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NPD in Sachsen-Anhalt: Pleite bei der Schicksalswahl

Von und , Magdeburg

Die gute Nachricht aus Magdeburg: Trotz günstiger Umfragewerte scheitert die NPD am Einzug in den Landtag. Für die Rechtsextremisten ist es ein schwerer Schlag, denn sie hatten große Hoffnungen auf Sachsen-Anhalt gesetzt. Nun redet man sich die Niederlage schön.

Frustrierte NPD-Granden Voigt, Apfel, Heyder: Parole Schönreden Zur Großansicht
dapd

Frustrierte NPD-Granden Voigt, Apfel, Heyder: Parole Schönreden

Es sollte ihr großer Abend werden. Aus der ganzen Republik waren sie nach Magdeburg gereist, die Führer der rechtsextremen NPD: Parteichef Udo Voigt, der sächsische Fraktionschef Holger Apfel und sein Kollege Udo Pastörs aus dem Schweriner Landtag. Nach all dem Streit der vergangenen Monate, nach der chaotischen Fusion mit der DVU, dem peinlichen E-Mail-Leck und den ewigen Finanzproblemen wollten die Rechten endlich einmal wieder Stärke demonstrieren.

Von der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sollte ein Zeichen ausgehen: Dass mit der rechtsextremen Bewegung in Deutschland wieder zu rechnen ist. Nach Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen wollte die NPD in den dritten Landtag.

Doch die Botschaft vom Wahlsonntag ist eine ganz andere: Die Rechte ist mit 4,6 Prozent an ihre Grenzen gestoßen. Trotz einer gewaltigen Mobilisierungskampagne und guten Umfragewerten gelang es der NPD nicht, in den Magdeburger Landtag einzuziehen. Für die Rechtsextremisten ist das besonders bitter. Sie hatten ihre gesamte Strategie im Superwahljahr auf Sachsen-Anhalt ausgerichtet. Von einer "Schicksalswahl für die gesamte nationale Bewegung in Deutschland" sprach Landeschef Matthias Heyder. Als Fraktion im Landesparlament hätte die NPD auch hier eine dauerhafte Infrastruktur aufbauen können.

Interne E-Mails belegen, welch hohen Stellenwert die Kameraden der Wahl in Sachsen-Anhalt beimaßen. Die klamme Partei hatte beinahe ihre gesamten Finanzmittel in den Osten geschleust. Landesverbänden wurden "Patenschaften" über die einzelnen Landkreise und Städte in Sachsen-Anhalt übertragen. Die Leitung der Kampagne hatte Sachsens NPD-Fraktionschef Apfel übernommen - einer der erfahrensten Wahlkämpfer der Rechtsextremen.

Und deshalb darf zunächst nicht wahr sein, was die Prognosen um 18 Uhr voraussagen: Die NPD ist draußen, melden ARD und ZDF. Hans Püschel steht im Erdgeschoss des Landtags, um ihn herum NPD-Kameraden. Er blickt ungläubig auf den Monitor und sagt: "Vielleicht reicht es ja doch noch." So recht scheint er zu diesem Zeitpunkt selbst nicht mehr daran zu glauben.

Püschel wittert Verschwörung

Püschel war kurze Zeit der prominenteste Wahlkämpfer der NPD. Der Ortsbürgermeister ist erst im Dezember aus der SPD ausgetreten, um für die NPD bei der Landtagswahl anzutreten. Mit der Niederlage will er sich nicht so einfach abfinden: Die etablierten Parteien hätten die NPD "mit allen Mitteln bekämpft". Hinter dem enttäuschenden Ergebnis vermutet er eine Verschwörung: "Sie haben uns bei der Auszählung der Stimmen sicherlich betrogen."

Auch auf der offiziellen Wahlparty der NPD im "Hot Stone", eine Gaststätte am Rand der Magdeburger Innenstadt, üben sich die Parteivorderen in Realitätsverweigerung. Rund 200 Anhänger der Rechtsextremen erfahren, warum der Abend eigentlich doch prima gelaufen ist: So professionell wie diesmal sei die Partei noch nie aufgetreten, lobt Spitzenkandidat Heyder. Dass man die Fünf-Prozent-Hürde dennoch gerissen habe, liegt laut Bundeschef Voigt vor allem an den Nichtwählern. Wären die an die Urnen gegangen, behauptet er, hätte es auf jeden Fall für die NPD gereicht. Und Wahlkampfchef Apfel erinnert die Kameraden schließlich daran, dass man kommende Woche bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ja auch gut im Rennen sei.

Das klingt angesichts aktueller Umfragewerte ähnlich abstrus wie die Idee des NPD-Spitzenmanns aus dem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Heyder wollte im Flugzeug "von Termin zu Termin" reisen. Ein Kamerateam sollte ihn dabei filmen, Journalisten ihn in der Maschine begleiten. Für die Landung wünschte sich der Landeschef Kundgebungen auf den Rollfeldern.

Aus dem Learjet-Wahlkampf in der Provinz wurde nichts - dennoch sind Heyder und seine Kameraden bei der Wahl in Sachsen-Anhalt abgestürzt. Bis auf weiteres ist keine Wahl in Sicht, bei der die NPD mit dem Einzug in ein Landesparlament rechnen könnte. Und in Mecklenburg-Vorpommern, wo im Herbst gewählt wird, ist lange nicht ausgemacht, ob sie den Wiedereinzug schafft.

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insgesamt 195 Beiträge
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1. Ooooch .....
stefanaugsburg 21.03.2011
Die Armen - hat es wieder nicht geklappt, können einem richtig leid tun, oder ? Ich werde beizeiten eine Mitliedsträne aus meinem rechten Augenwinkel hervorpressen !
2. .
frubi 21.03.2011
Zitat von sysopDie gute Nachricht aus Magdeburg: Trotz günstiger Umfragewerte scheitert die NPD am Einzug in den Landtag. Für die Rechtsextremisten ist es ein schwerer Schlag, denn sie hatten große Hoffnungen auf Sachsen-Anhalt gesetzt. Nun redet man sich die Niederlage schön. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,752131,00.html
52 % Wahlbeteiligung und alle Parteien bejubeln den Sieg der Demokratie weil die NPD nicht mit drin ist. Wow. Was für ein Erfolg. Eine Partei die aus Idioten und ewig Gestrigen besteht sollte es auch nicht in einen Landtag schaffen. Das sie es geschafft haben war in der Vergangenheit ein Armutszeugniss für die anderen Partien. Der Nichteinzug ist daher kein Sieg für die Demokratie.
3. Flugzeug Wahlkampf
durchfluss 21.03.2011
Oh wie einfallslos die Einfaltspinsel sind - den "Flugzeug Wahlkampf" hat er sich bei einem sicherlich für ihn wichtigen Vorbild abgeschaut.
4. Gut so.
UnitedEurope 21.03.2011
Ich glaub da sind wir uns alle einig: Schöne Nachricht! Und was für verblendete bei der NPD ...
5. Learning to fly
Brand-Redner 21.03.2011
Von dem alten G.F.W. Hegel soll der Spruch stammen, alle historischen Ereignisse geschähen zweimal - zunächst als Tragödie, dann nur noch als Komödie. Der große Denker würde sich vermutlich durch folgende aktuelle Randnotiz bestätigt fühlen: ---Zitat--- Heyder wollte im Flugzeug "von Termin zu Termin" reisen. Ein Kamerateam sollte ihn dabei filmen, Journalisten ihn in der Maschine begleiten. Für die Landung wünschte sich der Landeschef Kundgebungen auf den Rollfeldern.http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,752131,00.html ---Zitatende--- Erneut ein "Führer über Deutschland"? Das letzte Mal, dass das Volk auf diesen plumpen Propagandarummel einfiel, ist fast 80 Jahre her. Seitdem scheint die Mehrheit doch einiges gelernt zu haben. Übrig bleiben die Unbelehrbaren - lasen wir sie fliegen...
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