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"Peniskuchen-Affäre": Partyfotos könnten NPD-Spitzenmann Amt kosten

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NPD-Affäre: Die unerwünschte Ex-Porno-Darstellerin Fotos
Twitter/ Foto: Markus Eschberger

Peter Marx gilt als Strippenzieher der NPD, doch jetzt steht der Generalsekretär nach Informationen von SPIEGEL ONLINE vor der Abwahl. Der Rechtsextremist ist auch wegen einer früheren Porno-Darstellerin in Ungnade gefallen.

Hamburg - Die NPD hat einen Skandal mehr: "Saarbrücker Peniskuchen-Affäre" heißt der neue Aufreger, der seit Wochen die Spitze der rechtsextremen Partei beschäftigt. Es geht um eine fröhliche Geburtstagsparty in Saarbrücken. Fotos auf Neonazi-Internetseiten zeigen, wie Kuchen in Penisform gereicht wird. Die frühere Porno-Aktrice Ina Groll posiert mit anderen Frauen für die Kamera. Zu sehen ist auch ein sichtlich vergnügter NPD-Generalsekretär Peter Marx.

Ein Umfeld, bei dem sich viele im Vorstand der NPD fragen: Was macht der Generalsekretär auf solch einer Feier mit solchen Leuten? Der Unmut ist so groß, dass Marx nun vor der Abwahl steht. Einstimmig beschloss das Präsidium nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Mitte März, dass Parteichef Udo Pastörs den Generalsekretär zum Rücktritt auffordern soll. Doch der will nicht weichen.

Am Wochenende muss nun der NPD-Vorstand entscheiden. Die Jugendorganisation JN hat einen Antrag für Marx' Abwahl gestellt.

"Nationalismus darf auch sexy sein"

Viele Rechtsextreme sind der Meinung, dass der Funktionär durchaus mitbekommen haben muss, dass die Ex-Pornodarstellerin Groll bereits vor der Geburtstagsfeier Ende Februar für Aufregung in der NPD gesorgt hatte. Schließlich ist er Generalsekretär und sollte seine Partei gut kennen. Zumal er bereits seit dem 15. Lebensjahr erst in der JN und dann später in der NPD aktiv ist.

Den Kritikern gefiel es nicht, dass sich mit Groll "gerade so eine" für die Partei engagierte. Die Porno-Darstellerin und die NPD - das passte so gar nicht zum mühsam gepflegten Saubermann-Image. Groll - jung, blond, Motto: "Nationalismus darf auch sexy sein" - hatte seit Ende vergangenen Jahres Unterstützungsunterschriften unter anderem in Bayern und Rheinland-Pfalz für die Partei gesammelt, in Duisburg hatte sie als Weihnachtsfrau verkleidet Süßigkeiten verteilt.

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Fotostrecke: Die Geschichte der NPD - Propaganda, Hass, Verbote
Einige recherchierten genauer, was Groll alias "Kitty Blair" in der Erotikbranche so gemacht hat. Sie fanden heraus, dass sie vor ein paar Jahren einen Porno mit einem schwarzen Darsteller gedreht hat. "Wer mit Fremdrassigen vor laufender Kamera kopuliert und damit der Rassenvermischung auch noch Vorschub leistet hat mit der völkischen Idee und deren Fortführung wenig zu schaffen", hieß es unter anderem auf der rechtsextremen Seite des "Freien Netz" Saalfeld. Damit nicht genug, Kommentatoren verlinkten auch den Film mit Groll, verwiesen auf Gangbang-Partys, für die sie auf ihrem Twitter-Account geworben hatte.

Dass Groll nach eigenen Angaben im Winter 2012/2013 aus dem Porno-Business ausgestiegen ist und nun Arbeit sucht, spielt keine Rolle. Die Kritik wurde so laut, dass die NPD-Spitze Groll "zur unerwünschten Person" erklärte. Dabei war sie nicht mal Mitglied der NPD gewesen, wobei sie das gern geworden wäre. Groll engagiert sich mittlerweile in der Nazi-Partei Die Rechte, was auch dort für Unruhe sorgt.

Auch wenn für die NPD das Groll-Problem nun geklärt ist - für Marx ist es das nicht. Die Bilder von der saarländischen Geburtstagsfeier sind für viele Rechtsextreme der Höhepunkt in einer längeren Reihe von Fehlgriffen des Generalsekretärs - und das in Zeiten, in denen die NPD genug andere Probleme hat, etwa leere Kassen oder das anstehende Verbotsverfahren.

"Starke Hand" des Parteichefs?

Seit Monaten sorgt Marx - immerhin die Nummer zwei in der NPD - für Ärger:

  • Marx, auch Landeschef im Saarland, legte sich wiederholt mit der JN an, die im Saarland eine neue Gruppe gründete. Marx war dagegen, er sieht sich in seiner Autorität untergraben. Das Präsidium billigte den JN-Stützpunkt aber.

  • Funktionär Marx förderte den umstrittenen Sascha Wagner. Der Funktionär muss sich wegen Misshandlung zweier Stieftöchter vor Gericht verantworten. Er hatte nach Streitigkeiten, bei denen es auch um verschwundene Gelder gehen soll, die NPD im Rheinland-Pfalz verlassen müssen. Mittlerweile ist Wagner Mitglied des saarländischen Vorstands.

  • Im Januar mussten die Rechtsextremen ihren Europaparteitag nach Thüringen verlegen. Marx hatte bei der Hallenanmeldung für die NPD in Saarbrücken einen Fehler gemacht - was er bestreitet. Der Unmut in der Führung war groß. Als Marx mehrmals für die Europaliste kandidierte, scheiterte er jedes Mal kläglich.

  • In der Schweriner Fraktion will man mit Marx nicht mehr zusammenarbeiten. Dort ist er mit seiner rechthaberischen Art angeeckt. Schon bald soll Schluss sein, das bestätigt Fraktionschef Pastörs auf Anfrage: "Wir haben keine Anschlussverwendung mehr für ihn."

"Unmut gibt es immer in der NPD", sagt Marx zu den Vorwürfen. Ja, er kenne Groll. "Ich werde mir nicht verbieten lassen, mit wem ich Kontakt habe." Und weiter: "Wenn ich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen bin, werde ich mir nicht anmaßen zu sagen, wer da noch zu Gast sein darf."

Er werde zur Vorstandssitzung kommen und sich erklären. "Ich bleibe Generalsekretär, ich sehe keine Mehrheit für meine Abwahl", so Marx. Er spielt damit auf die Regelung an, wonach für eine Absetzung eines Funktionärs eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist.

Entscheidend wird sein, wie sich Parteichef Pastörs am Wochenende verhalten wird. Er wolle die Vorwürfe prüfen, sagt er auf Anfrage. Er habe die Entwicklungen seines Generalsekretärs "mit gewisser Überraschung zur Kenntnis genommen".

Noch im Dezember, vor der Übernahme des NPD-Vorsitzes, hatte Pastörs "eine starke Hand" und "Disziplin" angekündigt. Jetzt hat er Gelegenheit zu zeigen, was das heißt. Die Fotos von Marx, so ist jedenfalls zu hören, haben Pastörs nicht gefallen.

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