Ermittlungen gegen Rechtsextremisten NPD-Politiker Wieschke muss sich aus Parteispitze zurückziehen

Er soll seine Mutter vor 15 Jahren verprügelt und seine Schwester misshandelt haben: Thüringens NPD-Landeschef Wieschke steht unter Druck. Jetzt legt er seine Bundesämter nieder, wohl nicht ganz freiwillig.

NPD-Landeschef Wieschke: Fragen zur Vergangenheit
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NPD-Landeschef Wieschke: Fragen zur Vergangenheit

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Berlin/Eisenach - Der thüringische NPD-Landesvorsitzende Patrick Wieschke zieht sich aus der Bundesspitze der rechtsextremen Partei zurück. In einer kurzen Mitteilung des NPD-Präsidiums von Freitagabend heißt es: "Um Schaden von der Partei abzuwenden", habe Wieschke seine Ämter auf Bundesebene niedergelegt.

Hintergrund: Ein linkes Blog hatte Polizeiakten veröffentlicht. Diese zeigten, dass gegen Wieschke 1999 ermittelt worden war, unter anderem weil er seine Mutter verprügelt und seine Schwester misshandelt haben soll. Den Vorwurf, seine Mutter geschlagen zu haben, nannte der Rechtsextremist aber noch am vergangenen Freitag auf Anfrage "Blödsinn".

Jetzt wird in der NPD-Mitteilung der Bundesvorsitzende Udo Pastörs zitiert: "Er (gemeint ist Wieschke - d. Red.) räumte Fehler ein und entschuldigte sich dafür, die Existenz dieser Ermittlungen von vor rund 15 Jahren bislang verschwiegen zu haben."

Nach der Landtagswahl in Thüringen am Sonntag, bei der die NPD gerade einmal 3,6 Prozent bekommen hatte, hatten mehrere Funktionäre von Wieschke Aufklärung verlangt. Sie fühlten sich von dem 33-Jährigen hintergangen, wie es in Parteikreisen hieß.

Das bemüht seriöse Image des Spitzenkandidaten hatte wenige Tage vor der Abstimmung massive Risse bekommen, zumal die NPD sich auch in Thüringen als Partei der Familie und Kinder präsentierte.

Die Polizeiakten enthalten eine Aussage Wieschkes, die damals aufgenommen wurde. Darin heißt es, dass er seiner Mutter einen Schlag verpasst, ihr die Pinnwand auf den Kopf geschlagen, sie weggezerrt und Todesdrohungen ausgesprochen habe, treffe zu. Allerdings seien die Faustschläge "nicht gezielt" und der Stoß gegen das Geländer "nicht beabsichtigt" gewesen, heißt es in den Akten.

Einige Tage zuvor war zudem bekannt geworden, dass gegen Wieschke 2001 wegen des Verdachts ermittelt worden war, eine Zwölfjährige sexuell missbraucht zu haben. Diese Ermittlungen wurden später eingestellt.

Wieschke ist mehrfach verurteilt, unter anderem weil er im Jahr 2000 an einem Sprengstoffanschlag auf einen Döner-Imbiss beteiligt war. Der 33-Jährige war bisher Mitglied im Bundespräsidium und -vorstand. Als Bundesorganisationsleiter plante er unter anderem Wahlkämpfe und Parteitage.

Landeschef in Thüringen will Wieschke aber bleiben. Der Landesvorstand habe ihm einstimmig am Donnerstagabend das Vertrauen ausgesprochen, sagte er.



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