Datenanalyse Nordrhein-Westfalen CDU mobilisiert, SPD sackt bei älteren Wählern ab

Mehr Wähler, mehr Stimmen: Die CDU gewinnt in NRW vor allem bei den Nichtwählern - und profitiert von der Schwäche der Konkurrenz in einer wichtigen Gruppe. Die Analyse.

Wahlsieger Laschet
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Wahlsieger Laschet

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Saarland, Schleswig-Holstein und jetzt auch noch Nordrhein-Westfalen: Zum dritten Mal in Folge hat die SPD bei einer Landtagswahl eine herbe Niederlage eingesteckt. Ausgerechnet in der roten Hochburg NRW flog die Partei nun aus der Regierung: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft muss abtreten, ihr Nachfolger wird ein Mann, dem lange nur wenig Chancen eingeräumt worden waren: Armin Laschet von der CDU. Was ist passiert?

Bereits im Laufe des Sonntags hatte sich etwas abgezeichnet, das grundsätzlich alle Parteien befürworten: Die Wahlbeteiligung nahm im Vergleich zur vergangenen Abstimmung deutlich zu. 65,2 Prozent der über 13 Millionen Wahlberechtigen gingen an die Urnen, das sind 5,6 Prozentpunkte mehr als 2012.

Davon konnte vor allem die Union profitieren. Armin Laschet, dem stets ein zu defensives Auftreten vorgeworfen wurde, konnte offensichtlich deutlich besser mobilisieren als die Konkurrenz. Aus dem Lager der Nichtwähler holte seine CDU laut Analysen von infratest dimap etwa 440.000 Stimmen - entscheidend für den Sieg der Union. Zum Vergleich: die SPD gewann nur 170.000 Stimmen hinzu.

Dazu kommt: Beim direkten Gegner wilderte die CDU ebenfalls erfolgreich. 310.000 frühere Wähler der Sozialdemokraten stimmten nun für die Union. Eine bittere Angelegenheit für die SPD. Schließlich hatte sich die Partei unter Kanzlerkandidat Martin Schulz noch vor wenigen Wochen im Angriffsmodus gewähnt. Jetzt stürzte die Partei ab.

Auffallend: Auch an die Liberalen verlor die SPD deutlich - möglicherweise ein Indiz für die Sorge für einem Linksbündnis im konservativen Flügel der SPD, auch wenn dieses Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ausgeschlossen hatte. Die FDP holte mit ihren omnipräsenten Spitzenkandidaten ohnehin mit über zwölf Prozent ein Rekordergebnis in NRW. Während die Grünen an alle Konkurrenten Wähler verloren, musste die Linke nur an eine Partei Stimmen abgeben: ausgerechnet an die Rechtspopulisten der AfD.

Wählerwanderung - Salden aus Zu- und Abwanderung

Vor allem bei den älteren Wählern machte die SPD eine schlechte Figur. In der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen sackte die Partei um elf Prozentpunkte ab, die Union - in allen Gruppen verbessert - verzeichnet hier ein zweistelliges Plus. Ähnlich sieht es bei den über 60-Jährigen aus.

Am wenigsten verlor die SPD bei den jungen Wählern - allerdings war sie hier im Gegensatz zum Bund auch in der Vergangenheit eher schwach. Die Grünen dagegen haben die ihre meisten Unterstützer bei den Jüngsten. Und auch die AfD ist im jungen Lager am erfolgreichsten: bei den 25- bis 34-Jährigen.

Männer und Frauen haben in Nordrhein-Westfalen weitgehend ähnlich abgestimmt. Der Blick ins Detail verrät jedoch eine Besonderheit bei den Liberalen. Am stärksten legt die FDP in der Gruppe der jungen Männer bis 24 Jahre zu - dort gewinnt die Lindner-Partei laut infratest dimap zehn Prozentpunkte und kommt auf 18 Prozent.

Lediglich bei der AfD stimmen die Geschlechter deutlich unterschiedlicher ab: Während nur fünf Prozent der weiblichen Wähler für die Rechtspopulisten stimmten, holte die Partei bei den Männern neun Prozent.

Bei Beamten und Selbstständigen hat die Union am kräftigsten zugelegt, ebenfalls die Grünen. Die SPD verliert dagegen vor allem bei den Rentnern - erneut Ausdruck des schwachen Abschneidens der Partei bei den älteren Wählern. Bei den Arbeitern, klassisches SPD-Milieu, bleiben die Sozialdemokraten stärkste Kraft, verlieren jedoch ebenfalls sieben Prozentpunkte.

Nur in einer Gruppe kann die SPD zulegen: 41 Prozent der arbeitslosen Wähler haben für die Regierungspartei gestimmt. Sogar die Linke verzeichnet hier nur ein geringes Plus. Die FDP punkten ebenfalls bei ihrer Kernklientel: 21 Prozent der Selbstständigen stimmten für die Liberalen.

Deutlich Boden gutmachen kann die CDU in den höheren Bildungsschichten. 2012 hatte sie in dieser Gruppe noch ihr schlechtestes Ergebnis erreicht. Jetzt gewinnt sie zweistellige Werte hinzu. Die SPD verliert bei allen Bildungsgraden - am stärksten bleibt sie bei den niedrigen Schichten.



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