen Gesetzesänderungen sollen noch vor der Sommerpause verabschiedet werden und zum 1. August 2013 in Kraft treten. Altmaier betont, die Kostenbremse könne eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes nicht ersetzen. Sie könne aber für Verbraucher Linderung schaffen, bis eine solche grundlegende Reform abgeschlossen sei.

kgp/als/dpa/dapd


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