Personenkult in der NRW-CDU Bilderstreit der Bosse

Wer wird wie häufig fotografiert? Die Führungsspitze der nordrhein-westfälischen CDU streitet über Nebensächlichkeiten. Doch die Posse zeigt auch, dass das Verhältnis zwischen Parteichef Laschet und Fraktionsboss Laumann nicht einfach ist.

Von , Düsseldorf

CDU-Mitgliederzeitung "Bei uns in NRW": 28 Fotos des Parteichefs auf 48 Seiten
CDU Nordrhein-Westfalen

CDU-Mitgliederzeitung "Bei uns in NRW": 28 Fotos des Parteichefs auf 48 Seiten


"Bei uns in NRW" heißt das Mitgliedermagazin der nordrhein-westfälischen CDU, das klingt einträchtig und harmonisch, doch die Novemberausgabe der Postille sorgt für gehörigen Ärger. Vom Titel des Heftchens nämlich blickt der Parteivorsitzende Armin Laschet, er trägt Helm und Schutzbrille, dazu einen grauen Kittel, im Hintergrund lodert das Feuer eines Hochofens. Das Problem aber ist: Die folgenden 47 Seiten zeigen 27 weitere Fotos des Politikers.

So viel Laschet ist manchem in der Partei deutlich zu viel. Karl-Josef Laumann etwa, der einflussreiche CDU-Fraktionsvorsitzende im Düsseldorfer Landtag, machte unlängst bei einer Parteiveranstaltung seinem Unmut Luft. "Es hat kräftig gerummst", sagte ein Kreisvorsitzender der "WAZ". Andere Lokalgrößen ärgerten sich demnach über einen vermeintlichen "Personenkult" und kritisierten die "übertriebene Selbstdarstellung" des Chefs. Ein Sprecher der Fraktion räumte ein, es habe eine "Meinungsverschiedenheit" gegeben. Die Sprecherin der Partei nannte es hingegen "Abstimmungsprobleme auf Arbeitsebene".

Die Bilder in dem Heft, das Laschets neuer Generalsekretär Bodo Löttgen verantwortet, zeigen einen omnipräsenten Landesvorsitzenden: Laschet als einfühlsamer Gesprächspartner, als zupackender Arbeiterführer und geistreicher Redner. Laumann hingegen taucht gerade einmal auf drei Aufnahmen auf, zwei davon sind Gruppenfotos unter anderem mit Armin Laschet. "Darüber haben sie sich in die Wolle gekriegt", sagte ein CDU-Bezirksvorsitzender SPIEGEL ONLINE.

Schwierige Balance

Die Posse, so nebensächlich sie auch erscheinen mag, zeigt ziemlich plastisch, wie schwierig die Balance zwischen Partei und Fraktion für die nordrhein-westfälischen Christdemokraten geworden ist. Die Doppelspitze aus Laschet und Laumann war eine Notlösung, geboren aus der krachenden Niederlage des Norbert Röttgen, als niemand die Kraft aufbrachte, die demoralisierten Truppen vollständig hinter sich zu versammeln.

Laschet und Laumann verkörpern ganz unterschiedliche Flügel in dem mit 150.000 Mitgliedern größten Landesverband der Partei. Der Aachener Laschet steht für die großstädtische, bürgerlich-liberale CDU und hat wohl auch in Berlin einflussreiche Fürsprecher. Allerdings haftet dem gelernten Journalisten, 51 Jahre alt, der Makel an, vor zwei Jahren die Wahlen sowohl zum Fraktionsvorsitzenden (gegen Laumann) als auch zum Parteichef (gegen Röttgen) verloren zu haben.

Der Münsterländer Laumann hingegen, ein gelernter Maschinenschlosser, vertritt die ländlich-konservative CDU. Der 55-Jährige gibt sich volkstümlich, geht gern auf Schützenfeste und in die Bierzelte. Er pflegt zudem eine derbe Sprache und poltert auch schon einmal kräftig. Seine rhetorischen Möglichkeiten sind indes begrenzt. Viele in der Partei fürchten daher, Laumann könnte neben dem eloquenten Christian Lindner eine schlechte Figur abgeben und die Oppositionsführerschaft gegen Rot-Grün am Rhein einbüßen.

Immer wieder wurden in den vergangenen Monaten Gerüchte lanciert, denen zufolge Laumann eine Position in Berlin anstrebe. Der Westfale hat diese Spekulationen jedoch stets mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen: Er habe eine Aufgabe in Düsseldorf zu erfüllen, tönte er. Inzwischen darf man davon ausgehen, dass von seiner Arbeit im Landtag künftig auch verstärkt in der Mitgliederzeitschrift der nordrhein-westfälischen CDU berichtet werden wird - in Wort und Bild.



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
c++ 26.11.2012
1.
Zitat von sysopCDU Nordrhein-WestfalenWer wird wie häufig fotografiert? Die Führungsspitze der nordrhein-westfälischen CDU streitet über Nebensächlichkeiten. Doch die Posse zeigt auch, dass das Verhältnis zwischen Parteichef Laschet und Fraktionsboss Laumann nicht einfach ist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nrw-cdu-laschet-und-laumann-streiten-ueber-fotos-a-869340.html
Kurz, die CDU in NRW hat ein Personalproblem, Hannelore Kraft kann ganz entspannt sein.
gbk666 26.11.2012
2. optional
Laumann geht niemals nach Berlin, da ist er einfach nicht der Typ für, er möchte in seiner Heimat bleiben. Habe ihn mal persönlich kennengelernt ...auf einem Schützenfest übrigends und er machte in der Tat den Eindruck von jemandem der sich in einem Dorf besser fühlt als in einer Stadt. Man kann ganz gut mit ihm schimpfen..aber eloquent und redegewandt..das ist Herr Laumann wirklich nicht, er sollte das Amt besser nicht anstreben.
kinkybauhaus 27.11.2012
3. Witzig
Als ich die CDU-Postille in der Hand hielt, dachte ich genau das und fing schon an zu zählen, wie oft Laschet abgebildet war. Jetzt muss ich schmunzeln, dass diese Geschichte es auf die Titelseite von SPON geschafft hat. (Mich ärgert in dem Parteiblatt allerdings vielmehr die unsägliche Anzeige des Automatenverbandes und die völlig unkritische Einstellung der CDU/JU zu Gauselmann & Co., die zum einen eine Menge Glücksspielsüchtiger hervorbringen und zum andern unverholen finanziellen Lobbyismus betreiben.)
Papier 27.11.2012
4. Laumann
...war 15 Jahre Bundestagsabgeordneter bis er als Minister ins Kabinett Rüttgers berufen wurde. Er ist seit langem Mitglied des CDU Bundesvorstandes und des Präsidiums. Darüber hinaus ist er Bundesvorsitzender des CDU Arbeitnehmerflügels. Karl Josef Laumann als volkstümlichen Provinzpolitiker zu beschreiben, wird ihm und seiner Position nicht anähernd gerecht.
Angelheart 27.11.2012
5. Si ist sie halt...
...die NRW.CDU - deshalb waren die fünf Jahre von 2005 - 2010 auch mehr als genug! Beschäftigt euch nur mit euch selbst, da habt ihr genug zu tun und das könnt ihr wenigstens!
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