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Rechtsextreme Schlammschlacht: NPD-Spitze will Neonazi Wulff rauswerfen

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Thomas Wulff (l.), NPD, und Christian Worch: "Trümmertruppe von Unfähigen" Zur Großansicht
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Thomas Wulff (l.), NPD, und Christian Worch: "Trümmertruppe von Unfähigen"

Erbärmlich nennt er die Führung der NPD: Neonazi Thomas Wulff stichelt gegen Parteichef Apfel, wo er kann. Der will den Kritiker nun mit einem Ausschlussverfahren loswerden. Ein Manöver, das weiter Unruhe verursacht.

Hamburg - Sechseinhalb Seiten ist die Abrechnung lang, Titel: "NPD am Boden - Eine Partei zerstört sich selbst!" Neonazi Thomas Wulff, einer der bekanntesten Akteure der rechtsextremen Szene und Vizevorsitzender der Hamburg-NPD, rechnet darin mit Parteichef Holger Apfel und der Führung der Partei ab, "einer Trümmertruppe von Unfähigen und asozialen Selbstbedienern". Jetzt bekommt er dafür die Quittung.

Apfel will einen seiner entschiedensten Kritiker aus der Partei werfen. Begründung: "fortwährende Störung des Parteifriedens". Mit "überwältigender Mehrheit" habe der Vorstand für den Ausschluss gestimmt, sagt Generalsekretär Peter Marx.

Der Parteichef selbst will sich zu dem Vorgang nicht äußern. Im Vorstand wird Wulffs Bedeutung offiziell als mittlerweile gering eingeschätzt, er störe immer wieder, mehr nicht, heißt es. Doch so gering kann Wulffs Rolle nicht sein, wenn der Parteichef ein Ausschlussverfahren einleitet - Monate nach dem Brandbrief, der aus dem April stammt.

"Apfel will die Partei von Leuten säubern, die Ärger machen"

Vielmehr scheint es, dass Apfel die Bundestagswahl abwarten wollte, um nun zu versuchen, Stärke zu demonstrieren. Ob dies gelingen wird, ist allerdings fraglich. "Da hat sich einiges angesammelt, irgendwann ist das Maß voll", begründet Funktionär Marx die Entscheidung des Bundesvorstands. Wulff, eines der Bindeglieder der NPD in die radikale Kameradschaftsszene, war in den vergangenen Monaten bei Veranstaltungen der neu gegründeten Partei Die Rechte aufgetreten. Diese wird von seinem langjährigen Weggefährten Christian Worch geleitet.

Das Ausschlussverfahren gegen Wulff dürfte die Schlammschlacht in der NPD weiter anheizen: In der Parteispitze tobt ein Machtkampf um die Spitzenkandidatur zur Europawahl. Bundesvize Karl Richter hatte Apfel, Marx und seinem Vorstandskollegen Udo Pastörs im Streit über eine angebliche Absprache bei der Europawahl-Kandidatur in einem Schreiben Mobbing vorgeworfen, er attackierte darin Apfel auch persönlich, indem er ihn als "pampig, cholerisch, von Konkurrenzneid zerfressen" bezeichnete.

Diese Einschätzung bestätigt Wulff. "Apfel will die Partei von Leuten säubern, die Ärger machen", sagt er SPIEGEL ONLINE. Wulff ist seit 2004 Mitglied der NPD. Damals schloss der 50-Jährige, der sich - in Anlehnung an den Namen eines berüchtigten Waffen-SS-Generals - "Steiner" nennt, eine strategische Allianz mit Ex-Parteichef Udo Voigt. Unter dem Motto "Volksfront von Rechts" zog er Hunderte Mitglieder der Kameradschaftsszene mit in die NPD.

Von der Allianz ist nicht mehr viel übriggeblieben, zu lasch findet Wulff die Politik der NPD unter Apfel: "Die ist nur noch seriös, radikal ist nicht mehr." Neonazi Wulff ist wegen Volksverhetzung vorbestraft. 2008 wurde er bei der Beerdigung des Altnazis Friedhelm Busse festgenommen, weil er eine Hakenkreuz-Flagge auf dessen Sarg legte.

Wulff will sich wehren

Die Anhänger Apfels halten Hardliner Wulff vor, zu wenig für die Partei zu tun. Bei der Bundestagwahl holte der Spitzenkandidat der Hamburger NPD gerade einmal 0,6 Prozent. "Es war keine Motivation da, der Bundesvorstand hat nicht motiviert", erwidert Wulff und kündigt an, sich gegen das Ausschlussverfahren zu wehren. Dieses dürfte sich Monate hinziehen.

Mit dem Antrag des Bundesvorstands muss sich nun der Landesverband Hamburg beschäftigten. Es ist aber kaum davon auszugehen, dass dieser das Verfahren groß unterstützen wird. Die Hamburger gelten als Apfel-Kritiker - Wulff hatte dies bereits in seinem Brandbrief deutlich gemacht: Viele Hamburger Parteimitglieder sähen die Entwicklung der NPD "angewidert und mit Abscheu". Damit wird wohl am Ende das Schiedsgericht der Bundespartei über Wulffs Mitgliedschaft entscheiden. Wulff gibt sich kämpferisch: "Ich bin nicht bereit, einfach das Feld zu räumen." Und betont: "Ich bin gerne bereit, den Herren Apfel und Marx etwas Arbeit zu bereiten."

Einen ersten Eindruck davon konnten sich die beiden bereits machen - nachdem Richter sich über Mobbing beklagte, versandte Wulff in der vergangenen Woche eine E-Mail an die Parteikameraden. Er keilte abermals gegen die Spitze: "Der Zustand dieser Partei ist entsprechend seiner Führerschaft - erbärmlich!"

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