Mutmaßlicher Feuerlöscher-Angriff NPD-Chef Apfel kurzzeitig festgenommen

Gut drei Stunden waren NPD-Parteichef Apfel und zwölf weitere Anhänger in Gewahrsam der Polizei Unterfranken. Nach einer Wahlkampfveranstaltung sollen einige von ihnen mit Feuerlöschern Passanten besprüht haben. Die Beamten ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung.

NPD-Chef Apfel (Archivbild): Mit zwölf anderen Anhängern festgenommen
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NPD-Chef Apfel (Archivbild): Mit zwölf anderen Anhängern festgenommen


Aschaffenburg - Die Polizei Aschaffenburg hat 13 NPD-Anhänger nach einer Wahlkampfveranstaltung am Mittwoch festgenommen. Sie "saßen gute drei Stunden in Gewahrsam", sagte Karl-Heinz Schmitt, Polizeisprecher des Präsidiums Unterfranken SPIEGEL ONLINE. Grund seien zwei Vorfälle bei der Abfahrt gewesen, bei der ein Radfahrer verletzt wurde. Die Männer aus dem NPD-Tross seien auf die Wache gebracht, um sie zu den Vorfällen zu befragen.

Unter den Festgenommenen war auch der NPD-Vorsitzende Holger Apfel, sagte der Polizeisprecher. Die Beamten ermitteln gegen die 13 NPD-Aktivisten wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung.

Anzeige erstattet

Laut Polizei hatte es in Aschaffenburg am späten Mittwochnachmittag zwei Vorfälle gegeben: Kurz nach Abfahrt eines NPD-Fahrzeugkonvois sollen Anhänger der rechtsextremen Partei aus einem der beiden VW-Busse gesprungen sein. Sie sollen aus einem Feuerlöscher Schaum auf mehrere Passanten versprüht haben. Verletzt worden sei dabei niemand. Danach sei der Tross, bestehend aus einem Lastwagen und zwei Bussen, weitergefahren - allerdings nur 200 Meter. Dort sei dann ein Radfahrer aus einem der VW-Fahrzeuge heraus attackiert worden - wieder mit dem Inhalt eines Feuerlöschers.

Der Radfahrer sei durch das Pulver, das er in die Augen bekam, verletzt worden, teilte die Polizei mit. Zudem habe er über Atemwegsreizungen geklagt. "Während die NPD-Fahrzeuge weiterfuhren, machte sich der Radfahrer auf den Weg zur Polizeiinspektion Aschaffenburg und erstattete dort Anzeige", heißt es in der Mitteilung des Präsidiums Unterfranken.

Nach den Vorfällen hätten die Aschaffenburger Beamten den NPD-Tross am Ortseingang von Kleinostheim gestoppt. Da sich dort niemand als Verantwortlicher für die Übergriffe zu erkennen gegeben habe, seien alle Insassen der beiden Busse vorläufig festgenommen worden.

NPD-Tour soll am Donnerstag fortgesetzt werden

Bei der NPD-Veranstaltung in Aschaffenburg, die von 14.30 bis 15.30 Uhr dauerte, waren laut Polizei in Richtung einer Rednerin auch ein Farbbeutel und ein Ei geworfen worden. Beides habe jedoch sein Ziel verfehlt.

In ihrer Mitteilung schreibt die rechtsextreme Partei, bei der Abreise ihres Konvois sei es ebenfalls zu Angriffen auf den Lastwagen sowie die VW-Busse gekommen. Nach Angaben eines NPD-Sprechers dauerte die Vernehmung von Parteichef Apfel am Mittwoch bis 20.15 Uhr, die letzten Anhänger hätten das Polizeirevier gegen 21 Uhr verlassen können. Der Vorsitzende kündigte an, juristische Schritte gegen die Verantwortlichen einzuleiten. "Die Polizeiführung in Aschaffenburg ist offensichtlich außer Rand und Band. Ich werde diesen Vorfall nicht hinnehmen", sagte Apfel.

Die NPD ist derzeit auf Wahlkampftour unterwegs, ihre Veranstaltung am Mittwochabend in Hanau musste sie absagen. Am Donnerstag will die NPD ihre Tour nach Angaben ihres Sprechers wie geplant fortsetzen.

heb/max



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