NPD-Parteitag in Thüringen Hardliner Pastörs vor Bewährungsprobe

Der neue NPD-Vorsitzende Udo Pastörs soll der angeschlagenen Partei zu Wahlerfolgen verhelfen. Die Europaabstimmung macht er zur Chefsache: Der 61-Jährige kandidiert am Samstag in Thüringen für den Spitzenplatz. Auch seine Rivalen bringen sich in Position.

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Ex-NPD-Parteichef Voigt (l.), Vorsitzender Pastörs: Kampfkandidatur um den Listenplatz eins
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Ex-NPD-Parteichef Voigt (l.), Vorsitzender Pastörs: Kampfkandidatur um den Listenplatz eins


Hamburg/Kirchheim - Ein "Kampfjahr" für die NPD nennt Udo Pastörs 2014, es wird vor allem ein Kampfjahr für ihn werden. Seit einer Woche ist der 61-Jährige der Vorsitzende der rechtsextremen Partei. Nach dem Rück- und Austritt seines Vorgängers Holger Apfel ist es nun an ihm, die schwer angeschlagene Partei zu leiten. Die anderen Präsidiumsmitglieder hatten es abgelehnt, die Position zu übernehmen.

Wie zu hören ist, hatte Pastörs sich dieses Jahr etwas anders vorgestellt. Er wollte für die Europawahl kandidieren, nach Brüssel als Abgeordneter wechseln und sich dann mit Ende der Legislatur zur Ruhe setzen. Jetzt aber führt er neben der Schweriner Landtagsfraktion, die nach Untreuevorwürfen 80.000 Euro zurückzahlen soll, auch die Bundespartei - und das wohl bis zum Herbst, wenn die Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen gelaufen sind.

"Befugnisse in einer Hand"

"Relativ schlecht" gehe es der NPD, sagt Pastörs, was angesichts des Verbotsverfahrens, der sinkenden Mitgliederzahlen und der angespannten finanziellen Situation reichlich untertrieben ist. Für den Europawahlkampf hat die rechtsextreme Partei gerade einmal 300.000 Euro zur Verfügung. Dabei hat die Führung den Einzug ins Europaparlament zu einem wichtigen strategischem Ziel erklärt. Die NPD geht davon aus, dass die Dreiprozenthürde noch kippen wird und sie bei einem Ergebnis von 1,5 bis 1,8 Prozent ein, vielleicht sogar drei Vertreter, nach Brüssel schicken kann.

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Pastörs will einer davon sein: Er hält trotz der Doppel-Belastung als Partei- und Fraktionschef an seiner Kandidatur auf dem Parteitag im thüringischen Kirchheim am Samstag fest. "Es kann ja ganz nützlich sein, wenn die Befugnisse in einer Hand sind - zumindest temporär, bis sich die Situation entspannt hat", sagt er. Eine Einschätzung, die nicht jeder in der NPD teilt, schließlich gibt es nicht allzu viele und noch dazu gutdotierte Posten. Die Europaparlamentarier bekommen monatlich rund 12.300 Euro vor Steuern - plus Tagegeld.

Und so muss sich Pastörs gegen mehrere Konkurrenten durchsetzen, allen voran den langjährigen Ex-NPD-Chef Udo Voigt. Er hat seinen Sturz 2011 von der NPD-Spitze bis heute nicht verwunden, an dem Pastörs maßgeblich mitwirkte. Darüber hinweg täuschen mag auch nicht ein Video vom Neujahrsempfang in Sachsen, in dem die beiden versichern, dass es um ein Miteinander in der NPD, nicht um Kämpfe ginge. Ideologisch stehen beide für radikalere Töne. Sie zeigen sich zudem - anders als der letzte Vorsitzende Apfel - offen für die Zusammenarbeit mit Freien Kameradschaften und Neonazis.

Tingel-Tour durch die Republik

Schon ist die Rede von einer Absprache der beiden, einer Allianz der Hardliner. Pastörs kandidiert demnach für den Europa-Spitzenplatz, Voigt verzichtet seinerseits, wird aber dafür bei der Wahl um Listenplatz zwei vom Parteichef unterstützt. Einen solchen Deal bestreiten beide auf Anfrage. "Das war nicht mal Gegenstand einer Besprechung", sagt Pastörs.

Voigt erklärt: "Er möchte keine Hinterzimmer-Absprachen." Der ebenfalls 61-Jährige hat sich strategisch clever aufgestellt: Seit Wochen tingelt er durch die Republik, um sein Buch über seinen Weg in der NPD vorzustellen - und für seine Kandidatur zu werben. Allerdings ist Voigt nicht unumstritten, er hatte massiv gegen Apfel gewettert, um dann wieder zur Einheit der NPD aufzurufen. Der Schlingerkurs ist vielen aufgestoßen.

In der NPD-Spitze geht man deshalb von einer Mehrheit für Pastörs aus - allerdings kandidiert unter anderem auch Karl Richter. Der Bundesvize hat klargemacht, dass er nicht zurückziehen will. Das Programm "Europa wählt rechts" stammt in weiten Teilen von ihm. Viele schätzen ihn aber als chancenlos ein. Richter hatte auch auf Facebook massiv Kritik an Apfel geübt und bei einem Eintrag eines Kameraden, der dem Ex-Chef den Selbstmord nahelegte, "Gefällt mir" geklickt.

Versuch eines Schlussstrichs in der Apfel-Affäre

Pastörs hat die Affäre um den Abgang seines Vorgängers nun "nach außen" für beendet erklärt, Apfels Rücktritt sei freiwillig erfolgt, das habe eine interne Untersuchung ergeben, heißt es in einer Erklärung. Dazu passt auch die Nachricht aus Sachsen, dass Apfel doch sein Landtagsmandat in Dresden niedergelegt hat, dies hatte der 43-Jährige zunächst verweigert. Von Verhandlungen war die Rede, die geführt worden seien. Es ist der Versuch eines Schlussstrichs rechtzeitig zum Parteitag, der wohl kaum gelingen wird, denn die Basis hat bisher nur wenig Informationen bekommen.

Offiziell hatte Apfel sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. Ihm wird aber vorgeworfen, zwei Männer, Anfang 20 Jahre, belästigt zu haben. Der Umgang mit dem "Apfel-Problem" lässt vermuten, dass die Parteiführung die Vorwürfe wohl für glaubhaft hält. Ex-Chef Voigt formuliert es so: "Man muss Apfel danken, dass er zurückgetreten ist und die Partei verlassen hat."

Voigt werden auch Ambitionen auf den künftigen NPD-Vorsitz nachgesagt. Dazu, sagt er, wolle er sich erst nach Kirchheim äußern. "Ich muss erst einmal sehen, was ich der Partei noch wert bin."

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