NRW-Landtagswahl Auch SPD-Politiker werden vermarktet

Nicht nur bei der CDU werden Politiker-Kontakte an Unternehmer vermittelt, auch die Genossen bahnen Gespräche mit ihren Promis an. Eine Preisliste wie bei der Union gibt es zwar nicht, dafür können Anzeigen im "Vorwärts" und Sponsoring von Veranstaltungen den Weg zu einem Spitzen-Sozi ebnen.

Peer Steinbrück: Ein Abend mit dem früheren Finanzminister für gute Kunden des "Vorwärts"
REUTERS

Peer Steinbrück: Ein Abend mit dem früheren Finanzminister für gute Kunden des "Vorwärts"


Düsseldorf/Berlin - Eine einseitige Anzeige im SPD-Zentralorgan "Vorwärts" kostet 18.000 Euro. Gute Kunden der Zeitung bekommen einen ganz besonderen Service geboten: Kaminabende mit hochrangigen Vertretern der SPD. Die Gespräche finden bis zu zwölfmal im Jahr statt, im noblem Brandenburger Hof in Berlin etwa, bei einem festlichen Essen und guten Weinen. 20 bis 25 Gäste kommen zu den Treffen und sie haben auch Gelegenheit zu vertraulichen Gesprächen am Rande der Veranstaltung. Sponsoren können sich mit bis zu 5000 Euro an einem solchen Abend beteiligen.

Der "Vorwärts"-Verlag lädt dazu ein. Ehrengäste und Redner sind die Granden der SPD. Egon Bahr hat da schon gesprochen, der frühere SPD-Generalsekretär Hubertus Heil war öfter dabei, auch Peer Steinbrück, als er noch Finanzminister war und Peter Struck, zuletzt Fraktionsvorsitzender. "Vorwärts"-Geschäftsführer Guido Schmitz hat gegenüber SPIEGEL ONLINE die Termine inzwischen bestätigt. Für die kommenden Runden würde derzeit bei Andrea Nahles und anderen angefragt.

Bei den Abenden handele es sich um ein "ganz normales Kundenbindungsinstrument", erklärt Schmitz, "eine Gegenleistung wird nicht erwartet." Ein regelmäßiger Teilnehmer solcher Kamingespräche hat das anders erlebt: "Man wird nur eingeladen, wenn man etwas geleistet hat." Der Mann ist Lobbyist, langjähriger Verbandsgeschäftsführer und bittet mit Rücksicht auf seine Freunde in der SPD seinen Namen nicht zu nennen.

Vor gut zehn Jahren meldete sich ein Vertreter des "Vorwärts" bei ihm, ob er Interesse an einem Gespräch habe. Bei anschließendem Besuch des Verlagsmannes wurde über Anzeigen geredet und die Möglichkeit an Kaminabenden teilzunehmen. Ein Angebot, dass der Lobbyist gerne annahm.

Später wurden dann noch Anzeigen im Kommunalpolitischen Handbuch offeriert, für 10.000 Euro. Auch das hat er gemacht, zudem bekam er bald einen Mengenrabatt von bis zu 20 Prozent eingeräumt. Die Kontakte aus den Kaminabenden hätten ihm gute Dienste als Türöffner geleistet: "Man war Teil eines Geflechts, bekam sofort wichtige Obleute und Ausschussvertreter zum Gespräch."

Die SPD allerdings widerspricht vehement der Behauptung, sie vermarkte Politiker. Die Kamingespräche seien einzig eine Veranstaltung des "Vorwärts", erklärte Tobias Dünow, Sprecher des SPD-Parteivorstands, und fügte hinzu: "Der Vorwärts ist keine Geldwaschanlage für die SPD".

Der "Vorwärts" ist ein eigenständiger Verlag, der allerdings zur DDVG-Holding der SPD gehört.

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Hartmut Dresia, 23.02.2010
1. Alternative
Zitat von sysopNicht nur bei der CDU werden Politiker-Kontakte an Unternehmer vermittelt, auch die Genossen bahnen Gespräche mit ihren Promis an. Eine Preisliste wie bei der Union gibt es zwar nicht, dafür können Anzeigen im "Vorwärts" und Sponsoring von Veranstaltungen den Weg zu einem Spitzen-Sozi ebnen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,679676,00.html
Es besteht kein Anlass, sich zu wundern. Das Problem betrifft - mehr oder weniger - alle Systemparteien: Gescheitert - Warum die Politik vor der Wirtschaft kapituliert (http://www.plantor.de/2009/gescheitert-warum-die-politik-vor-der-wirtschaft-kapituliert/) Wohl oder übel bedeutet das für die NRW-Wähler: Die Oppositionspartei wählen ist die einzige Alternative.
tollted 23.02.2010
2. Welche meinen Sie?
Zitat von Hartmut DresiaEs besteht kein Anlass, sich zu wundern. Das Problem betrifft - mehr oder weniger - alle Systemparteien: Gescheitert - Warum die Politik vor der Wirtschaft kapituliert (http://www.plantor.de/2009/gescheitert-warum-die-politik-vor-der-wirtschaft-kapituliert/) Wohl oder übel bedeutet das für die NRW-Wähler: Die Oppositionspartei wählen ist die einzige Alternative.
Oppositionspartei ist doch die SPD?! Das die linken Gutmenschen mit Vergnügen ihre politischen Gegner diffamieren ist ja bekannt, blöd nur wenn man sich dann selbst erwischen lässt. Hauptsache man kann immer mit dem Zeigefinger andere angiften und so tun als sei man anders. Toll auch das die Linken die Straffreiheit bei der Selbstanzeige von Steuersündern abschaffen will (ist es arg böse wenn ich das als populistisch bezeichne - immer dem Wähler nach dem Maul reden). Soll die Schweiz doch bitte die Konten deutsche Amtsträger offenlegen; wundern würde es mich nicht wenn da einige schwarz-gelbe Politiker auftauchen, aber mit Sicherheit eben auch zahlreiche Linke - rot-rot-grüne Politiker. Wasser predigen und Wein saufen - erinnert mich irgendwie an den Sozialismus und deren Parteibonzen. Aber glaubt ihr nur all diesen Gutmenschen und ihrem träumerischen blabla und verurteilt Menschen die sich trauen die Wahrheit zu sagen. Das können die Linken gut - ich erinnere mich an einen Hernn Möllemann der im NRW Landtag von linker Seite beschimpft wurde als er gegen israelische Politik sprach - dabei hatte er es sich erlaubt einen alternativen Friedensnobelpreisträger und israelischen Oppositionellen wortwörtlich zu zitieren - schlimm was er da von sich gegeben hat. Aber naja - hat halt der Möllemann zitiert und kein Genosse.
CHANGE-WECHSEL 23.02.2010
3. jeder ist käuflich
Zitat von sysopNicht nur bei der CDU werden Politiker-Kontakte an Unternehmer vermittelt, auch die Genossen bahnen Gespräche mit ihren Promis an. Eine Preisliste wie bei der Union gibt es zwar nicht, dafür können Anzeigen im "Vorwärts" und Sponsoring von Veranstaltungen den Weg zu einem Spitzen-Sozi ebnen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,679676,00.html
Jeder ist käuflich. Auf welcher Gehaltsliste steht eigentlich Frau Barbara Schmid? Der Verdacht liegt Nahe, dass sie nähere Kontakte zur CDU pflegt. Doch was zeigt uns dies alles. Keiner Politikerin und keinem Politiker geht es um das Volk. Es geht nur um Macht, Macht und Macht. Und da Geld gleich Macht ist, geht es vor allem ums Geld. Und an viel Geld kommt nur der Skrupellose. Damit stellt sich die Frage, wer ist im deutschen Parteienland der Skrupelloseste? Geht man von den Parteispenden und der Größe der Partei aus, so ergibt sich folgende Reihenfolge: FDP - CSU - CDU - SPD - GRÜNE und weit abgeschlagen die Linke. Doch ausgerechnet die ersten in der Reihe labern ständig von Rechtsstaat und Demokratie. Und der beliebige BILDzeitungleser kauft es diese sogar ab. Er bezahlt für dies, was er hören und lesen möchte. Das Rad dreht sich zurück ---> Massenarbeitslosigkeit, Weltwirtschaftskrise, II.Weltkrieg, Neoaristokratie, gekaufte Politik - wir befinden uns im Moment zwischen Weimarer Republik, Revolution und I. Weltkrieg. Alles wiederholt sich - auch die Geschichte. Nur in etwas abgeänderte Dramatik.
frubi 23.02.2010
4. .
Zitat von Hartmut DresiaEs besteht kein Anlass, sich zu wundern. Das Problem betrifft - mehr oder weniger - alle Systemparteien: Gescheitert - Warum die Politik vor der Wirtschaft kapituliert (http://www.plantor.de/2009/gescheitert-warum-die-politik-vor-der-wirtschaft-kapituliert/) Wohl oder übel bedeutet das für die NRW-Wähler: Die Oppositionspartei wählen ist die einzige Alternative.
Ich würde eher vorschlagen, dass der Wähler diesmal ein weitaus deutlicheres Zeichen setzt und die Wahlbeteiligung unter 45 % rutscht. Nur das kann den Politikern (die Opposition ist doch nicht viel besser - das ist ein Zirkuszelt mit vielen Clowns) eventuell deutlich machen, was wir von deren "Spiel" halten.
archie, 23.02.2010
5. Non olet.
Was soll die ganze Aufregung? Es dreht sich immer nur ums Geld.
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